KONSUMENT.AT - Vorsorge-Untersuchungen - Bakterien im Harn

Vorsorge-Untersuchungen

Vorsorge mit Sinn

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KONSUMENT 10/2021 veröffentlicht: 17.09.2021

Inhalt

Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen haben zum Ziel, Risikofaktoren zu beurteilen und Krankheiten möglichst früh zu entdecken. Dabei gilt es, den Nutzen einer Untersuchung gegen einen möglichen Schaden abzuwägen.

Der Artikel bewertet folgende Untersuchungen:

  • Bakterien im Harn
  • Osteoporose-Test unter 50 Jahren
  • Zuckerkrankheit erkennen
  • Blutuntersuchung bei gesundheitsgefährdendem Alkoholkonsum
  • Früherkennungsuntersuchung der Nieren
  • Nahrungsergänzung mit Vitamin D
  • Depression frühzeitig behandeln

Sinnvoll oder nicht?

Durch Vorsorgeuntersuchungen können Krankheiten frühzeitig behandelt werden. Meist fühlen sich Menschen, die sie in Anspruch nehmen, allerdings gesund. Mehrere ­Faktoren sind relevant, wenn es darum geht, ob eine Untersuchung notwendig und sinnvoll ist oder nicht: Zum einen bringt eine Früerkennungsuntersuchung keine Vorteile, wenn der Zeitpunkt der Behandlung der Krankheit – früh oder spät – keine Rolle spielt. Zum ­anderen sind die Ergebnisse von Untersuchungen nicht immer zuverlässig. Soge­nannte falsch-positive Ergebnisse führen dazu, dass ein Mensch als krank eingestuft wird, obwohl er es nicht ist.

Darüber hinaus können Überdiagnosen dafür sorgen, dass Krank­heiten behandelt werden, die zeitlebens nie bemerkt worden wären. Die Österreichische Gesellschaft für Public Health hat in Zusammenarbeit mit der Initiative "Gemeinsam gut entscheiden" sieben Vorsorgeunter­suchungen ausgewählt, für die in vielen Fällen kein tatsächlicher Nutzen nachweisbar ist. Im ­Gegenteil: Sie können auch schaden.

Bakterien im Harn

Bei Personen, die 65 Jahre oder älter sind, finden sich in etwa 5 bis 20 von 100 Fällen Bakterien im Harn. Sie leiden allerdings nicht unter den Beschwerden eines Harnwegsinfekts wie Brennen beim ­Wasserlassen, Harndrang oder Fieber. Wenn keine ­Beschwerden vorliegen, ist auch keine Antibiotika-Behandlung notwendig. Studien zeigen zudem, dass Personen, die zwar Bakterien im Harn haben, aber symptomfrei sind, nicht von einer Antibio­tikaeinnahme profitieren.

Auch bei ihnen kann es später zu einem Harnwegsinfekt mit Beschwerden kommen. Es wird daher davon abgeraten, nach Bakterien im Harn zu suchen, ohne dass Beschwerden vorliegen. Außer bei schwangeren Frauen und vor urologischen Eingriffen: Hier sollen Bakterien im Harn grundsätzlich behandelt werden.

Fazit: Nur wenn Beschwerden vorliegen, empfiehlt es sich, nach Bakterien im Harn zu suchen. Ansonsten ist weder eine Untersuchung noch eine Behandlung erforderlich.


Die Initiative "Gemeinsam gut entscheiden" möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die Anwendung von mehr medizinischen Untersuchungen, Behandlungen oder Medikamenten nicht immer besser ist. Das Projekt ist eine Kooperation von Cochrane Österreich an der Donau-Universität Krems und dem Institut für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Universität Graz. Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.gemeinsam-gut-entscheiden.at .

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Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
17 Stimmen

Kommentare

  • Bin nicht Ihrer Meinung
    von ling am 07.10.2021 um 09:22
    Ich halte Ihren Artikel insofern für problematisch, da er suggeriert, dass (ich setze dies bewusst in Anführungszeichen) "die meisten Vorsorgeuntersuchungen sowieso unnötig sind". Viele Menschen, die nicht gerne oder gar nicht zum Arzt gehen - insbesondere ohne Unwohlsein oder Schmerzen zu verspüren -, würden/werden sich dadurch noch bestätigt fühlen, dass "es eh nicht so schlimm ist", wenn man ein paar Achterl oder einige Biere zu viel trinkt oder/und übergewichtig ist. Beides könnte sogar auf die gleiche Zielgruppe zutreffen.
    Dass es grundsätzlich kein Nachteil ist, wenn man ein- bis zweimal pro Jahr eine Blutuntersuchung durchführen lässt, um bspw seinen Cholesterin- bzw den HBA1c-Wert zu kennen, hat bereits User K17 bemerkt.
    Insbesondere den HBA1c-Wert im fortgeschrittenen Lebensalter zu beobachten, kann für übergewichtige Personen ein wesentlicher Faktor sein, Diabetes Typ 2-Patient zu werden oder nicht. Schließlich leben wir in Österreich, im Land der Mehlspeisen, der "Rund- und-g'sund-Einstellung" und der seltsamen Ansicht, dass mit jemandem, der bewusst auf Alkohl verzichtet, schon einmal etwas nicht stimmen kann.
    Und weil wir schon beim Alkohol sind: Für den Normalsterblichen ist es ungemein schwierig abzuschätzen, was ist (noch) gesund und ab wann beginnt ein Überkonsum oder tritt auf längere Sicht eine Schädigung (Abhängigkeit) ein. Mediziner werden gerne zitiert, dass ein Achterl (insbesondere Rotwein am Abend) sogar gesund sein soll. Wieder andere meinen, dass dies schon reicht, um eine gewisse Abhängigkeit zu entwickeln. Labortests, um Menschen zu identifizieren, die zu viel Alkohol trinken, halte ich auch für unnötig, da das Thema "Legale Gesellschaftsdroge Alkohol" ein heißes Eisen ist und sich das kaum jemand gefallen lassen wird. Schließlich würden solche Tests viele Führerscheinbesitzer betreffen und da würde selbst jemand mit einem sehr niedrigen Bildungsniveau hellhörig werden. Sehr viele Menschen sind sich ihres viel zu hohen Konsums bestimmt nicht bewusst, da für sie offenbar gilt: "Ich habe keine Probleme mit dem Alkohol, nur ohne". Außerdem herrscht nach wie vor die Einstellung: "Alkoholiker sind die anderen, ich trinke ja kaum etwas. Die paar Bier am Abend - man gönnt sich ja sonst gar nichts".
    Auch für Cholesterinwerte gibt es viele und zT sehr voneinander abweichende Aussagen. Beim Blutdruck sieht es nicht anders aus. Früher galt die Formel "Lebensalter + 100", aktuell sollten schon ab 140 die Alarmglocken läuten. Verunsicherung in jeder Weise.
    Ein vernünftiges und vor allem ausführliches Arztgespräch ist außerdem heutzutage - bei der Massenabfertigung in den Arztpraxen bzw Ärztezentren - kaum mehr möglich. Also informiert man sich über das Internet. Doch hier die Spreu vom Weizen zu trennen ist nicht einfach. Viele Seiten geben vor seriös zu sein (um einem zum Abschluss dann das Buch der Bücher oder wieder einmal ein Wundermittel verkaufen zu wollen), viele Blogs lesen sich gut, doch wie kann der Laie deren Inhalte überprüfen?
    Schließlich landet man (wieder) beim VKI und bekommt einen Artikel zu lesen, den man schließlich genauso skeptisch wie die übrigen Medien betrachtet und zum Schluss kommt: Naja...
  • Vitamin D, Osteoporose
    von k17 am 24.09.2021 um 11:20
    Ich bin selbst von starkem Vitamin-D-Mangel (laut zwei Ärzten) betroffen und habe im Bekannten- und Verwandtenbereich ähnliche Fälle, die sich nicht einfach mit ein bißchen Sonnetanken und Lachs essen lösen ließen.
    Mich würde interessieren für wieviel Prozent der Gesamtbevölkerung ihre Aussagen zutreffend sind?
    Und natürlich stellt sich trotzdem die Frage wie man wissen soll, ob man zur betroffenen Gruppe gehört, wenn man nie einen Test macht ...

    Darüberhinaus erschließt sich mir nicht, was an zwei Blutuntersuchungen - einmal im Winter und einmal im Sommer zur Kontrolle - unsinnig oder gar schädlich sein soll?
    Eine Übersdosierung wird man wohl auch kaum erreichen, wenn man regelmäßig kontrolliert ...

    Meines Wissens hat ein Vitamin-D-Mangel auch weiterreichende Konsequenzen wie z.B. schlechte Kalziumeinlagerung in den Knochen. Warum sollte man dies schon in jüngeren Jahren vernachlässigen?

    Ähnliches gilt für Ihre Aussagen zur Osteoporose unter 50 Jahren. Auch da kenne ich Fälle unter 50 die betroffen sind und auch darunter leiden.

    Außerdem sollten Sie zumindest darauf hinweisen, dass familiäre Veranlagungen eine Rolle spielen und entsprechende Untersuchungen für solche Personen durchaus sinnvoll sind.
  • BMI altersabhängig
    von Nimue am 20.09.2021 um 14:47
    Die Aussage, dass ab einem BMI von 25 Übergewicht vorliegt, trifft nach aktuellen Erkenntnissen nur zum Teil zu, da der BMI altersabhängig ist. Hier ein Zitat aus der Webseite des Berufsverbandes Deutscher Internistinnen und Internisten (https://www.internisten-im-netz.de/vorsorge/anti-aging/gesund-leben-im-alter/essen-im-alter.html):

    "Der so genannte Body-Mass-Index (BMI) hilft dabei, das optimale Körpergewicht zu bestimmen. Er errechnet sich aus dem Körpergewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergröße. Die Grenzwerte für einen optimalen BMI sind altersabhängig: Bis zu einem Alter von 45 Jahren gilt als übergewichtig, wer einen BMI von über 25 hat, ab einem Wert von 30 liegt schweres Übergewicht (Adipositas) vor. Jenseits der 45 wird auch ein etwas höherer BMI noch als Normalgewicht angesehen. Ab einem Alter von 64 Jahren spricht man erst bei einem BMI über 29 von Übergewicht. Dagegen wird ab einem Alter von 75 Jahren bereits ab einem BMI von unter 24 von Untergewicht gesprochen. Dies zeigt, dass im höheren Alter das Problem der Überernährung von dem Problem der Unterernährung eingeholt wird."