KONSUMENT.AT - Wasser: Privatisierung der Versorgung - Nachhaltigkeit oder Krieg

Wasser: Privatisierung der Versorgung

Verkauftes Menschenrecht

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KONSUMENT 12/2017 veröffentlicht: 23.11.2017

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Flaschenwasser im Aufschwung

In Staaten wie Österreich, die Leitungs­wasser in Trinkwasserqualität haben, ist Flaschenwasser ein Luxuskonsumgut. In Ländern ohne ausreichende Trinkwasserversorgung erfolgt die Wasserversorgung oft über Flaschenwasser – für jene, die es sich leisten können. Der Umsatz mit abgefülltem Wasser stieg von 2011 bis 2015 um 20 Prozent auf 16 Milliarden Dollar. Dieser Anstieg ist weitgehend auf die Expansion in Asien, Afrika und Lateinamerika zurückzuführen.

Konzerne pumpen Brunnen leer

Marktführer im globalen Flaschenwasserhandel sind Nestlé, die Danone-Gruppe, die Coca-Cola-Company und PepsiCo. Abfüllanlagen werden, etwa in Indien, oft in wasserarmen Gegenden errichtet und pumpen ohne Rücksicht auf Nachhaltigkeit das Grundwasser ab, um es dann der Bevölkerung teuer zu verkaufen. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel, Brunnen trocknen aus.

Leitungswasserversorgung vernachlässigt

Bei diesem Raubbau geraten in der Regel lokale Bevölkerung und Landwirtschaft ins Hintertreffen. Auch steht Flaschenwasser in Konkurrenz zur ­öffentlichen Trinkwasserversorgung, denn seine leichte Verfügbarkeit lässt es überflüssig erscheinen, in armen Ländern ein teures Wasserleitungssystem aufzubauen bzw. verleitet zur Vernachlässigung der vorhandenen Leitungswasserversorgung.

Menschenrecht und Menschheitserbe

Maude Barlow, bekannte kanadische Wasserrechtsaktivistin, formuliert in ihrem Buch "Blaue Zukunft – das Recht auf ­Wasser und wie wir es schützen können" Grund­sätze für einen weltweit gerechten Umgang mit der Lebensnotwendigkeit Wasser: Der Zugang zu Wasser ist ein Menschenrecht, das allen Menschen zur Verfügung stehen muss. Wasser ist ein Menschheitserbe, das zukünftigen Generationen genauso ­gehört wie allen ­Lebe­wesen.

Nachhaltigkeit oder Krieg

Und: Wasser lehrt uns das ­Zusammenleben. Wird der Umgang damit nicht an Gemeinschaft­lichkeit und Nachhaltigkeit ausgerichtet, drohen der Welt Aus­einandersetzungen ums ­Wasser ohne ­Ende: unter Staaten, ­zwischen Arm und Reich, Kleinbauern und industrieller ­Landwirtschaft, Großstädten und länd­lichen Kommunen oder indigenen Gemeinschaften.

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Kommentare

  • Investitionen oder Spekulation
    von smoo am 24.11.2017 um 15:00
    Ich denke, man muss unterscheiden: zwischen Investitionen und Weiterentwicklungen in und von Wasser(aufbereitungs)technologien auf der einen Seite und Spekulation mit Wasserrechten und dem Rohstoff an sich auf der anderen Seite. Ersteres ist sicher notwendig und erwünscht und kann auch durch private Firmen erfolgen, zweiteres gehört in staatliche Hände bzw. sollte durch Preisgrenzen geregelt werden.