Soziale Netzwerke: globales Stammbuch

Vom Internet abgelöst

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KONSUMENT 9/2011 veröffentlicht: 12.08.2011

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Das waren Zeiten, als man noch Verse in Stammbücher schrieb. - "Kunde König“, ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

KONSUMENT-Kolumnist Alois Grasbock (Bild: VKI) 
Alois Grasböck

Es war einmal, und das ist noch gar nicht so lange her, da hatten die Kinder ein Stammbuch, das in vielen Fällen das Sprüchlein „ Liebe Leute groß und klein, haltet mir mein Stammbuch rein!“ enthielt. Darin trugen sich Mitschüler, Angehörige und die Frau Lehrerin ein, und das war’s dann.

Im Staub der Vergangenheit müssen Unmengen von Stammbüchern ruhen, in denen sich der klassische Vers „Zwei Täubchen am Dache, die lieb ich so sehr, doch dich, liebe Eva, viel tausend Mal mehr“ findet. Das waren Zeiten!

Globale Angelegenheit

Heute ist das Stammbuch eine globale Angelegenheit, jeder kann darin blättern oder zusammen mit dreißig oder vierzig Millionen anderen ein sogenannter Freund von Lady Gaga sein. Schon wächst eine Generation heran, die ihr Leben von Kindesbeinen an dem großen Bruder Internet anvertraut.

Achtung, Spinne!

Wo ein großes Netz ist, möchte man den Kindern zurufen, da gibt es auch eine Spinne! Also passt auf, dass sie euch nicht einwickelt und aussaugt! Leider gelten Ratschläge von Erwachsenen bei der Jugend vorwiegend als uncool, außerdem sind die Alten kein leuchtendes Vorbild. Sonst könnte es nicht so viele geben, die auf die faulsten Internet-Betrügereien hineinfallen. Und manche Erwachsene schreien ihre Blödheit sogar derart laut über Facebook hinaus, dass sie deshalb ihren Job verlieren.

Sozialer Druck

Versuchen wir es dennoch: Hey Kids, die sozialen Netzwerke heißen so, weil sie sozialen Druck auf euch ausüben. Wer nicht dabei ist, soll sich als Außenseiter fühlen, und das klappt ja auch schon hervorragend. Und die Rechnung „Je mehr Friends oder Follower, desto erfolgreicher“ soll euch auf ein Leben einstimmen, in dem es nur ganz wenige Sieger und sehr viele Verlierer gibt. Ihr wisst schon: Alles wird zum Ranking oder zu „Austrias Next Top-Irgendwas“.

So, das wär‘s. Und sollten die sozialen Netzwerke einmal zu lästig werden, habt ihr die Hoffnung, dass ein paar begabte Hacker den Kampf aufnehmen. Bis dahin sei euch ins Netz geschrieben: Liebe Leute groß und klein, schreibt nicht zu viel ins Facebook rein!

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