Olivenöl im Test: Extra bitter

Teure Öle schmecken nicht besser

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Konsument 9/2007 veröffentlicht: 21.08.2007

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18 nativ extra Olivenöle im Test - hoher Verdacht auf verbotene Nachbesserung - kein einziges Öl war frei von Schadstoffen

Griechen bei Olivenölverbrauch top

Es ist die Krönung für den gegrillten Fisch, den Salat, den Schafkäse, es rundet die Pasta und das Gemüse ab, und es wird zum Schmoren und Braten verwendet … Kaum ein Gericht der mediterranen Küche, in dem nicht auch Olivenöl enthalten wäre.

Vor allem in Griechenland wird mit rund 20 Litern pro Kopf und Jahr reichlich Olivenöl konsumiert. Mit in etwa 10 Litern zählen auch Italiener und Spanier nicht zu den Kostverächtern. Verglichen damit ist unser Verbrauch – pro Kopf und Jahr rund ein halber Liter – zwar äußerst bescheiden, dennoch: Olivenöl liegt auch in Österreich im Trend, Tendenz steigend.

Auch in Österreich steigender Bedarf

Ein Blick in die Lebensmittelgeschäfte zeigt: Das Angebot ist jetzt schon riesig. Rund 60 Olivenöle verschiedener Marken haben wir alleine in den Regalen von Supermärkten, Bio-Läden und Diskontern ausfindig gemacht. Geht es nach der Kennzeichnung, sind die angebotenen Öle samt und sonders top. Auf den Etiketten ist stolz vermerkt „Natives Olivenöl extra“ oder „Extra vergine“. Das bedeutet höchste Güteklasse. Anders als in Deutschland oder der Schweiz haben wir bei uns als „Natives Olivenöl“ gekennzeichnete Produkte, das ist beim Olivenöl die zweite Güteklasse, im Handel nicht gefunden. Von all den vielen angebotenen Ölen haben wir die gängigsten für unseren Test ausgewählt. 

Normen fürs Öl

Für Olivenöl gelten EU-weit einheitliche, rechtlich verbindliche Qualitätsnormen. Was als sogenanntes „Natives Ölivenöl extra“ verkauft wird, muss demnach unter anderem in Geruch und Geschmack fehlerfrei sein – so die gesetzliche Vorgabe. Öle mit leichten sensorischen Fehlern sind bereits Güteklasse zwei, also native Olivenöle. Ob ein Öl in Geschmack und Geruch tatsächlich einwandfrei ist, lässt sich nicht durch chemische Untersuchungen, sondern ausschließlich durch Verkosten feststellen.

Und da reicht es nicht, dass einfach irgend jemand am Öl nippt, da müssen Experten ans Werk. Das Olivenöl aus unserem Test wurde daher auch durch ein vom International Olive Oil Council (IOOC) in Madrid anerkanntes deutsches Prüfpanel (eine Gruppe von eigens geschulten Testern) bewertet. Weltweit gibt es etwa 40 zugelassene (akkreditierte) Prüfpanels. In Österreich hat keines davon seinen Sitz.

Lesen Sie auch unseren Kommentar: [ Olivenöl - Ranzig? ]

Details zu den getesteten Produkte finden Sie in den Testabellen und den Bildergalerien .

REDAKTION: Gesundheitsschädlich? (31.08.2007)

Ist das Olivenöl von Spar Natur pur gesundheitsschädlich?

Nach der Veröffentlichung unserer Testergebnisse von Olivenölen fragen uns derzeit viele Konsumenteninnen und Konsumenten gezielt nach dem Spar Natur Pur-Produkt.

Dazu ein paar Fakten:

  • Das Olivenöl von Spar Natur pur wurde hinsichtlich seines Gehaltes an Weichmachern negativ beurteilt. Es enthält 5 mg DEHP - Bis(2-ethylhexyl)phthalat. Phthalate sind mittlerweile in der Nahrungskette fast überall vorhanden (``ubiquitär´´) und können in geringen Mengen in vielen Lebensmitteln nachgewiesen werden.
  • - ABER: Bei Ölen liegt dieser Wert normalerweise im Bereich von 1 bis 2 mg/kg DEHP. Eine höhere Menge weist also auf zusätzliche Verunreinigungsquellen (Produktion, Verpackung) hin. Und das ist vermeidbar.
  • Die von der europäischen Lebensmittelbehörde festgelegte, tägliche duldbare Aufnahmemenge liegt bei 0,05 mg/kg Körpergewicht ( http://www.efsa.europa.eu/de/science/
    afc/afc_opinions/1142.html
    ).
  • Diese Menge kann täglich ein Leben lang konsumiert werden, ohne dass gesundheitliche Schäden zu befürchten sind. Umgerechnet ergeben sich daraus Aufnahmemengen von 3 mg/Tag für einen 60 kg schweren Erwachsenen und 1 mg/Tag für ein 20 kg schweres Kind. 
  • Das bedeutet, dass schon sehr große Mengen an Öl konsumiert werden müssen, um in den kritischen Bereich zu kommen. Die Menge, bei der es im Tierversuch zu keinen negativen Effekten kommt, liegt um einen Faktor 100 höher. 
  • ABER: Phthalate kommen natürlich auch in anderen Lebensmitteln vor. Deshalb muss angesichts der Schädlichkeit der Grundsatz der Risikominimierung gelten. Die Aufnahme von Phtalaten ist daher so gering wie möglich zu halten. Da die ubiquitär vorhandenen Mengen nicht zu vermeiden sind, sind alle zusätzlichen Einträge in einem verantwortungsvollen Produktionsprozess zu vermeiden. 
  • Besonders bei einem Bioprodukt erwartet sich der Konsument zu Recht eine besondere Sorgfalt und eine weitestgehende Schadstoff-Freiheit. Und dieser Erwartung entspricht das Produkt nicht.

Tipp: Konsumenten, die das Natur pur Öl nicht mehr verwenden wollen, können es laut Auskunft der Unternehmenssprecherin von Spar Frau Mag. Berkmann zurückgeben.

DIE REDAKTION

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8.10.2007

Korrekte Testergebnisse - Anwort auf Spar

Spar nimmt zu den Ergebnissen von "Spar Natur pur" auf www.spar.at und in diversen Leseranfragen Stellung und führt darin an, dass der VKI falsche Grenzwerte verwendet hätte und auf Mess-Ungenauigkeiten nicht eingegangen wurde.

Wir möchten darauf hinweisen, dass unsere Grenzwerte die derzeit aktuellen sind und Mess-Unsicherheiten ebenfalls berücksichtigt wurden. Die von Spar angeführten neuen Grenzwerte zur Wärmebehandlung sind etwas niedriger als die jetzigen. Diese neuen Grenzwerte würde das Spar-Natur pur Olivenöl nicht mehr überschreiten. Sie sind aber erst ab 1.1.2008 gültig.

DIE REDAKTION

 

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Bild: VKI