Aktienanleihe der Erste Bank

Hohe Zinsen oder schlechte Aktien

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veröffentlicht: 15.11.2013

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Die Erste Bank bietet Zinsen, wie sie sonst nur für Junk-Bonds gezahlt werden. Das Risiko: Man bekommt Aktien statt Bares als Rückzahlung.

Neun Prozent Zinsen für eine Anleihe – noch dazu von einer renommierten Bank wie der Ersten, das mutet fast unglaublich an. Denn derzeit bekommt man nicht einmal für Unternehmensanleihen viel mehr als ein Prozent. Solche Zinssätze ist man von Junk-Bonds – Schrott-Anleihen – gewohnt, bei denen ein hohes Ausfallsrisiko besteht.

An den Kurs der Erste Aktie gekoppelt

Es ist allerdings keine herkömmliche Anleihe, die die Erste Bank anbietet, sondern eine Aktienanleihe, die an den Kurs der Erste Group Aktie gekoppelt ist. Die Laufzeit beträgt ein Jahr, Tag der Tilgung ist der 28. November 2014. Wenn der Kurs der Aktie während der Laufzeit steigt oder gleich bleibt (Stichtage sind der 27.11.2013 und der 26.11.2014), erhält der Anleihezeichner sein Geld zurück zuzüglich neun Prozent Zinsen. Sollte der Kurs der Aktie jedoch unter den Ausübungspreis fallen, erfolgt keine Kapitalrückzahlung sondern man bekommt Erste-Aktien. Als Basis wird der Schlusskurs von 27.11.2013 herangezogen. Nur die Zinsen in Höhe von 9 Prozent bekommt man ausbezahlt.  

Kursverlust trägt der Anleihezeichner

Das heißt, der Anleihezeichner muss im Fall eines Kursrückganges der Erste Aktie mit dieser – dann unattraktiven – Aktie vorliebnehmen. Er muss den Kursverlust voll mittragen. Dieser wird nur dadurch gemildert, als man noch so lange im Plus bleibt, als der Kursverlust geringer als die Neun Prozent Zinsen sind, die man ja auf jeden Fall bekommt.

Was weiß die Erste Bank?

Der Emittent gibt also das Risiko von Kursverlusten an den Anleihezeichner weiter. Man kann es als eine Art Wette sehen: Der Emittent rechnet mit fallenden Kursen und ist bereit, dafür das Risiko einzugehen, bei steigenden Kursen hohe Zinsen zu bezahlen. Das Besondere an diesem Angebot ist, dass der Emittent – die Erste Bank – auf den Kursverfall seiner eigenen Aktien wettet. Da mag man sich die Frage stellen: Über welche Informationen verfügt die Erste Bank, die sie glauben lässt, der Kurs ihrer Aktie könnte binnen Jahresfrist hinuntergehen? Die Identität von Wettpartner und Wettgegenstand legt es nahe anzunehmen, dass dieser über Wissen über sein Unternehmen verfügt, das noch nicht öffentlich bekannt ist.

Benachteiligt wird der Anleihezeichner zudem durch die Tatsache, dass die Anleihe nicht an der Börse gehandelt wird. Er muss sie also bis zum Ende der Laufzeit halten oder an den Emittenten zu dessen Bedingungen verkaufen.

Variante mit geringerem Risiko

Die Erste Bank bietet zeitgleich eine zweite Aktienanleihe an, bei der das Risiko – aber auch die Zinsen – niedriger sind. Hier gibt es bei gleicher Laufzeit 7,75 Prozent Zinsen. Wenn der Kurs der Aktie am Laufzeitende über oder gleich dem Kurs zu Beginn ist, erfolgt die Kapitalrückzahlung zu 100 Prozent plus 7,75 Zinsen. Sollte der Kurs darunter liegen, so hat man noch einen gewissen Sicherheits­polster: Nur wenn die Aktie während der Laufzeit die Schwelle von 80 Prozent des Anfangskurses erreicht oder unterschritten hat, erhält man die verlustreichen Aktien an Stelle der Kapitalrückzahlung. Wird diese Barriere zu keinem Zeitpunkt durchbrochen, wird das Kapital zurückgezahlt. Auch hier ist keine Börsennotierung vorgesehen, es besteht also das Risiko, dass man auf seiner Anleihe sitzenbleibt und den Verlust realisieren muss.

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