GetBucks-Mikrokreditanleihe

Gutes tun für 11 Prozent?

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KONSUMENT 7/2014 veröffentlicht: 24.04.2014, aktualisiert: 26.06.2014

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Riskant und nicht besonders ethisch ist die Mikrokreditanleihe der österreichischen GetBucks Invest.

11 Prozent Zinsen und überschaubare Risiken verspricht die GetBucks Invest GmbH für ihre Anleihe mit dreijähriger Laufzeit (Laufzeitende am 31. Jänner 2017). Finanziert werden sollen damit Kleinkredite an Privatpersonen in Afrika. Eine hohe Rendite für Weltverbesserer – geht das?

Riskant und nicht besonders ethisch ist die Mikrokreditanleihe der österreichischen GetBucks Invest - hier Werbung aus ÖSTERREICH (Bild: Schreiner/VKI) 

GetBucks: verlangt 18 bis 80% Kreditzinsen

Detaillierte Informationen finden sich im 172-seitigen Prospekt, das allerdings nur teilweise in deutscher Sprache abgefasst ist, obwohl es sich bei GetBucks um eine österreichische Firma handelt – einer der Gesellschafter ist C-Quadrat-Boss Alexander Schütz. Die Emittentin GetBucks Invest ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der GetBucks Group mit Sitz in Mauritius. Diese wiederum hält Beteiligungen an Tochtergesellschaften in Malawi, Botswana, Kenia, Zimbabwe und Spanien.

Tochtergesellschaften in Afrika und in Spanien

Die Tochtergesellschaften in Afrika und in Spanien vergeben Kleinkredite in der Höhe von durchschnittlich 600 Euro an Privatpersonen in diesen Ländern. Kredite bekommen laut Presseinformationen Personen, die ein regelmäßiges Einkommen vorweisen können. Dennoch werden zwischen 18 und 80 Prozent Kreditzinsen verlangt. Die Margen liegen laut dem Geschäftsführer der GetBucks Invest GmbH Lutz Seebacher zwischen 20 und 28 Prozent.

Beträchtliches Risiko, kein Bonitätsrating

Der Haken dabei: Das Risiko ist alles andere als "überschaubar". Zum einen gibt es für das Unternehmen sowie für die begebene Anleihe kein offizielles Bonitätsrating. Im Prospekt wird ein Ausfallrisiko von 5 Prozent pro Jahr angegeben. Das würde etwa einem Rating der Note B entsprechen und wäre damit ähnlich riskant wie griechische Staatsanleihen. Das Rating wird mit "mangelhafte Bonität, auf lange Sicht geringe Sicherung von Zins und Tilgung, kein dauerhaftes Investment" beschrieben. Das Unternehmen GetBucks Group wurde erst 2011 gegründet und weist daher keine langjährige Geschäftserfahrung auf. Bis zuletzt wurden überdies Verluste geschrieben.

GetBucks-Anleihe nicht im geregelten Handel zugelassen

Die Anleihe wurde nicht für den geregelten Handel zugelassen. Anforderungen des österreichischen Börsegesetzes (Zulassung von Finanzinstrumenten und Emittentenpflichten) gelten daher nicht. Die Anleihe wird lediglich im Dritten Markt der Wiener Börse gehandelt. Ein vorzeitiger Verkauf der Anteile könnte sich wegen kurzer Handelszeiten (13:05 – 14:00) und geringem Interesse als äußerst schwierig erweisen. Das mangelnde Interesse trotz hohem Kupon zeigt sich auch an dem bisherigen Emissionsvolumen. Von den geplanten 30 Millionen Euro wurden bisher erst 5.114.000,00 Euro durch Investoren eingenommen.

Für ethisches Investment gibt es bessere Beispiele

Zum anderen ist es fragwürdig, dass Menschen, die Kleinstkredite in Anspruch nehmen müssen um ihr Leben zu finanzieren dann noch mit Kreditzinsen von bis zu 80 Prozent belastet werden, um eine Marge von bis zu 28 Prozent und eine Anleihenrendite von 11 Prozent gewährleisten zu können. Ein Vergleich zeigt: Die Oikocredit Genossenschaft, eine der bekanntesten Mikrokredit-Finanziers zahlt gerade einmal eine Dividendenrendite von 2 Prozent an Anteilseigner.

Lesen Sie dazu: Mikrokredite für Entwicklungsprojekte 01/2010

Oikocredit: Hilfe zur Selbsthilfe für Arme

Dort stehen die Sicherheit für den Anleger und Hilfe zur Selbsthilfe für die Menschen in den ärmsten Ländern der Welt im Vordergrund. Mit deren Anleihen werden Mikrokredite für Menschen finanziert, die so gut wie nichts besitzen und sich mit dem Geld beispielsweise einen Esel oder einen Karren beschaffen, um ihre Erzeugnisse auf dem nächsten Markt verkaufen zu können.

GetBucks fördert eher der Mittelstand

Bei GetBucks hingegen wird eher der Mittelstand (Mitarbeiter öffentlicher Organisationen) gefördert, der über geregeltes Einkommen verfügt. Und es ist wohl auch kein Zufall, dass in der Bewerbung der Anleihe nicht die Mikrokredite im Vordergrund stehen sondern die 11 Prozent Zinsen.

Kurz zusammengefasst:

  • Guter Zweck fraglich: Mikrokredite bieten armen Menschen, die keine Möglichkeit haben, sich bei Banken Geld auszuleihen, finanzielle Unterstützung. Dabei sollte aber der gute Zweck und nicht die Rendite im Vordergrund stehen.
  • Risiko: Hohe Renditen stehen immer in Verbindung mit hohem Risiko.
  • Liquidität: Die GetBucks-Anleihe wird man vermutlich nicht mehr so leicht los, weil sie nur im Dritten Markt gehandelt wird.

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