Kontoüberziehung: keine Robin Hoods

Kommentar von KONSUMENT-Redakteurin Veronika Kaiser

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KONSUMENT 4/2013 veröffentlicht: 21.03.2013

Inhalt

Konto überziehen: Robin Hood raubte die Reichen aus, seine Beute gab er den Armen. Banken hingegen holen sich von finanzschwachen Kunden das Geld, das sie nach der Finanzkrise benötigen. - Ein "Aufgespießt" von KONSUMENT-Redakteurin Veronika Kaiser.

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Veronika Kaiser
Chefin vom Dienst

Wer wenig Geld hat, muss öfter sein Konto überziehen. Knapp ein Fünftel der österreichischen Wohnbevölkerung tut dies regelmäßig, denn viele Kleinverdiener wissen sich häufig nicht anders zu helfen. Oft ist ihnen aber nicht bewusst, dass sie ihre Probleme damit nicht lösen.

Schritt in die Verschuldung

Rutscht das Girokonto immer wieder ins Minus, ist das oft der erste Schritt in die Verschuldung. Kontoüberziehungen kommen nämlich extrem teuer. Mehr als 13 Prozent verlangen hier viele Geldinstitute. Mit dem Aufwand lässt sich dieser exorbitante Zinssatz nicht erklären. Beim Überziehen passiert alles – Geld vom Konto nehmen, Zinsen berechnen und einbehalten – vollautomatisch. Anders als bei einem Kredit, bei dem Bankbedienstete lange mit einem Kunden beschäftigt sind.

Zinssätze für Überziehungszinsen freihändig angepasst

Nicht genug damit, dass vor allem sozial Schwache diese hohen Zinssätze mangels Alternativen schlucken müssen. Oft werden die Zinssätze für die Überziehungszinsen recht freihändig angepasst: Von "marktkonform“ und "individuell“ ist da in den Geschäftsbedingungen oft zu lesen. Das sind jedoch keine rechtlich eindeutigen Formulierungen. Aus unseren Musterprozessen wissen wir, dass die Gerichte solche Klauseln oft für unwirksam erklären.

Urteil: 12 Prozent Verzugszinsen sind überhöht

Apropos Gericht: In einem Urteil aus dem Vorjahr hielt der Oberste Gerichtshof 12 Prozent Verzugszinsen für überhöht. Das betraf zwar keine Bank, aber es wäre doch interessant, wie die Höchstrichter über 13,5 Prozent Sollzinsen auf Girokonten urteilen. Weniger großzügig sind die Banken, wenn man ihnen Geld überlässt. Bei täglich fälligen Spareinlagen sind 1,5 Prozent derzeit das höchste der Gefühle. Und auf dem Girokonto bringt Geld nahezu keinen Ertrag. Das geht schon seit Jahren so. Damit stopfen die Banken die Löcher, die ihnen die Finanzkrise ins Säckel gerissen hat. Dass die UniCredit Bank Austria vor Kurzem angekündigt hat, die Zinsen für Kredite zu erhöhen, wundert dann auch nicht mehr …

Lesen Sie unsere Untersuchung Überziehungszinsen 4/2013

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