Tattoos (Kommentar)

Der Stamm der illustrierten Körper

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Konsument 5/2009 veröffentlicht: 08.05.2009

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"Kunde König" - ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck. Diesmal: Tattoos

Grasböck Alois PortraitWird das in 3.000 Jahren ein Hallo bei den Historikern geben, wenn sie unsere Kultur ausgraben! Der erste wissenschaftliche Rohbericht dürfte sich ungefähr so lesen: In der 1. Handy-Dynastie (ca. 1990 bis 2015) lebten im damaligen Europa mehrere Stämme, die einen geheimnisvollen Körperkult betrieben.

Verschiedene Gruppen

Zum einen gab es eine Gruppe, deren Mitglieder dem Fußballgott huldigten und sich zum Zeichen ihres Glaubens die jeweiligen Stammesfarben ins Gesicht malten. Bei Massen-Ritualen trugen sie Plastikbecher, die eine mutmaßlich berauschende Flüssigkeit enthielten. Wesentlich auffälliger war ein Stamm, der sich Nägel durch die Zunge stach bzw. andere Metallteile an allen möglichen Körperstellen ins Fleisch trieb. Über den Sinn gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Eine Möglichkeit wäre, dass man sich durch die Schmerzen selbst dafür bestrafen wollte, dass man auf dieses Brauchtum hereingefallen war.

"Die Mode vergeht, das Arschgeweih bleibt"

Sehr bedeutend war der Stamm der illustrierten Körper. Interessant ist, dass „Tattoos“ in einer Epoche zum Massenkult wurden, in der der Analphabetismus wieder auf dem Vormarsch war. Es gibt Vermutungen, dass die in die Haut eingeritzten Zeichnungen als Ersatz für Lesestoff gedient haben könnten. Völkerkundlich völlig rätselhaft ist in diesem Zusammenhang ein spezieller Frauen-Kult, dessen Logo, ein sogenanntes Arschgeweih, auf den Rücken tätowiert wurde. Von einer gut erhaltenen Wandsprayerei wissen wir nur, dass es dazu den Spruch „Die Mode vergeht, das Arschgeweih bleibt“ gab.

Hinweise, dass auch die afrikanische Tellerlippe in Europa zum Massenkult gehört hätte, gibt es noch nicht. Diesbezüglich hofft man auf Funde aus der 2. Handy-Dynastie.

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