Wechseljahre

Nicht immer Hormone ...

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Konsument 2/2010 veröffentlicht: 21.01.2010

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Spätestens in den 1960er-Jahren wurden die Wechseljahre der Frau zu einer Krankheit hoch­stilisiert. Schließlich war die Therapie bereits auf dem Markt: Hormonpillen. Heute weiß man zwar, dass die Behandlung ­gefährlich sein kann. Doch diese Erkenntnis hat sich noch nicht einmal bis zu allen Ärzten ­herumgesprochen.

Das erste Mal, als Renate (damals 50) die ­Hitze spürte, die wie eine Woge von den ­Zehen bis zum Scheitel in ihr aufstieg, meinte sie, einfach zu warm angezogen zu sein. Doch schon wenige Tage später erfasste sie eine neue Hitzewelle, und dann wieder ­eine und noch eine. "Das kommt schlagartig, dagegen kann man sich nicht wehren", erinnert sie sich heute, "manchmal bin ich in der Nacht dreimal aufgewacht und war klatschnass." Wie lange diese heißeste Phase ihres Lebens gedauert hat, weiß Renate heute gar nicht mehr. Irgendwann war es vorbei, genauso plötzlich, wie es gekommen war.

Angelika (59) hatte während der Wechseljahre keinen einzigen Schweißausbruch. Dass sie kaum noch Lust auf Sex verspürte und von einem Tag auf den anderen ­Akne bekam, "wie ich sie nicht einmal in der ­Pubertät gehabt hatte", führte sie darauf ­zurück, dass sich in ihrem Körper etwas ­änderte. Auch eine tiefe Traurigkeit erfasste sie zu der Zeit, als die Menstruation ausblieb.

Blutungsstörungen, Gelenksschmerzen, Vergesslichkeit

Die Liste an Beschwerden, die den Wechseljahren der Frau zugeschrieben werden, ist lang: Neben Hitzewallungen, Blutungsstörungen und Scheidentrockenheit sollen so unterschiedliche Befindlichkeitsstörun­gen wie Reizbarkeit und Konzentrationsschwäche, Schlaflosigkeit und Gelenkschmerzen, Vergesslichkeit, Kopfweh und Herzklopfen darauf zurückzuführen sein, dass ab einem gewissen Alter die Hormonproduktion zurückgefahren wird. Auch die erschlaffenden Gesichtszüge, Hauttrocken­heit und Haarausfall sollen auf das Konto des Östrogenmangels gehen.

Nicht immer ist "der Wechsel" schuld

"Es ist so vereinfachend, alles, was im Alter zwischen 45 und 55 passiert, auf die Wechseljahre zu schieben", sagt Sylvia Groth, Geschäfts­führerin des Vereins Frauengesundheitszentrum in Graz. Ein eindeutiger Zusammenhang mit dem sinkenden Östro­genspiegel ist nur bei Blutungsstörungen, Hitzewallungen und Scheidentrockenheit wissenschaftlich erwiesen. Selbst Depressionen, die lange Zeit als ein untrügliches Zeichen für "den Wechsel" angesehen wurden, treten in diesem Alter nicht häufiger auf als in anderen Lebensabschnitten.

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