WC: Öffentliche Toiletten

Die Not mit der Notdurft

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KONSUMENT 6/2012 veröffentlicht: 24.05.2012, aktualisiert: 19.07.2012

Inhalt

Zahlen oder zwicken? Öffentliche WCs bringen Erleichterung, wenn‘s unterwegs pressiert. Erleichtert wird dann oft auch das Geldbörsel. Wie es heimische Anbieter mit den Gebühren halten und was das Gesetz dazu sagt.

„Pecunia non olet – Geld stinkt nicht.“ Schon im Römischen Reich wusste man aus der Notdurft Geld zu machen. Mit der Latrinensteuer schuf Kaiser Vespasian allerdings nicht nur eine lukrative Einkommensquelle. Der in Amphoren gesammelte Urin galt auch als wertvoller Rohstoff. Er wurde aufgrund seines Ammoniakgehalts vergoren und als Waschmittel sowie zum Gerben von Leder eingesetzt.

Verständnis für Gebühr, wenn Gegenleistung stimmt

Vielen Konsumentinnen und Konsumenten stinkt es, wenn sie für die Benutzung öffentlicher WCs zur Kasse gebeten werden. Aus Zuschriften unserer Leser wissen wir aber auch, dass Verständnis für die Gebühr vorhanden ist, wenn die Gegenleistung stimmt und die Toilette sauber ist.

Ob Betreiber heutzutage WC-Gebühren einheben, bleibt ihnen selbst überlassen. Auch Gastronomiebetrieben ist es mittlerweile (entgegen landläufiger Meinung) freigestellt, ob sie ihren Gästen diesen Service gratis anbieten oder nicht.

Vandalismus verhindern

Geschäft lässt sich mit dem großen oder kleinen „Geschäft“ meist keines machen. Der Obolus, so er eingehoben wird, dient weniger als Einkunftsquelle, sondern eher der Sicherheit und Sauberkeit. Toiletten mit Personal werden weitgehend pfleglicher behandelt und bei Bedarf auch sofort wieder gereinigt. Vandalismus im Vorbeigehen wiederum passiert auch seltener, wenn man vorher 50 Cent einwerfen muss.

Erhaltung von Toiletten geht ins Geld

Dem gegenüber steht der bisweilen erhebliche Erhaltungsaufwand. Die ÖBB etwa wenden jährlich rund 3 Millionen Euro für den Erhalt der Toilettenanlagen an rund 400 Bahnhöfen auf. Die 304 öffentlichen WCs in Wien kosten Bezirke und Gemeinde ähnlich viel. Besonders die historischen Toilettenanlagen wie jene am Graben oder im Türkenschanzpark sind in der Erhaltung und Sanierung äußerst kostspielig – Stichwort Denkmalschutz.

Aussteigen und austreten

Der Autobahnbetreiber ASFINAG wiederum investiert bis 2017 über 300 Millionen Euro in weitere 55 Rastplätze, sodass mittelfristig alle 25 Kilometer nicht nur eine Möglichkeit zum Aussteigen, sondern auch zum Austreten abseits der grünen Wiese gegeben ist.

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Kommentare

  • Öffentliche Toiletten
    von multitude am 14.07.2012 um 14:43
    "Wie es heimische Anbieter mit den Gebühren halten und was das Gesetz dazu sagt" - wird als Information ihres Artikels angekündigt. Danach beschäftigen sich fast 50% des Texts mit den Schwierigkeiten und Problemen die die WC-Betreiber haben und wieso die Menschen Verständnis dafür haben sollen, dass sie für den Gang aufs WC zahlen müssen. Zum angekündigten "was das Gesetz dazu sagt" finde ich folgende Sätze: "Auch wenn man es als ungerecht empfindet: Es gibt keinen Rechtsanspruch auf kostenlose Benutzung öffentlicher WCs. Unterm Strich bleibt leider oft nur die Wahl: zahlen oder zwicken." Der Leser weiß also noch immer nicht ob, in welchem Gesetz(en) und unter welchen Bedingungen die WC-Benutzung geregelt ist. "Zahlen oder zwicken" klingt zwar humorvoll, für viele Menschen, die unter einer Blasenschwäche oder einer Form von Inkontinenz leiden, ist es das allerdings nicht. In den letzten Tagen hat auch das rechtswidrige Inkasso auf Autobahn-WCs für berechtigte Kritik gesorgt, bezahlen doch die österr. Autofahrer eine Maut die u. a. dieses Service beinhaltet - im Gegensatz zu den deutschen. Diese wird laufend erhöht, umgekehrt aber die Anzahl der WCs verringert. Auch die uneinheitliche Praxis auf Bahnhöfen wurde in den Medien heute zu recht kritisiert (http://steiermark.orf.at/news/stories/2541289/ ). Wünschenswert ist nach wie vor, dass die kostenlose Nutzung von WCs in Lokalen, auf Autobahnen auf Bahnhöfen und im öffentlichen Raum der Regelfall ist. Und zwar in einer Form, dass man nicht lange Rituale vorher durchführen muss - wie es mit div. Inkassoformen der Fall ist - sondern, dass dieses natürlichste aller Bedürfnisse problemlos, ohne der Pflicht zur Bereithaltung spezieller Münzen, befriedigt werden kann. Von DER Zeitschrift für Konsumenten erwarte ich Unterstützung und Vorrang dessen, was ja nicht umsonst Not-Durft heißt, vor allen betriebswirtschaftlichen Kalkulationen. Auch wenn es für die WC-Betreiber eine ihnen lästige Verpflichtung ist.
Bild: VKI