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Autohersteller im Ethik-Test

Sozial auf der Kriechspur

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Konsument 4/2004 veröffentlicht: 19.03.2004

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Das Thema Ethik ist in der Branche bereits etabliert. Die Unternehmen widmen solchen Fragestellungen zum Teil große Aufmerksamkeit, Informationen darüber werden auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt (sechsmal Bestnote A). Besonders in Umweltfragen sind die Leistungen der Autohersteller beachtlich. Das ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass Umweltinvestitionen sich auch wirtschaftlich lohnen: So etwa die Reduktion des Energie- und Materialeinsatzes in der Produktion oder die Wiederverwertung bzw. Wiederverwendung von Abwasser und Abfall. Zum anderen trägt auch eine relativ strenge Umweltgesetzgebung dazu bei, dass Verbesserungen erfolgen. Häufig führt allein schon die Ankündigung strengerer Vorschriften oder die Diskussion darüber dazu, dass sich die Branche (oder zumindest deren Vorreiter) bereits vorzeitig umstellt.

Gewerkschaften reden mit

Mächtig sind nicht nur die Konzerne, ihnen stehen auch traditionell starke Gewerkschaften – hohe Organisationsdichte, große Verhandlungsstärke – gegenüber. Daher sind auch Lohnniveau und Sozialleistungen höher als in anderen Industriezweigen. Allerdings trifft dies nur für die Beschäftigten von unternehmenseigenen Betrieben in den Industrieländern zu. Bei Produktionsstätten in der Dritten Welt muss man schon froh sein, wenn gewisse Mindeststandards (keine Kinderarbeit, keine Zwangsarbeit, gewerkschaftliche Freiheiten) garantiert werden.

Zulieferer als Stiefkider

Noch schlechter stellt sich die Lage in den Zulieferbetrieben dar. Die Automobilkonzerne fühlen sich weitgehend nicht dafür verantwortlich, und wenn doch, gibt es keine glaubwürdige Überprüfung dafür, dass selbst auferlegte Verpflichtungen auch eingehalten werden. Und das, obwohl die Markenkonzerne 70 und mehr Prozent der Produktion in Zulieferbetriebe ausgelagert haben.
Zum Vergleich: Bei der Umweltzertifizierung der eigenen Produktionsstätten erreichen 13 von 15 Unternehmen die Bestnote A, bei der Zertifizierung von Zulieferern sind es nur mehr 8.

Keine unabhängige Kontrolle

In puncto Sozialleistungen (in Hochlohnländern) gibt es ebenfalls achtmal einen Spitzenwert, während nur drei Unternehmen ihre Zulieferbetriebe zur Einhaltung von Mindeststandards verpflichten. Eine unabhängige Kontrolle dafür gibt es zurzeit noch nirgends, bei Volvo befindet sich ein Kontrollsystem in der Versuchsphase.

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