Landraub

Jagd nach Land

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KONSUMENT 3/2017 veröffentlicht: 23.02.2017

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Internationale Agrarkonzerne und Banken sichern sich riesige Landflächen in ärmeren Ländern. Der Landraub geschieht oft in Zusammenarbeit mit korrupten Regimen – und unter den Augen der Europäischen Union.

Lesen Sie auch Teil 2 dieses Artikels: Landraub: österreichische Firmen 4/2017

Sierra Leone, Westafrika: Für ein Projekt des Schweizer Unternehmens Addax Bioenergy werden riesige Landflächen für mehrere Jahrzehnte verpachtet. Das dort gepflanzte Zuckerrohr wird in Bioethanol verwandelt – in erster Linie, um die Nachfrage nach Agrartreibstoffen in Europa zu befriedigen. Besonders betroffen davon ist die lokale ­Bevölkerung, deren Recht auf Nahrung und Wasser verletzt wird.

Recht auf Land und Wasser entzogen

Die zwischen der ­Regierung von Sierra Leone und dem Unternehmen ausgehandelten Pachtverträge – zunächst über 50 Jahre, mit einer potenziellen Verlängerung um 20 Jahre – entziehen mehreren Generationen den Zugang zu Land und Wasser. Zahlreiche europäische Entwicklungsbanken, darunter auch die Oesterreichische Entwicklungsbank, haben dieses Projekt mit Krediten oder Zuschüssen unterstützt.

EU-Entwicklungsbanken mitverantwortlich

"Das Projekt in Sierra Leone wurde als besonders nachhaltig angepriesen, das Gegenteil ist jedoch der Fall", weiß Brigitte Reisenberger von FIAN Österreich, Menschenrechtsorganisation für das Recht auf Nahrung. "Im Sommer 2015 gab Addax ­bekannt, dass das Projekt nicht profitabel sei, und verkaufte 75 Prozent der Land­flächen an ein britisches Unternehmen, hinter dem chinesische Investoren stehen."

Auch wenn die europäischen Entwicklungsbanken nun auf Distanz zum einstigen Vorzeigeprojekt gehen, könnten sie ihre Mit­verantwortung für die Menschenrechts­situation vor Ort nicht einfach abstreifen, so Reisenberger. "Zu diesem Schluss kommt auch die Studie des Europaparlaments."

Massive Menschenrechtsverletzungen

Land Grabbing (Landraub) beschreibt eine Entwicklung der letzten Jahre, in der sich ­internationale Agrarkonzerne, Banken oder Pensionskassen – oft in Kooperation mit ­nationalen Eliten – Tausende Hektar Landfläche sichern. Die Akteure kommen nicht nur aus westlichen Staaten oder China, sondern auch aus Brasilien, Vietnam, Thailand und Südafrika. Betroffen sind vor allem afrikanische Länder, aber auch Staaten in Asien oder Südamerika – und in Osteuropa.

"Es gibt unterschiedliche Definitionen für Land Grabbing", erklärt Reisenberger. "Umstritten ist beispielsweise, ob Projekte für die Energie­produktion auch darunter fallen." Laut der Website landmatrix.org wurden seit dem Jahr 2000 etwa 48 Millionen Hektar Land verkauft.

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