Garnelen

Umstrittene Delikatesse

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KONSUMENT 9/2015 veröffentlicht: 27.08.2015

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Garnelen sind zu einem umstrittenen Massenlebensmittel geworden, mit negativen Auswirkungen auf Tiere und Umwelt. Dass es auch anders geht, zeigen wenige Ausnahmen.

Vor nicht allzu langer Zeit galten Shrimps hierzulande als exotische Delikatesse, die nur zu besonderen Anlässen auf den Esstisch kam. Heute sieht das anders aus: Allein Iglo verkaufte im letzten Jahr 624.000 Packungen Garnelenprodukte und Meeresfrüchte in Österreich.

Diese Massenproduktion wirkt sich auf die Umwelt aus: Für die Garnelenzucht wird Salzwasser benötigt, küstennahe Standorte sind von Vorteil. Dafür werden vor allem in Thailand und China, aber auch in Ecuador oder Honduras Mangrovenwälder abgeholzt, um Aquakulturen anzulegen.

Bild: Garnelen Massenproduktion in der Chumpon Provinz in Thailand

Garnelen Massenproduktion in der Chumpon Provinz in Thailand (Bild: think4photop/Shutterstock.com)

Zuchtteiche nur wenige Jahre in Betrieb

Wo sich heute kilometerlang streng bewachte Zuchtteiche aneinanderreihen, erstreckte sich früher der Mangrovenwaldgürtel. Da die Teiche nur wenige Jahre in Betrieb gehalten und immer wieder neue Becken angelegt werden, wird der Mangrovenwald unaufhaltsam abgeholzt. Mangrovenwälder sind nicht nur ein wichtiger Küstenschutz gegen Stürme und Flutwellen, sondern auch Fortpflanzungsgebiet für viele Fischarten, Schalentiere und andere wild lebende Tiere.

Chemie-Wüsten

Die Shrimps-Industrie vernichtet diese Artenvielfalt und verwandelt fruchtbare Küsten in vergiftete Wüstenlandschaften. Laut Greenpeace sind Mangrovenwälder heute stärker bedroht als der tropische Regenwald.

Dazu kommt: Die Wasserbecken der Aquakulturen sind chemisch verseucht, die Erde rundum ist auf Jahre verpestet. Im Wasser finden sich Pestizide gegen Algen; Antibiotika sollen Krankheiten verhindern und das Wachstum der Shrimps fördern. Der Wasseraustausch spült die Chemikalien ins Meer.

Arbeitsbedingungen lassen zu wünschen übrig

Auch die Arbeitsbedingungen in der Fischindustrie lassen zu wünschen übrig: Weltweit gibt es laut WWF starke Hinweise auf Menschenrechtsverletzungen, unter anderem Zwangsarbeit und Menschenhandel, an Bord einiger Fischereischiffe.

Bild: Fabriksarbeiter bei der Vorbereitung der Garnelen für den Export in Vietnam

Fabriksarbeiter bei der Vorbereitung der Garnelen für den Export in Vietnam (Bild: Jamesbox/Shutterstock.com)

Im Juni 2014 wurde bekannt, dass der weltgrößte Garnelenvermarkter Chaoren Pokpand (CP) Foods Fischmehl von Zulieferern verfüttert, auf dessen Fischkuttern die Arbeiter unter sklavenähnlichen Bedingungen schuften müssen.

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Kommentare

  • Ich kenne viele Garnelenzüchtungen in Thailand, sind aber sicher NICHT BIO, sondern sehr schlimm !
    von Hueher am 31.08.2015 um 18:56
    Es wird in Europa dem Konsumenten vorgegaukelt etwas von "Bio-Garnelen Zucht", das ist Schwachsinnig! Es werden Unmengen von irgendwelchen Futtermitteln verteilt, das überprüft niemand! Ich lebe sehr lange Zeit in Thailand, kenne die Küstengebiete und deren Zuchtteiche, es stinkt zum Himmel dort. Nach ein paar jahren werden die Zuchtbecken aufgelassen und neue angelegt, weil....., dort der gesammte Boden verseucht von Chemie wurde. Wenn man die leeren Becken sieht kommt das Grauen hoch, auf lange Jahre wird dort nichts mehr wachsen oder gedeien, und das sind teilweise Naturschutzgebiete,bzw. Nationalparks vorher gewesen, nachher eine Mondlandschaft!! Wenn man diese Bilder sieht, ißt man keine Zuchtgarnelen mehr............. Ich bevorzuge, wenn, dann nur solche die vom Fischer im offenem Meer gefangen wurden. Leider werden die Fänge hier in Thailand immer weniger, dank der Überfischung! Das Fleisch einer im Meer lebenden Garnele ist fleischiger und fester, das Fleisch einer Zuchtgarnele ist eher matschig. Ich kaufe in Österreich keine Garnelen mehr, man sollte der Zucht-chemie keinen Beitrag leisten................. Alles was aus Zucht kommt, ob Huhn, Fisch( Pangasius )oder Garnele, sämtliches ist fraglich geworden, zumindestens Fisch oder garnelen aus dem asiatischen Raum!
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