Landraub: österreichische Firmen

Heimische Übeltäter

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KONSUMENT 4/2017 veröffentlicht: 30.03.2017, aktualisiert: 28.04.2017

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An der weltweiten Jagd nach Land ist auch Österreich beteiligt. Zahlreiche heimische Unternehmen sind in Landraub involviert, vor allem in Ost- und Südeuropa.

3 Am Landraub in Osteuropa beteiligen sich auch österreichische Firmen (Illustration: Leszek Wisniewski) Im Jahr 2014 trat in Ungarn ein verschärftes Bodengesetz in Kraft, um "ungarischen ­Boden vor Spekulanten zu schützen". Von dem ­Gesetz waren hauptsächlich Österreicher betroffen, die in Ungarn große Flächen ­erworben hatten.

Der Hintergrund: Unternehmen aus Österreich zählen – auch im Agrarbereich – in vielen süd- und osteuro­päischen Ländern zu den bedeutendsten ausländischen Investoren. Die Gründe liegen für FIAN, Menschenrechtsorganisation für das Recht auf Nahrung, auf der Hand: Die Preise für landwirtschaftlichen Boden liegen in Ost­europa noch immer deutlich unter dem ­mittel- und westeuropäischen Durchschnitt.

Verschiebung der Besitzverhältnisse

Nach Schätzungen des österreichischen Landwirtschaftsministeriums bewirtschaften rund 200 österreichische Betriebe 200.000 Hektar Land in Ungarn, das sind vier Prozent der ­ungarischen Agrarfläche.

Das Problem dabei: Von dieser "massiven Verschiebung der Besitzverhältnisse" ­würden vor allem Kleinbauern "kaum profitieren". Zu diesem Schluss kommt eine FIAN-Studie. Fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe in Europa sind kleine Bauernhöfe mit weniger als zwei Hektar.

"Land­eliten" durch Agrarpolitik gefördert

In Summe halten sie nur zwei Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Demgegenüber verfügen Grundbesitzer mit mehr als 100 Hektar – das sind gerade drei Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe – über die Hälfte der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche in der EU.

Diese "Land­eliten" werden im Rahmen der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik (GAP) aktiv durch ­öffentliche Gelder gefördert – etwa durch ­flächenbezogene Subventionen.

 

Lesen Sie auch unseren ersten Teil zum Thema Landraub , der sich mit den globalen Auswirkungen von Land Grabbing auseinandersetzt. Bild: fuyu-liu / Shutterstock.com

 

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