Tropenholz

Abgeholzt

Seite 1 von 6

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 10/2018 veröffentlicht: 27.09.2018

Inhalt

Tropenholz. In den letzten Jahren hat sich einiges getan, um den Kahlschlag der Regenwälder zu stoppen. Entwarnung kann aber noch lange nicht gegeben werden.

Es ist der Abend des 19. April 2017. In einem Dorf im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso erholen sich die Kleinbauernfamilien von den Strapazen des Arbeitstages. Plötzlich stürmen vier Vermummte, mit Messern, Macheten, Revolvern und Gewehren bewaffnet, die bescheidenen Hütten. Sie terrorisieren die Bewohner, neun Per­sonen werden regelrecht hingerichtet.

Landvertreibung

Die Region ist seit Jahren Schauplatz von tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Landlosen und Großgrundbesitzern. Zuletzt war es 2015 zu Übergriffen auf landlose Kleinbauern gekommen. Ziel ist es, sie zu vertreiben. Die Anzahl vertriebener Familien stieg zuletzt um mehr als das Dreifache. Auftraggeber soll der Besitzer eines lokalen Sägewerks sein, der hochwertige Tropenhölzer in die USA, nach Europa und Japan exportiert.

Halber Regenwald verschwunden

Regenwälder sind die grüne Lunge der ­Erde. In Brasilien ist schon fast ein Fünftel des ursprünglichen Bestandes zerstört. Noch schlimmer ist die Situation in Südostasien. Experten schätzen, dass dort bereits mehr als die Hälfte der tropischen Wälder verschwunden ist. Trotz Erfolgen in letzter Zeit werden immer noch Jahr für Jahr bis zu 60.000 km² gerodet. Rund 25 Prozent der durch den Mensch verursachten CO2-Emissionen haben ihre Ursache in der Abholzung der Regenwälder.

Wirft man einen Blick auf die Terrassen ­adretter Eigenheime oder teurer Wohnungen oder sucht man einen Gasthausgarten auf, so scheint es, als hätte man hierzu­lande von diesen Problemen und Missständen noch nie etwas vernommen. Überall trifft man auf edle Hölzer wie Teak, Ipe oder Bangkirai – obwohl es eine Reihe von alternativen Materialien für Terrassenböden gäbe: Naturstein, Betonplatten, Keramikfliesen, Kunststoffbeläge, ...

Schwarzhandel: 100 Milliarden pro Jahr

Der Regenwald wird häufig illegal gerodet, ohne dass an Aufforstung auch nur ein ­Gedanke verschwendet wird. Laut einer Studie von UNO und Interpol aus dem Jahr 2012 sollen bis zu 90 Prozent der Holzernte im Amazonasgebiet, im Kongobecken oder in Südostasien illegal geschlagen worden sein (www.klimaretter.info). Die Holzmafia verdient(e) damit bis zu 100 Milliarden ­Dollar pro Jahr, der Handel mit Tropenholz ist eines der einträglichsten illegalen Geschäfte – nach dem Drogenhandel und dem Handel mit gefälschten Markenprodukten.

Bewertung

Wertung: 0 von 5 Sternen
Weiterlesen
KONSUMENT-Probe-Abo