KONSUMENT.AT - Büffelmozzarella - Schwere Mängel bei den Rinder-Haltungsmethoden

Büffelmozzarella

Blutiger Käse

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KONSUMENT 11/2019 veröffentlicht: 24.10.2019

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Der Käse der Wasserbüffel Kampaniens wird von Gourmets in aller Welt ob seines Aromas geschätzt. Doch es klebt Blut daran – was einem den Appetit gehörig verderben kann.

Bild: WIRACHAIPHOTO, Alextype / Shutterstock.com

Sauer, gärig oder gar fischig. So empfanden manche Verkoster bei unserem jüngsten Mozzarella-Test 8/2019 den einen oder anderen Frischkäse am Ende der Lagerzeit.

Übel könnte einem aber auch werden, liest man Berichte über die Zustände auf den Wasserbüffelfarmen in Süditalien: "Zahlreiche Kadaver liegen herum – in fortgeschrittenem Verwesungszustand. Andere, noch lebende Kälber sind so abgemagert, dass sie kaum noch stehen können ..."

Über diese dunkle Seite des so beliebten "Mozzarella di bufala" hat die Tierschutzorganisation Vier Pfoten im Sommer 2014 erstmals berichtet. Die Verantwortlichen gelobten Besserung; jetzt – fünf Jahre danach – sollte eine positive Bilanz gezogen werden können. Doch sie fällt eher durchwachsen aus.

Wasserbüffel ohne Wasser

Wie kommt es eigentlich, dass Wasserbüffel, die vor allem in Asien beheimatet sind, in Europa gehalten werden? Nun, diese Rinderart liebt das Wasser bzw. Schlamm, ja sie ist sogar darauf angewiesen. Die Büffel haben weniger Schweißdrüsen, sind daher besonders wärmeempfindlich und benötigen Wasser zur Kühlung. Außerdem schützt sie ein Schlammbad vor Parasiten und Insekten, die die dicke Schlammschicht nicht durchdringen können.

Aus diesem Grund wurden Wasserbüffel von den Bauern Kampaniens anderen Rindern vorgezogen. Sie konnten in den sumpfigen Niederungen Kampaniens besser als Arbeitstiere eingesetzt werden. Heute werden sie längst nicht mehr dafür gehalten; aber man ist draufgekommen, dass man aus Büffelmilch wesentlich aromatischeren Käse machen kann als den eher geschmacksarmen und gummiartigen Mozzarella aus Kuhmilch.

400.000 Büffel in Intensivhaltung

Heute gibt es in Italien rund 400.000 Wasserbüffel in Intensivhaltung, drei Viertel davon in Kampanien. Das italienische Herkunftsgütesiegel DOP (Denominazione d’Origine Protetta) wird nur an Käse aus dem Süden Italiens vergeben, wobei über 90 Prozent der zertifizierten Milchprodukte aus den kam­panischen Provinzen Caserta und Salerno stammen. Ein Konsortium (Consorzio di ­Tutela della Mozzarella di Bufala Campana DOP) wacht streng darüber, dass nicht nur die Herkunft stimmt, sondern auch die Qualitätsstandards eingehalten werden.

Tierleid an der Tagesordnung

Das Tierwohl zählte da nie dazu. Im dicht ­besiedelten Umland der Millionenstadt ­Neapel gibt es viel zu wenig Grünland und schon gar keine Schlammpfützen für die Hunderttausenden Wasserbüffel. Eine artgerechte Tierhaltung ist daher – ohne größere Investitionen – so gut wie unmöglich. Die Büffel stellen generell höhere ­Anforderungen bei der Haltung als Hausrinder, gleichzeitig geben sie nur ein Viertel bis ein Fünftel der Milch einer Hochleistungskuh. Daher wird versucht, Kosten einzu­sparen, wo es nur geht. Geschwülste, unbehandelte Verletzungen und verdreckte Ställe sind an der Tagesordnung. 

4Pfoten hat zu dem Thema auch eine Video-Reportage auf Facebook .

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