Palmölproduktion: Raubbau in Indonesien

Interview mit David Horvath

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veröffentlicht: 15.03.2017

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Palmöl - Teil 2: Im Sommer 2016 besuchte David Horvath von der Entwicklungsorganisation Südwind die indonesische Insel Sumatra, um sich ein Bild von den Auswirkungen des Palmölanbaus zu machen. KONSUMENT berichtete Horvath von seinen Erfahrungen.

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Palmöl ist buchstäblich in aller Munde: Ob Kekse, Aufstriche oder Fertigprodukte – in durchschnittlich jedem zweiten Lebensmittelprodukt ist Palmöl enthalten. Auch in Waschmitteln, Kosmetika und Agro-Treibstoffen kommt das Öl zum Einsatz. Das verwundert nicht: Die Ölpalme ist mit bis zu fünfzehn Ernten im Jahr eine der ertragreichsten Nutzpflanzen. Palmöl besitzt optimale Eigenschaften für die Verarbeitung in der Lebensmittelindustrie und ist noch dazu billig.

Umweltzerstörung, Landraub und Menschenrechtsverletzungen

Indonesien liegt beim weltweiten Anbau an erster Stelle: 49,5 Prozent des Palmöls werden hier gewonnen. Die Anbaupraktiken stehen seit geraumer Zeit in der Kritik: Umweltzerstörung, Landraub und Menschenrechtsverletzungen prägen den Palmölanbau. David Horvath, Palmöl-Experte bei Südwind, hat sich gemeinsam mit Vertretern der Umweltschutzorganisation Global 2000 vor Ort umgesehen.

Wie wirkt sich der Palmölanbau in Indonesien auf die dort lebenden Menschen aus?

Viele Kleinbauern, die Subsistenzwirtschaft betreiben, werden von ihrem Land vertrieben, um Platz für Palmölplantagen zu machen. Diesen Menschen fällt es schwer, sich selbst zu versorgen, der Zutritt zu ihrem Land wird verweigert. Viele werden gezwungen, auf den Plantagen zu arbeiten, andere gehen in die Städte, um dort Arbeit zu finden.

Wie gehen die Plantagenbesitzer vor?

Bauern werden oft erpresst mit der Drohung, dass sie keine Arbeit bekommen würden, wenn sie ihr Land nicht abgeben. Es handelt sich dabei um sogenanntes Community Land, dessen Besitzer nirgendwo verbrieft sind – es gibt keine Landtitel. Wir haben auch mit Menschen gesprochen, die ihr Land noch besitzen, aber in ständiger Angst leben, es zu verlieren. Oft werden aber auch Menschen aus anderen Regionen angeheuert, weil diese ärmer sind und sich mit niedrigeren Löhnen zufrieden geben. Indonesische Palmölplantagenbesitzer zählen zu den reichsten Asiaten – diese Tatsache sagt schon einiges aus.

Wie werden Konzessionen für Plantagen vergeben?

Die Vergabe von Konzessionen obliegt den Distriktschefs (Bupatis), die sehr viel Macht und Einfluss haben. Hier herrscht Großteils Korruption und Vetternwirtschaft, dazu kommt mangelnde Kontrolle der Gesetze und Vorschriften. Oft wird einfach nicht kontrolliert, was passiert bzw. was den geltenden Regeln nach erlaubt ist. Immer wieder werden geschützte Wälder gerodet.

Ein Beispiel: Küstenwald bietet Schutz gegen Erosion, Sturmfluten und Tsunamis sowie einen wertvollen Lebensraum für zahlreiche Arten. Laut indonesischem Gesetz ist er auf einer Breite von hundert Metern geschützt und darf nicht abgeholzt werden. An einigen Küstenabschnitten wurde er jedoch bis auf die letzte Baumreihe abgeholzt und durch Palmölplantagen ersetzt.

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Kommentare

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    von REDAKTION am 18.04.2017 um 13:35
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    von LadingerXY am 13.04.2017 um 16:27
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