Hochseefischerei

Sklaven für den Fischgenuss

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KONSUMENT 10/2016 veröffentlicht: 29.09.2016

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Thailand ist der drittgrößte Fischexporteur der Welt. Die erschreckenden Arbeitsbedingungen auf Trawlern und in Verarbeitungsanlagen sind in den letzten Jahren an die ­Öffentlichkeit gelangt und bringen das Land unter Zugzwang.

Thailand, der drittgrößte Produzent von Meeresprodukten weltweit, versucht seit Jahren, ein EU-Freihandelsabkommen mit Brüssel abzuschließen – als dritter ASEAN-Staat nach Singapur und Vietnam. Doch die Verhandlungen wurden seitens der EU nicht nur auf Eis gelegt, sondern Thailand drohen wegen massiver Menschenrechtsverletzungen sogar internationale Sanktionen.

Aufgedeckt von US-Reporterinnen

2013 tauchten erstmals Berichte über erschreckende Zustände auf thailändischen und indonesischen Trawlern (das sind Schiffe für die Hochseefischerei) in internationalen Medien auf – von Ausbeutung und Sklaverei war die Rede.

Im April 2016 gewann ein Reporterinnenteam der US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP), das in einer umfangreichen Reportage Sklavenarbeit in der Fischindustrie aufdeckte, den Pulitzer Preis für herausragenden Journalismus. Ausgezeichnet wurden vier Journalistinnen, die mit ihren Recherchen die Gefangenschaft für über 2.000 Menschen beendeten. Ein Dutzend Verdächtige wurden danach fest­genommen, Schiffsladungen im Wert von Millionen Dollar beschlagnahmt.

Eingesperrt und verprügelt

Über 18 Monate hatten die Journalistinnen für die Reportage "Seafood from Slaves" ­recherchiert. Die Arbeiter – Männer aus ­Burma, Kambodscha, Laos und Thailand – berichteten, wie sie in die Sklaverei gelockt, eingesperrt und mit Prügeln zur Arbeit gezwungen worden waren. Viele hatten ihre Familien seit Jahren nicht gesehen. Mithilfe von Satelliten verfolgten die Reporterinnen die Wege der Ware und deckten so die Verbindungen zu amerikanischen Einzelhandelsketten wie Walmart sowie einigen bekannten Restaurants auf. Die Recherchen führten auch zu Razzien in thailändischen Anlagen, in denen Zwangsarbeiter, darunter Jugend­liche, Garnelen schälen mussten.

Strafrechtliche Ermittlungen

Die Regierung Indonesiens leitete bald nach Veröffentlichung der AP-Berichte strafrechtliche Ermittlungen ein. Nach Protesten der Europäischen Union gegen die Arbeitsbedingungen in der thailändischen Fischindustrie nahm auch die dortige Polizei mehr als hundert Menschen fest. Die EU drohte mit einem Importstopp.

Bild: EJF / WWF

Die Arbeit auf thailändischen Trawlern ist hart, auch wenn die Arbeitskräfte nicht versklavt sind.

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