KONSUMENT.AT - Microsoft Office sammelt heimlich Daten - Niederländisches Justizministerium schaltet sich ein

Microsoft Office sammelt heimlich Daten

Softwarefirma verstößt möglicherweise gegen DSGVO

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veröffentlicht: 20.11.2018

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Einem Bericht des niederländischen Unternehmens Privacy Company zufolge sammelt Microsoft über seine Anwendungen heimlich Nutzerdaten.

Der Software-Riese sammle "systematisch eine große Menge an Daten über die individuelle Nutzung von Word, Excel, PowerPoint und Outlook" – und zwar ohne die User darüber zu informieren, wie einer der Studienautoren erklärt.

Betreffzeilen und ganze Sätze ausgelesen

So würden über die Office-Programme die Betreffzeilen aus den E-Mails erfasst und sogar ganze Sätze aus E-Mails oder Word-Dateien automatisch ausgelesen, sobald der Nutzer beispielsweise die Rechtschreibprüfung nutze. Die Untersuchenden fanden außerdem keine Möglichkeiten, die Datensammlungen abzudrehen oder zu konfigurieren. Die Daten werden regelmäßig an Server in die Vereinigten Staaten geschickt.

Microsoft zeigt sich kooperativ

Auftraggeber der Studie war die niederländische Regierung. In ihren Behörden arbeiten rund 30.000 Menschen mit Microsoft Enterprise-Software. Microsoft erklärte daraufhin, dass es „die Möglichkeit schätze, den Umgang mit Diagnosedaten in Office ProPlus nun mit dem niederländischen Justizministerium diskutieren zu können“.

Rechtmäßigkeit auf dem Prüfstand

Jedenfalls könnten die Ergebnisse für das Unternehmen im Zusammenhang mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der EU zum Problem werden. Denn das Gesetz gesteht dem Einzelnen eine gewisse Kontrolle über seine Daten zu. Auch die Weiterleitung der Daten in die USA steht auf dem Prüfstand, zumal sich der Europäische Gerichtshof derzeit mit deren Rechtmäßigkeit beschäftigt.

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Kommentare

  • Es war ja nur eine Frage der Zeit...
    von ling am 30.08.2019 um 10:38
    Man muss sich diesen Satz erst einmal (nachdem man ihn mehrmals gelesen hat) auf der Zunge zergehen lassen: "Microsoft erklärte daraufhin, dass es „die Möglichkeit schätze, den Umgang mit Diagnosedaten in Office ProPlus nun mit dem niederländischen Justizministerium diskutieren zu können“."

    Da sammelt ein Unternehmen zweifelsohne widerrechtlich (worin ein berechtigtes Eigeninteresse besteht, ganze Betreffzeilen in die USA zu versenden, soll mir Microsoft einmal plausibel erklären) Massendaten, sieht nicht einmal die Möglichkeit der Einschränkung oder des Eingriffs durch den Benutzer vor, und gibt dann rotzfrech als Antwort sinngemäß: Reden wir halt darüber...

    Wo bleiben da die Aufschreie der heimischen Politiker? Wissen die überhaupt was Datenmissbrauch ist? Na ja, solange er nicht Auswüchse wie Ibiza & Co annimmt, werden sie genau das tun wie bisher - nämlich nichts! Im Gegenteil: Immer mehr staatliche Organisationen begeben sich in die Abhängigkeit dieser Firma. War vor einigen Jahren noch tendenziell ein gewisser Hang zu Linux-Produkten erkennbar, dürfte dies für die Zukunft Wunschdenken bzw Illusion sein. Selbst die Serverlandschaft wird von freier Linux-Software immer häufiger durch proprietäre Windows-Produkte ersetzt. Nicht nur, dass es immense Kosten verursacht, Produkte massenhaft von Microsoft zu verwenden, nur weil man "Marktführer" ist, sagt das noch lange nichts über die Qualität der Produkte aus. Man betrachte nur die Entwicklung der Office-Schiene. Der Hardwarebedarf ist für einen vernünftigen Betrieb nicht zu unterschätzen. Auf älteren Geräten laufen die neuen Versionen eher träge oder in Verbindung mit bspw Windows 7 überhaupt nicht (Office 2019 lässt sich offiziell nur mehr auf Plattformen ab Windows 10 installieren).

    Und jetzt ist auch Microsoft (jedenfalls sein Windows 10) auf den Datensammelzug aufgesprungen. Frei nach der österreichischen Methode "darf's ein bisserl mehr sein?".

    Bleibt nur zu hoffen, dass der EuGH einsichtig ist und diese Unsitte eindämmt oder abstellt. Vielleicht tut sich auch in Richtung DSGVO etwas, sodass mit der nächsten Novelle einige dieser extrem schwammig formulierten Passagen entweder komplett verschwinden oder doch konkreter formuliert werden. Der Normalbürger wird es sicher nicht danken, denn dem wird es (wie die meisten Bestimmungen um den Datenschutz) - salopp formuliert - wurscht sein. Doch vielleicht gibt es noch ein Licht am Ende des Tunnels - hoffen und sich etwas wünschen darf man ja noch...