Virenschutz: AVG verkauft Nutzerdaten

Vertrauensbruch

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KONSUMENT 12/2015 veröffentlicht: 26.11.2015

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AVG, Avira, Avast ... Anbieter von Gratis-Antiviren- und Sicherheitssoftware verkaufen Nutzerdaten und zerstören das Vertrauen der Kunden. - Ein "Aufgespießt" von KONSUMENT-Redakteur Gernot Schönfeldinger.

Gernot Schönfeldinger (Bild: U. Romstorfer/VKI)
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Gernot Schönfeldinger

Wir Menschen haben es im Leben gerne übersichtlich und neigen zur Schwarz-Weiß-Malerei. Nach dem einfachen Strickmuster von Hollywood-Actionfilmen teilen wir die Welt in „gut“ und „böse“ und haben dies auch auf die virtuelle Realität des Internets übertragen. Und dann erfahren wir, dass AVG und andere Virenschutzanbieter, die bisher eindeutig zu den „Guten“ zählten, die Daten der Nutzer ihrer kostenlosen Virenscanner an die Werbewirtschaft und andere Dritte verkaufen. (Lesen Sie Virenscanner: Datenschutz 12/2015 ). Anders lasse sich der Fortbestand der Gratis-Software nicht mehr finanzieren, so wird argumentiert.

Grauer Fleck im Weltbild

Plötzlich gibt es da einen grauen Fleck in unserem Weltbild, den wir irgendwo zwischen Schwarz und Weiß einordnen müssen. Ehrlicherweise ist es nicht der einzige graue Fleck, mit dem wir konfrontiert sind. Aber es ist ein irritierender und schmerzlicher, weil Virenschutzanbieter höchstes Vertrauen genießen. Kaum einer anderen Drittanbieter- Software gewähren wir so bedenkenlos umfassenden Zugriff auf unsere PCs und Smartphones.

Keine lässliche Sünde

Der Datenverkauf ist daher keine lässliche Sünde, so wie bei Facebook oder Google – jenen Datenkraken, die wir schicksalsergeben als „eh noch die Besseren unter den Bösen“ einstufen, weil wir ihren praktischen Nutzen schätzen. Es handelt sich um den kaum wiedergutzumachenden Sündenfall des Vertrauensbruchs. Natürlich ist da noch die Sache mit dem geschenkten Gaul. Nur gab es in früheren Jahren ja gar keinen Anlass, ihm ins Maul zu schauen.

Vielleicht wäre es für alle Beteiligten hilfreicher gewesen, die Gratisversionen rechtzeitig einzumotten? Schutzpakete gegen Schadsoftware sind nicht perfekt, doch im Großen und Ganzen nützlich und dahinter steckt viel Arbeit. Es geht schon in Ordnung, die erbrachte Leistung mit einem angemessenen Betrag zu honorieren. Aber leider sind mittlerweile auch die kommerziellen Versionen unter Verdacht geraten.

Wem können wir trauen?

Ein grauer Schleier hat sich über das Weiß gelegt. Wem können wir am Ende des Tages überhaupt noch vertrauen? Die Kategorie "die Böseren unter den Guten“ hatten wir in unserem schwarzweißen Weltbild eigentlich nicht vorgesehen.

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