Lebensdauer von Produkten

Geplante Obsoleszenz

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KONSUMENT 2/2013 veröffentlicht: 24.01.2013, aktualisiert: 23.02.2017

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Interview mit Sepp Eisenriegler (R.U.S.Z.)

Reparieren statt wegwerfen ist nur scheinbar aus der Mode gekommen. In Wahrheit blüht dieses Pflänzchen (wieder), führt aber ein Dasein im medialen Schatten.

Sepp Eisenriegler ist Geschäftsführer des RUSZ (Reparatur- und Servicezentrums) in Wien (Foto: Karl Schreiner) 

Denn während allein die leise Ankündigung eines neuen Smartphones der Marktführer weltweit für ein Rauschen im Blätterwald sorgt – und damit für kostenlose Werbung im Gegenwert von vielen Millionen Euro –, haben es Reparaturbetriebe schwer, ihre Leistungen ins rechte mediale Licht zu rücken. Einer davon ist das R.U.S.Z (Reparatur- und Service-Zentrum) in Wien 14, mit dessen Geschäftsführer Sepp Eisenriegler KONSUMENT sprach:

KONSUMENT: Herr Eisenriegler, was lassen Konsumenten bei Ihnen reparieren und welche Trends erkennen Sie?
Eisenriegler:
Im Jahr 2012 haben wir weit mehr als 5.000 Reparaturen durchgeführt. In erster Linie Haushaltgroßgeräte wie Waschmaschinen, Waschtrockner, Trockner, Geschirrspüler. Diese werden im Vergleich doppelt so oft repariert wie Unterhaltungselektronik. Espressomaschinen haben einen Anteil von nahe 10 Prozent an unseren Reparaturaufträgen – Tendenz steigend.

… und da schleppen die Leute tatsächlich ihre kaputten Großgeräte zu Ihnen?
Nicht unbedingt. Wir kommen auch ins Haus. Was vor Ort erledigt werden kann, wird gemacht. Andernfalls erhält der Verbraucher einen Kostenvoranschlag und kann auf dessen Basis entscheiden.

Lohnt sich eine Reparatur überhaupt?
Nicht immer, aber meist. Nostalgiegeräte – wie Röhrenradios, Tonbandmaschinen oder Video-2000-Recorder – reparieren zu lassen mag teurer kommen, als ein neues Gerät mit gleicher Funktionalität anzuschaffen. Da spielen aber oft persönliche Komponenten eine Rolle; man hängt am Gerät.

Wo machen Verbraucher nach Ihrer Erfahrung Fehler beim Kauf?
Zum Beispiel bei Waschmaschinen. Ein praktisch nicht sinnvoll zu reparierendes „Billig“-Produkt kostet heute etwa 300 Euro, hält aber nach unseren Erfahrungen auch nur etwa drei Jahre, da Stoßdämpfer den Geist aufgeben, das im Kunststoffbottich eingepresste Lager kaputt wird, der Lagersitz ausschlägt. Eine reparaturfreundlich konstruierte Waschmaschine hingegen – die es meist um rund 1.000 Euro gibt – hält rund 20 Jahre und kommt somit, möglicherweise anfallende Reparaturen schon berücksichtigt, unterm Strich deutlich billiger.

Fast ein durchschnittliches Monatsgehalt für eine Waschmaschine hinzulegen, das kann sich aber nicht jeder leisten.
Das stimmt. Wir hoffen deshalb, im Frühjahr 2013 ein Finanzierungsmodell präsentieren zu können, das es auch einkommensschwachen Verbrauchern ermöglicht, ein langlebiges Produkt zu einem leistbaren Preis zu erwerben.

Hat der Kauf von derartigen „Billig“-Produkten auch einen Umweltaspekt?
Die Frage können Sie sich selbst beantworten. 500.000 Waschmaschinen müssen jährlich in Österreich entsorgt und in Folge neu beschafft werden. Nebeneinander auf der Westautobahn gereiht, entspricht diese Anzahl in etwa der Entfernung von Wien nach Salzburg.

… dafür sind die neu anzuschaffenden Maschinen doch energiesparender!
Unsinn. Das Potenzial an Energiesparmaßnahmen ist längst ausgeschöpft. Maschinen der letzten Generation brauchen 3 Stunden für einen Waschgang – und somit die dafür benötigte elektrische Energie. Gleichzeitig wird das Waschmittel meist nicht vollständig ausgespült, die Temperatur erreicht nur zwei Drittel der eigentlichen gewählten … Es bleibt der ökologische Fußabdruck für die Produktion des neuen Gerätes und die Entsorgung des alten.

Gibt es Produkte, die vom Konsumenten zu schnell entsorgt werden?
Jede Menge. Mobiltelefone etwa, die über Netzgebühren finanziert werden. Elektrische Zahnbürsten, Kaffeekapselmaschinen, Billig-Drucker, die über ihre Verschleißteile quersubventioniert werden …

Welche Produkte sind besonders schwer zu reparieren?
Smartphones mit SMD-Technik gehören zweifellos dazu. Apple etwa definiert die Lebensdauer bei seiner neuen Produktgeneration über den Verschleißteil Akku! Aber auch die erwähnten Wegwerf-Waschmaschinen gehören dazu. Die neuen Trockner mit Abwärmerückgewinnung ebenfalls (einzige mir bekannte Ausnahme: der neue HPD 7 von Eudora, den wir jetzt im Programm haben). Prinzipiell gehören auch alle Billig-Kleingeräte dazu, die weniger kosten als eine halbe Reparaturstunde.

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Kommentare

  • Kunden wollen das so ...
    von geos am 25.02.2017 um 10:17
    Kunden wollen das so. Wirklich? Würde die Wirtschaft das ehrlich meinen, dann würde man in den Geschäften nicht nur den ("Billig"-)Ramsch bekommen, sondern neben dem Gerät mit dem Billigchip/Plastikzahnrad/etc. müsste auch das Gerät mit dem guten haltbaren Chip/Metallzahnrad/haltbaren Bauteilen stehen. Die paar Euro Preisdifferenz (zwischen den billigen und den haltbaren Bauteilen) würden wohl die Meisten gern zahlen. (Zgonc-Verkäufer (sinngemäß): Wenn wir gute Produkte auch anbieten kauft niemand den Ramsch). Somit wäre die einzige Prodestmöglichkeit gar nicht kaufen. Argument Arbeitsplätze erhalten? Wenn alle so agieren führt das nur dazu, dass wir ALLE öfter kaufen müssen - wir erhalten uns unsere Arbeitsplätze selber, den Gewinn streichen die Unternehmer/Konzerne ein.
  • Geplante Obsoleszenz, geplante Inkompatibilität gepaart mit inhaltsloser aber stimulierender Werbung
    von good vibrations am 24.09.2016 um 16:29
    ...bringt uns um mehr als zwei Wochen arbeitsfreie Zeit und müllt den Planeten zu, bereichert aber hauptsächlich die Großkonzerne.Für die ist ein Produkt überhaupt nur ein Kostenträger, ansonsten ohne Verantwortung und nicht für unsere Bedürfnisse hergestellt. Geplante Obsoleszenz gibt es in den USA flächendeckend seit ende der 50-er und ist Grundlage der globalen Wirtschaft. Dies und einiges weiteres in einem erhellenden Vortrag von Prof Christian Kreiß: http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=61165
  • Geschirrspüler AEG um 700 Euro Schrott
    von jue5761 am 26.12.2014 um 21:23
    Nach 2 Jahren und 3 Monaten ist die Wanne durchgerostet. Garantie ist vor 3 Monaten abgelaufen. Für mich ein Totalschaden.
  • GRUNDIG Radiowecker Sonoclock 690
    von walterbasch am 15.07.2014 um 13:24
    Kurz nach Ablauf der Garantie bei meinem GRUNDIG Radiowecker Sonoclock 690 war plötzlich der Senderspeicher weg und die Zeitanzeige blinkte trotz neuer Stützbatterie. Meine Bitte um Kulanzreparatur wurde von Grundig mit "Diese Geraete sind irreparabel.....tut uns leid..." beantwortet. Nach gründlicher Recherche im Internet konnte ich unzählige Betroffene finden, bei denen das gleiche Gerät mit identischem Fehler kurz nach Ablauf der Garantie unbrauchbar wurde. Ich liess nicht locker und fand heraus, wie das Gerät mit geringstem Aufwand von wenigen Cent zu reparieren ist. Die Anleitung für den Austausch des zu schwachen SMD-Transistors Q110 gegen einen gängigen PNP-Transistor habe ich bei den Amazon-Kundenrezensionen gepostet und inzwischen etliche Zuschriften auf briwal@gmx.at über erfolgreiche Reparaturen aus Österreich und Deutschland erhalten. Auf Anfrage werden die erforderlichen Unterlagen (Mainboard-Stromlauf- und Bestückungsplan) gern kostenlos per Mail übermittelt. Mir ist unverständlich, warum GRUNDIG wegen weniger Cent hunderte Kunden verärgert
  • Lebensdauer Drucker HP 7510 e: genau eine Garantie lang !
    von peter20 am 27.02.2014 um 22:33
    Ich habe diesen Drucker am 24.01.2012 installiert. Der Drucker ist an und für sich sehr gut und erfüllte alle meine Erwartungen, aber genau am 08.01.2014 war lt. Help-Funktionen der Druckerkopf kaputt (druckte nur Farbflächen, aber keine Druckzeichen). Habe den Druckkopf ausgetauscht, dann funktionierte der Drucker wieder bis zum 27.02.1014. Jetzt ist der gleiche Fehler wieder da. Mir scheint jeder weitere Versuch zur Reparatur sinnlos.
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