Produktfälschungen

Bestellt, bezahlt, vernichtet

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KONSUMENT 12/2016 veröffentlicht: 24.11.2016, aktualisiert: 30.11.2016

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Vom Zoll beschlagnahmte gefälschte Produkte erreichten 2015 EU-weit einen Warenwert von 642 Millionen Euro. In Österreich hat sich die Anzahl der Produktpiraterie-Aufgriffe gegenüber 2014 verdoppelt, rund 39.000 Artikel wurden vernichtet.

Hauptgeschädigte sind die Verbraucher: Ihr Geld ist weg und die Ware auch. Handelte es sich um Arzneimittel, kommt noch eine Verwaltungsstrafe von mindestens 70 Euro dazu. Wir haben die jüngsten Berichte von Interpol, EU-Plagiatsbehörde und Finanzministerium zum riskanten Interneteinkauf analysiert.

Nur die Spitze des Eisbergs

Die genannten Zahlen umfassen nur, was die europäischen Zollbehörden unter dem Rechtstitel „Verletzung von Rechten des geistigen Eigentums“ entdeckt und beschlagnahmt haben. Zum geistigen Eigentum – Intellectual Property/IP – gehören Patente, Marken, Geschmacksmuster (eingetragenes Design), Urheberrechte (Copyright) und geografische Herkunftsangaben (Champagner etc.).

Nichts, was es nicht als Fälschung gibt

Als zur Ware gewordener Gesetzesbruch kommt für uns Konsumenten das abstrakt scheinende „geistige Eigentum“ in Form von Luxusuhr und Reisewecker, Sportschlapfen und High Heels, Herrenanzug und Damendessous, Haarwuchsmittel und Viagra-Pille, Nobelhandtasche und Designerbrille, Tonerkartusche und Tintentank, Smartphone und Autoersatzteil daher. Nichts, was nicht als Fälschung angeboten und auch gekauft wird. Oft unwissentlich, manchmal wider alle Vernunft.

Für den damit verbundenen Ärger macht das keinen Unterschied: Die meist per Post oder Kurierdienst eintrudelnde Ware wird vom Zoll „aufgegriffen“ und letztlich zum Großteil vernichtet. 2.771 Sendungen mit 44.832 Produkten verfingen sich 2015 in den Maschen der österreichischen Verteidiger geistigen Eigentums. Das sind einerseits doppelt so viele Sendungen wie im Jahr davor, jedoch nur ein Viertel aller gefälschten Produkte: Ein Hinweis darauf, dass die Schmuggel-Profis andere Wege als den Postversand gefunden haben. Die Zahl der Einzelbesteller nahm aber drastisch zu. Sie mussten 2015 einen Handelswert von 10,7 Millionen Euro in den Wind schreiben. Geld gibt es vom Händler nicht zurück. Der hat auch vom Zoll nichts zu befürchten. Die Verantwortung liegt immer beim Käufer.

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Kommentare

  • Produktfälschung
    von kdidi am 24.11.2016 um 20:44
    Gefälschte Markenprodukte stammen oft aus der gleichen Fabrik in China. Lediglich der Vertriebsweg lief nicht über den Markenrecht Inhaber. So machen internationale Konzerne traumhafte Gewinne. Als Beispiel: Ein Nike Laufschuh wird im Auftrag von Nike in einer Fabrik in China hergestellt. Herstellungskosten für Nike, fünf US Dollar. Beim Einzelhändler in Österreich kostet dieser Schuh 130,00 Euro. In den USA kostet dieser Schuh 99,00 US Dollar. Wie sind diese traumhaften Gewinnspannen realisierbar. Der Markenrecht Inhaber kontrolliert den Weg wie das Produkt ins Land kommt. Ist es nicht über seine Schiene gelaufen, ist es eine Fälschung, obwohl das Produkt eigentlich das Original ist. Vor Jahren wurde deshalb ein ganzer Container voll Schuhe beschlagnahmt und vernichtet. Ein deutscher Fernsehsender hat in einer Reportage berichtet das ein Lacoste T-Shirt in einem Staat über den Markenvertriebsweg 30,00 Dollar kostete. Das idente T_Shirt über den nicht vom Markenrecht Inhaber kontrollierten Vertriebsweg 5,00 Dollar. So schützt der Staat die Markenrecht Inhaber und uns wird das Geld aus der Tasche gezogen.
  • Produktfälschungen
    von Gundl am 24.11.2016 um 13:35
    Ein alarmierender Bericht! So weit so schlecht. Wie kann ich als Konsumentin sinnvoll handeln? Wie politische VertreterInnen zum Handeln bewegen? Da hätte ich mir im Artikel Hinweise gewünscht. Helga Weissel
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