Demenz: Leben mit Alzheimer

"Ich muss das so nehmen" - Interview

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KONSUMENT 6/2017 veröffentlicht: 25.05.2017, aktualisiert: 21.06.2017

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Frau Schön (Name geändert) hat seit einigen Jahren eine milde Form der Alzheimer Demenz. Die vormalige Volksschuldirektorin ist gerne bereit, mit uns über ihre Krankheit zu sprechen. Zu unserem Gespräch ist sie mit ihrer Tochter gekommen, einer Kinderärztin.

Können Sie sagen, wann es mit Ihrer Krankheit begonnen hat?

Frau Schön: Das begann vor mehreren Jahren. Ich habe gemerkt, dass mein Kurzzeitgedächtnis nachließ. Oft habe ich drei Mal hintereinander die gleiche Frage gestellt. Ich habe versucht, das zu vertuschen, das gehört auch dazu, wenn ich ehrlich bin.

Wie haben Sie das versucht?

Frau Schön: Ich habe mich jeweils vorbereitet und manche Sachen einfach nicht mehr angepackt, um mich nicht zu blamieren. Es ist nicht leicht, wenn man ständig etwas vergisst und ständig nachfragen muss. Aber das ist nun mal so. Mittlerweile bin ich daran gewöhnt. Es tut nicht weh. Es ist eine Tatsache, und die nehme ich zur Kenntnis.

Was hat die Diagnose Demenz für Sie bedeutet? War das ein Schock?

Frau Schön: Nein, ein Schock war es nicht. Für mich war klar, dass da etwas ist. Ich bin dann weniger weggegangen und habe größere Gemeinschaften gemieden. In der Familie ist es ja auch gewesen. Alle meine Vorfahren sind sehr alt geworden. Die hatten wohl alle Alzheimer.
Tochter: Ob es Alzheimer war, das wissen wir nicht. Eine Großtante von mir war 85, und als Kinder haben wir immer gesagt, die ist verkalkt. Für uns Kinder war sie recht lustig. Sie fragte uns: Wollt ihr Zuckerln? Und gleich darauf stellte sie die gleiche Frage noch einmal. Wir haben uns als Kinder darüber amüsiert. (zu ihrer Mutter:) Und dein Großvater war ja auch verkalkt.
Frau Schön: Ja, der war sehr lustig. Einmal hat er gesagt: Er weiß jetzt nicht, ob er zuerst gestorben ist oder seine Frau. (lacht)
Tochter (zu ihrer Mutter): Und wie ist das für dich, wenn du denkst, du hast jetzt die gleiche Krankheit wie dein Großvater?
Frau Schön: Dann muss ich das so nehmen, wie es ist. Bei manchen kann man nichts mehr tun, und manchen kann man ein bisschen helfen.
Tochter (zu ihrer Mutter): Hast du das Gefühl, man kann bei dir etwas tun?
Frau Schön: Ich glaube, man kann nur mit Medikamenten etwas machen.

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