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Energiekosten-Stop: Anbieterwechsel

Keine Hexerei

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KONSUMENT 1/2020 veröffentlicht: 12.12.2019

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Was passiert, wenn mein ­Energieanbieter pleitegeht? Habe ich dann keinen Strom?

Nein, für Konsumenten birgt so ein Szenario kein Risiko. Eine durchgehende Versorgung ist in jedem Fall gewährleistet. Der Krisenmodus der E-Control sieht vor, dass betroffene Haushalte einem anderen österreichischen Lieferanten zugeteilt werden – von dem jederzeit wieder weggewechselt werden kann. Übrigens: Es ist in Österreich in den knapp 20 Jahren der Marktliberalisierung nur einmal vorgekommen, dass ein Energielieferant in Konkurs ging.

Soll ich auf Angebote mit einem Wechselbonus eingehen?

Das kommt darauf an. Und es ist ein wenig kompliziert. Vorweg zur Erklärung: Die Energiekosten bestehen aus dem variablen Arbeitspreis (Preis pro verbrauchte kWh) und in der Regel aus einer fixen Grundgebühr, die entweder jährlich oder monatlich entrichtet wird. Ein Wechselbonus überdeckt im Prinzip höhere Preise. Wird der Wechselbonus anteilig auf die monatlichen Teilbeträge verteilt und ausbezahlt, ver­ringert sich dementsprechend auch der ­monatliche Teilzahlungsbetrag. Das wäre die gute Variante. In der Praxis passiert das aber selten.

In den meisten Fällen wird der Wechselbonus erst mit der nächsten Jahresabrechnung ausbezahlt. Das bedeutet, dass man mit Wechselbonus oft wesentlich höhere monatliche Teilbeträge zahlt als ohne. Wer sich diesen „Unterjährigkeits­zuschlag“ leisten will, dem kann diese Branchenpraxis prinzipiell egal sein. Auszahlen kann sich ein Wechselbonus jedenfalls für all jene, die jedes Jahr den Anbieter wechseln möchten. Wer sich nicht regelmäßig mit dem Thema auseinandersetzen will, sollte von Wechselboni eher Abstand nehmen.

Ist es ratsam, jedes Jahr den Anbieter zu wechseln?

Das hängt davon an, welche Tarife ausgewählt werden. Bei einem mit Wechselbonus: jedenfalls nach einem Jahr nach aktuell besseren Angeboten umsehen bzw. nochmals nachsehen, wie hoch die Arbeitspreise sind. Bei Tarifen mit längerer Preisgarantie von z.B. 18 Monaten ist ein jährlicher Wechsel nicht unbedingt notwendig – außer, man ist nicht zufrieden oder findet ein für sich besseres Angebot. Es ist jedenfalls generell sinnvoll, sich alle eineinhalb bis zwei Jahre einen Überblick über die aktuellen Ange­bote und Tarife zu verschaffen. Einfach, um zu sehen, wo man mit seinem derzeitigen Tarif steht: Gibt es einen günstigeren Tarif am Markt? Sind mir andere Produktkriterien, z.B. Ökostrom, wichtiger geworden etc.

Welche Tarifeigenschaften sind zu empfehlen?

Das kann nur individuell entschieden werden. Jeder muss sich aus der Fülle an Tarif­eigenschaften – z.B. Neukundenrabatte, Preisgarantien, Ökostrom, Gesamtrechnung/ getrennte Rechnung etc. – die für ihn wichtigsten herauspicken. Im Rahmen der Aktion Energiekosten-Stop haben wir folgende ­Tarifeigenschaften einbezogen, um für möglichst viele Haushalte einen konsumentenfreundlichen Energietarif zu gestalten:

  •  Auswahl zwischen zwei Ökostrom­produkten: Ökostrom nach gesetzlichen Vorgaben und Umweltzeichen-Strom
  •  mindestens 18-monatige Preisgarantie
  •  kein Wechselbonus – aus Transparenzgründen: es soll von vornherein klar sein, welche Kosten anfallen
  •  Die Bereitstellung einer Gesamt­rechnung für Energie- und Netz­- kosten wird im Auswahlverfahren positiv berücksichtigt.

Was ist Ökostrom genau und was hat es mit den Herkunfts­nachweisen auf sich?

Ökostrom stammt aus erneuerbaren, nicht fossilen Energieträgern, also zum Beispiel Photovoltaik, Windkraft, Wasserkraft, Biomasse, Erdwärme oder Biogas. Zertifiziert wird er mit sogenannten Herkunftsnachweisen. Sie werden von den Lieferanten für das „Labeling“, also die Stromkennzeichnung auf der Jahresabrechnung verwendet. Der Lieferant kann aber auch Nicht-Ökostrom als solchen an die Verbraucher bringen – indem er zu Strom „unbekannter Herkunft“, den er an der Börse gekauft hat (und der auch Atom- oder Kohlestrom enthalten kann), freie Ökostrom-Herkunftsnachweise dazukauft. Vereinfacht gesagt: indem er ein grünes Mascherl dazukauft. Das ist EU-rechtlich so gedeckt. Für die Konsumenten ist das natürlich intrans­parent.

Wie kann ich dann sicher sein, 100 % Ökostrom zu beziehen?

Umweltzeichen-Strom (grüner Strom nach Richtlinie UZ 46) wird vom Österreichischen Umweltzeichen zertifiziert und ist das derzeit nachhaltigste Stromprodukt auf dem österreichischen Energiemarkt. Mit dem Umweltzeichen ausgezeichneter Strom muss nicht nur nachweislich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern stammen, sondern die Anbieter verpflichten sich auch, den Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien voranzutreiben. Umweltzeichen-Lizenznehmer dürfen beispielweise weder mit Atomstrom noch mit Strom aus fossilen Quellen handeln.

Auch dürfen sie keinen Strom unbekannter Herkunft mit getrennt erworbenen Herkunftsnachweisen liefern beziehungsweise verkaufen. Das ­bedeutet, der Konsument kann sicher sein, dass der an ihn gelieferte Strom tatsächlich ausschließlich aus erneuerbaren Energie­trägern stammt.

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