Nahrungsergänzungsmittel: Direkt daneben

Kommentar von KONSUMENT-Redakteurin Elisabeth Spanlang

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KONSUMENT 5/2013 veröffentlicht: 16.04.2013

Inhalt

Unser Test über Nahrungsergänzungsmittel von Amway, Herbalife, FitLine, Juice Plus zeigte wenig schmeichelhafte Resultate. Vertreter der Branche machten daraus ein - Zitat - "erfreuliches Ergebnis". - Ein Kommentar von KONSUMENT-Redakteurin Dr. Elisabeth Spanlang.

KONSUMENT-Redakteurin Elisabeth Spanlang (Foto: VKI/Wilke) 
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Elisabeth Spanlang

"Keine leeren Versprechungen", titelte Ende Februar 2013 eine Werbeeinschaltung in der "Niederösterreichischen Wirtschaft“, der Zeitung der Wirtschaftskammer Niederösterreich. Anlass für den Beitrag war der Test über den Direktvertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln  (NEM), den wir in KONSUMENT 2/2013 veröffentlicht hatten. Dort waren die Direktvertreiber und ihre Produkte nicht sonderlich gut weggekommen.

Veranstaltung als Gehirnwäsche

Wir kritisierten die Methoden, mit denen die zahlreichen Pillen und Säfte, die eigentlich kaum jemand braucht, um viel Geld an die Kunden gebracht werden. Und die suggestiven Massenveranstaltungen, aus denen Konsumenten häufig als neue "Berater“ herauskommen, grenzen unserer Meinung nach an Gehirnwäsche. Alles in allem also nicht gerade schmeichelhafte Ergebnisse.

Nur Lobenswertes!

Was lesen wir dazu im Verlautbarungsorgan der niederösterreichischen Wirtschaftskammer (hier der Artikel: Direktvertrieb: Keine leeren Versprechen)? Nur Lobenswertes! "Eine kritische Reportage zur Notwendigkeit von Nahrungsergänzungsmitteln in der Zeitschrift KONSUMENT brachte ein sehr erfreuliches Ergebnis für die Direktberater“, wurde in der Anzeige ernsthaft behauptet.

Nur zwei Punkte positiv erwähnt

Darauf folgten die einzigen positiven Textpassagen unseres Tests. Auch von einem "Achtungserfolg“ war die Rede und davon, "dass Direktberater ihre Verantwortung nicht nur als Kaufmann, sondern auch als Berater ernst nehmen“.

Den kritischen Rest verschwiegen

Wir nehmen in Sachen NEM nichts und niemanden mehr ernst! In unserem kritischen Beitrag gab es genau zwei Punkte, die wir lobend hervorgehoben hatten: die Beratungsdauer beim Kauf von NEM und dass die uns angepriesen Produkte nicht mit krankheitsbezogenen Angaben beworben wurden. Das Erstere ist selbstverständlich, das Letztere schlicht verboten. Aus einer Selbstverständlichkeit und einer eingehaltenen Vorschrift eine Jubelmeldung zu machen, ist eine reife Leistung. Dabei den entscheidenden Rest eines kritischen Beitrags einfach unter den Tisch fallen zu lassen, auch.

Andererseits: Wer es nötig hat, sich mit ein paar aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten in einem Inserat selbst abzufeiern, ist sowieso nur eins: arm dran!

Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
18 Stimmen

Kommentare

  • Ganz richtig!
    von ling am 30.07.2017 um 11:28
    Es ist leider mittlerweile Praxis geworden, in diversen Printmedien Werbung so zu präsentieren, als würde es sich um einen ganz normalen redaktionellen Artikel handeln. Als Beispiel fällt mir der Gesundheitsteil der "Kronen Zeitung" in der Samstagsausgabe ein. Natürlich ist ganz klein gedruckt der Hinweis "Anzeige" oder "bezahlte Einschaltung" zu finden, doch man muss schon zweimal hinsehen oder überhaupt erst danach suchen. Dass ein Blatt wie die "Niederösterreichische Wirtschaft" - noch dazu als Werbeeinschaltung Ihre Testergebnisse nicht noch bestätigt, davon braucht man nicht einmal zu träumen. Aber wie heißt es so schön - Papier ist geduldig und ein großer Anteil der Bevölkerung glaubt ja noch immer was in der Zeitung steht ist die Wahrheit... "Aber die von "Konsument" müssen ja immer was zu meckern haben, können die nicht einmal Ruhe geben. Der Wirtschaft geht s eh so schlecht." So oder ähnlich habe ich es bereits mehrfach im Bekanntenkreis gehört. Ein weiterer Kommentar erübrigt sich wohl.
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo