Testen als Risiko

Ein Kommentar von Elisabeth Spanlang

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KONSUMENT 8/2017 veröffentlicht: 27.07.2017

Inhalt

Lebensmittel- Tests sind sehr aufwendig und müssen hieb-und stichfest sein. Ein Fehler oder schlechtes Testergebnis kann für uns existenzbedrohend werden. -Ein Intern von KONSUMENT-Redakteurin Elisabeth Spanlang.

Elisabeth Spanlang (Bild: U. Romstorfer/VKI)
E-Mail: Redakteurin
Elisabeth Spanlang

Bevor ein Lebensmittel- Test bei uns erscheint, ist viel Vorbereitungsarbeit nötig. Das beginnt schon beim Einkauf. Von jedem ausgewählten Artikel müssen mehrere Produkte eingekauft werden, und zwar genau von derselben Charge. Nur so bekommen wir ausreichend viele Rückstellmuster, mit denen, wenn nötig, nachgetestet werden kann oder Ergebnisse überprüft werden können.

David gegen Goliath

Sobald die von uns beauftragten Labors ihre Untersuchungsdaten übermitteln, geht es darum, diese richtig zu bewerten. Dazu braucht es ein Testdesign, das im Fall des Falles hieb- und stichfest ist. Fällt ein Produkt bei uns im Test durch, kann das für den Hersteller das Aus bedeuten.

Was aber selbst viele unserer Leser nicht wissen: Passiert uns ein Fehler und „hält“ unsere Beurteilung nicht, wird es auch für uns existenzbedrohend. Je höher die Marktkonzentration, je mächtiger die involvierten Firmen und je mehr Geld in einem Geschäftszweig steckt, desto größer ist unser Test-Risiko. David gegen Goliath heißt auch heute noch das Match zwischen uns und den großen Playern.

Drohung, Druck und Drama

Neben den Fleischern, mit denen wir über die Jahre viele Auseinandersetzungen hatten, lässt sich auch die Mineralwasser- Industrie nicht gerne die Bilanz trüben. Mitte der Neunzigerjahre fand unsere Untersuchungsanstalt in mehreren stillen Mineralwässern so viele Keime, dass sie Anzeige erstattete.

Als klar war, dass wir darüber berichten werden, zitierte eine der betroffenen Firmen unseren Autor in ein Wiener Kaffeehaus und bedrohte ihn persönlich mit einer Millionenklage, sollte er den Text nicht zurückziehen. Natürlich ohne Erfolg, wie sich in KONSUMENT 7/1994 nachlesen lässt. Der Mineralwasser-Riese hatte gegen den Konsumentenschützer-Zwerg keine Chance.

Sturm im Mineralwasserglas

Nun liegt wieder eine Klagsdrohung auf dem Tisch. Waldquelle, die Nummer zwei am österreichischen Mineralwassermarkt aus dem burgenländischen Kobersdorf, die inzwischen tschechische Eigentümer hat, hält unser „nicht zufriedenstellendes“ Testurteil für ihr stilles Wasser für „völlig falsch“ und „fachlich unrichtig“. Das Schreiben einer sehr großen, sehr renommierten Anwaltskanzlei ist der vorläufige Schlusspunkt einer Reihe von Versuchen, uns mit allen Mitteln unter Druck zu setzen.

Neben Waldquelle gehören auch Ich bin Österreich (Rewe) und Despar Sorgente (Spar) zu den Testverlierern. Diese Firmen haben aber völlig anders reagiert: Keine von beiden beauftragte ihre Hausjuristen. Rewe kündigte an, mit Maßnahmen die beanstandete Keimzahl zu reduzieren. Und Spar nahm die betroffene Charge sofort aus dem Verkauf. Manche agieren einfach professioneller als andere.

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Kommentare

  • Bei Konsumentenmündigkeit kein Risiko
    von ling am 28.07.2017 um 10:09
    Wenn die Konsumenten das sind was viele von sich behaupten - nämlich mündig zu sein -, dann sehe ich keine Risiko für Ihren Verein. Erst der VKI hat in den vergangenen Jahrzehnten auf verschiedene Ungereimtheiten - insbesondere in der Lebensmittelbranche - aufmerksam gemacht, sodass meines Erachtens ein Umdenken stattgefunden hat. Und nicht zuletzt sind viele Unternehmen nicht gleich die Paragrafenkeule schwingend aufgetreten, sondern haben sich - wie im Artikel erwähnt - durchaus professionell verhalten und entsprechend reagiert. Außerdem: Eine Klagsdrohung ist noch keine Klage, auch wenn die Kanzlei noch so "renommiert" sein sollte. Auch diese kochen nur mit Wasser. Gäbe es solche Institutionen wie den VKI nicht - Österreich würde arm dran sein. Tun wir deshalb alles, damit Ihre Tests weiterhin möglich bleiben und die wahren Sünder an den Pranger kommen!
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