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Baurecht: Hilfe, mein Nachbar baut! (Teil 1)

Was nun?

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Konsument 11/2009 veröffentlicht: 13.10.2009

Inhalt

Pläne kopieren, nachfragen

Erkundigen Sie sich bei der Baubehörde, ob bereits ein Einreichplan vorliegt. Wenn ja, holen Sie ihn unverzüglich ab. Als Nachbar haben Sie das Recht auf eine Kopie. Kein Mensch, schon gar nicht ein Laie, überblickt bei kurzer Planeinsicht in einer Amtsstube die ganze Tragweite eines Bauvorhabens, von den oftmals gut versteckten Details gar nicht zu reden.

Checkliste

Bevor Sie Ihre Kopien (kostenpflichtig) mit nach Hause nehmen, überprüfen Sie:

  • Sind sie farbig – nicht schwarz-weiß – und gut lesbar?
  • Können Sie sämtliche Höhenangaben bzw. Messpunkte zweifelsfrei erkennen?
  • Ist alles erfasst, was am Bauplan drauf ist? Nummerieren Sie die einzelnen Blätter so durch, wie am Original dargestellt, damit Sie Unter- bzw. Überschriften richtig zuordnen können.
  • Wurde auch der „Kopf“ mit allen wichtigen Daten (Einreichdatum, Unterschriften) bzw. die Legende vollständig kopiert?
  • Damit Sie nicht in Verlegenheit kommen, falls es keinen Farbkopierer gibt oder das Gerät gerade defekt ist: Nehmen Sie eine Kamera mit, um den Bauplan im Notfall abfotografieren zu können.

Genaue Auskünfte einholen

Sprechen Sie für eine erste Orientierung das Bauvorhaben mit dem zuständigen Referenten durch. Lassen Sie sich alles genau erklären. Wenn Sie etwas nicht verstehen, fragen Sie nach. Müssen Sie öfter nachhaken und bekommen Sie trotzdem keine befriedigende Auskunft, zweifeln Sie nicht an sich selbst, sondern an Ihrem Gegenüber. Fühlen Sie sich schlecht informiert oder gar abgewimmelt, hilft der Gang zum unmittelbaren Vorgesetzten. Keine ganz leichte Übung, zugegeben.

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Kommentare

  • Entspricht der Realität
    von REDAKTION am 04.11.2009 um 15:21

    Viele Bauverhandlungen laufen tatsächlich so ab, wie diese Schilderung anschaulich zeigt: Anrainer, die Fragen stellen, werden rüde abgefertigt. Von ihren Rechten hören die Nachbarn praktisch nie etwas, stattdessen wird ihnen das Gefühl vermittelt, dass sie hier nichts zu plaudern hätten. Wer sich dagegen wehrt, wird als Querulant verunglimpft.

    Die im Artikel beschriebene Baustelle befindet sich in OÖ. In der dortigen Bauordnung ist – wie in allen anderen auch – genau festgelegt, wann und unter welchen Bedingungen bei einem Bauvorhaben das Nachbargrundstück benutzt werden darf. Nur wenn die nötigen Arbeiten nicht auf andere Weise oder nur unter unzumutbar hohen Kosten durchgeführt werden können, muss der Nachbar eine Benutzung seines Grundstücks dulden. Mindestens vier Wochen vorher ist er darüber zu informieren, was genau auf seinem Grund geschieht und wie lange. Nach Beendigung der Arbeiten muss der frühere Zustand soweit als möglich wiederhergestellt werden. Bleiben Schäden zurück, sind diese vom Verursacher abzugelten. Ohne vorherige Ankündigung haben Baumaschinen im nachbarlichen Rosengarten also nichts verloren.

    Dass die Durchsetzung der eigenen Rechte meistens kein Spaziergang ist, stimmt leider. Versuchen sollte man es trotzdem.

  • Sie haben kein Recht!
    von Wasis am 04.11.2009 um 09:17
    Das wurde mir bei der Bauverhandlung als direkter Nachbar von der Baubehörde mitgeteilt (es handelt sich um einen öffentlichen Bau). Ich habe dabei lediglich gefragt, ob die bisher bestehende Mauer wieder aufgebaut wird. Nein, es kommt nur ein Geländer. Zum Einreichplan: wenn ich mir wie vorgeschlagen alles kopiere und nachher ist der Bau um 1 bis 2 m höher, was ist dann? Möchten Sie den Anwälten zu mehr Geschäft verhelfen? Gestern wurde auf meinem Grund ohne zu fragen ein Bagger abgestellt. Nach Besichtigung (und Beschwichtigung) durch die Baubehörde wurde heute von meinem Grund aus gebaggert. Die Wiese ist zerstört, alles ist voller Dreck (Starkregen!). Und? Soll ich jetzt irgendwelche Eingaben machen, über die alle Beteiligten nur lachen und wo ich dann im Irrenhaus lande? Ich finde Ihren Artikel praxisfremd!