KONSUMENT.AT - Crowdfunding International - Verdacht auf Pyramidenspiel

Crowdfunding International

Spenden für den Betreiber

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KONSUMENT 10/2016 veröffentlicht: 31.08.2016, aktualisiert: 07.09.2016

Inhalt

Seit Banken durch die Finanzkrise in Verruf geraten sind, wird die alternative Finanzierungsform Crowdfunding wichtiger. Nicht alle Projekte sind vertrauenswürdig. Bei einigen besteht der Verdacht, es handle sich um ein Pyramidenspiel.

Rettung des Regenwaldes oder Luxusjacht

In den Sozialen Medien, auf YouTube oder Facebook, wird derzeit eine Spendenplattform aus den Niederlanden

Crowdfunding International; Bild: pzAxe/Shutterstock.com

namens Crowdfunding International hochgejubelt, die die unterschiedlichsten Projekte auf ihrer Homepage präsentiert: Zur Rettung des Regenwaldes, für ein Schulprojekt auf den Philippinen oder für Tiere in Not. Doch gleichzeitig gibt es auch ganz banale private Projekte, wie die Anschaffung einer Luxusjacht oder der Kauf eines Bugatti Veyron, eines 1000-PS-Boliden.

Spende geben, Spende bekommen

Der Grundgedanke lautet: Geben Sie eine Spende, erhalten Sie eine Spende. Wobei es eher um letzteres zu gehen scheint. Man kann zwar auch eine sogenannte offene Spende geben, ohne selbst partizipieren zu wollen. Doch was in den Medien so gepriesen wird, ist die Möglichkeit, selbst ein Projekt vorzustellen und Spenden dafür zu sammeln.

Zuerst die Personen über mir

Zuvor muss ich allerdings selbst einen Betrag von 215 Euro spenden: 15 Euro gehen an die Plattformbetreiber, 200 gehen an andere Spendensammler. Als nächstes muss ich 2 Leute finden, die bereit sind, mein Projekt mit jeweils 200 Euro (plus 15 für die Betreiber) zu unterstützen. Doch die 400 Euro erhalte nicht ich, sie kommen den Personen über mir im System zu. So geht es weiter: Jede neu hinzukommende Person muss zwei Personen ausfindig machen, die bereit sind, sich auf der untersten Stufe des Systems einzureihen.

Um die Stufe 7 zu absolvieren, müssen sich 254 Personen für mein Projekt engagieren, doch der Kontostand dafür lautet immer noch Null, die Plattform hat 3810 Euro verdient, die Personen über mir 50.800 Euro. Erst dann beginnt für mich das Verdienen, und erst wenn die 9.Stufe voll ist, kann ich mir einen Betrag auszahlen lassen.

Einen sicheren Gewinner gibt es …

Ein Schelm, wer hier an ein Pyramidenspiel denkt. Die Plattformbetreiber versichern, dass ihr Spendensystem sauber ist, die Finanzmarktaufsicht habe das Konzept vor dem Start überprüft und für legal befunden. Faktum ist: Das System generiert selbst kein Geld, ist also auf immer neues Geld von außen angewiesen, um die Aussicht auf finanzielle Träume am Leben zu erhalten.

Nur einen Gewinner gibt es in diesem System mit Sicherheit: die Betreiber, die mit jedem Neueinsteiger 15 Euro verdienen. Erklärungen zum Funktionieren des Systems bekommt man erst, wenn man die 215 Euro einbezahlt hat, vorher wird man lediglich mit einem YouTube-Video "bearbeitet“.

Ob erlaubt oder nicht, von solchen Projekten können wir nur abraten.

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