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Depressionen

Den Hilfeschrei erkennen

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Konsument 1/2010 veröffentlicht: 03.12.2009

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Lieber auf Nummer sicher gehen

Lieber die Diagnose weit auslegen, als einen ernsten Krankheitsfall übersehen. Das scheinen sich viele Ärzte, Psychiater und Psychotherapeuten zu sagen, die depressiv Erkrankte behandeln. Diese Haltung hat eine gute und eine schlechte Seite. Die schlechte ist, dass die schwer Depressiven auf diese Weise mit den leicht Depressiven in einen Topf geworfen werden – und damit das wahre Ausmaß ihres Leidens verkannt, ja bagatellisiert wird.

Am Rande stehen

Eine schwere Depression ist eine schreckliche Krankheit, vielleicht die schrecklichste überhaupt. Der Kranke fühlt sich im Innersten getroffen, er kann sich nicht mehr auf sein Denken und Fühlen verlassen. Dieses Leiden mit „Verstimmung“ zu umschreiben, trifft die Sache nicht. Es ist vielmehr ein Stehen am Rande, ein absolutes Nicht-weiter-Wissen. Viele Fachleute plädieren denn auch dafür, die Einteilung in leichte, mittelgradige und schwere Depressionen, wie sie die Weltgesundheitsorganisation vornimmt, aufzugeben und die schwere Depression als eigenes Krankheitsbild (Entität) zu definieren – eben weil sie sich ihrer Meinung nach fundamental von den leichteren Verlaufsformen unterscheidet.

Ein Hilfeschrei 

„Ich habe eine Depression“ – das kann also nicht bloß heißen: „Ich habe schlaflose Nächte wegen dem bevorstehenden Umzug.“ Es kann auch bedeuten: „Ich weiß absolut nicht weiter! Nichts freut mich mehr! Alles wird mir zu viel! Das Leben ist mir ein Gräuel. Nur der Tod kann mich noch erlösen!“ Bei keiner anderen Krankheit ist das Suizidrisiko so hoch wie bei dieser. Jedes Jahr nehmen sich weltweit eine Million Menschen das Leben, das sind mehr Tote, als der Straßenverkehr fordert. Nun sind zwar nicht alle Suizide auf depressive Erkrankungsphasen zurückzuführen, wohl aber der größte Teil.

„Ich habe eine Depression“ – das kann durchaus ein Hilfeschrei sein. Ein Notfall. Hier ist sofortiges Handeln gefordert. Wie kommt es zu diesem finalen Schritt? Welche Dynamik steckt dahinter? Auf welche typischen Anzeichen haben gerade Freunde und Angehörige zu achten?

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Kommentare

  • Suizid ankündigen
    von DanDocPeppy am 17.12.2009 um 22:31
    Der erste Punkte der "Mythen um den Suizid" ist schlichtweg verwirrend, weil FALSCH und RICHTIG hier nicht korrekt gegenübergestellt werden. Denn auch wenn 8 von 10 Selbstmördern diesen vorher angekündigt haben, haben vermutlich 9 von 10 Ankündern diesen niemals vollendet. Verstehen Sie diesen Widerspruch in Ihrer Aussage? Sie stellen hier Äpfel und Birnen gegenüber. Wenn nämlich die Falschthese lauten soll: "Wer vom Selbstmord spricht wird ihn nicht begehen", dann muss die richtige These darauf lauten, daß z.B. x% der Selbsmordandroher diesen später auch vollenden.