DMSO bei Arthrose im Knie

Als Wundermittel angepriesen

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KONSUMENT 10/2018 veröffentlicht: 27.09.2018

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Lassen die Schmerzen bei einer Knie-Arthrose nach und fördert es die Beweglichkeit, wenn man das Knie mit DMSO einschmiert?

Beweislage: niedrig. DMSO hilft wahrscheinlich nicht. In Studien konnte kein Unterschied zwischen einer Behandlung mit DMSO und einem Scheinmedikament festgestellt werden. Es bestehen jedoch noch einige Unsicherheiten.

Die wissenschaftliche Beweise für diese Aussagen sind niedrig

 

Gelenkverschleiß, gemeinhin Arthrose genannt, ist eine typische Alterserscheinung. Besonders häufig betroffen ist das Knie. Typische Beschwerden sind Schwellungen und Schmerzen im Gelenk, oft verbunden mit Bewegungseinschränkungen. Als „Wundermittel“ gegen Arthrose wird Dimethylsulfoxid, kurz DMSO, angepriesen. Die Substanz – ein Lösungsmittel, das in verschiedenen chemischen und technischen Bereichen eingesetzt wird – soll die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern. Manchmal wird DMSO auch in Salben als Hilfsstoff zugesetzt, um das Eindringen anderer Substanzen (Wirkstoffe) in die Haut zu fördern.

Als Wirkstoff gegen Beschwerden beworben

Bei Arthrose wird DMSO allerdings nicht als unterstützender Hilfsstoff, sondern als Wirkstoff gegen die typischen Beschwerden beworben. Es soll direkt auf die schmerzende Stelle, also etwa das Knie, aufgetragen werden. Onlineshops verkaufen DMSO oft in Form von Tropfen, manchmal aber auch als Gel oder Creme. Die Vertreiber verweisen gerne auf Laborversuche, die eine Wirksamkeit von DMSO belegen sollen. Dabei konnte die Substanz Entzündungsreaktionen und die Schmerzweiterleitung hemmen.

Verschiedene Studien gefunden

Dass sich dies auch auf den Menschen übertragen lässt, könnte allerdings nur durch klinische Studien belegt werden. Wir fanden fünf Arbeiten, bei denen Menschen mit Arthrose ihre schmerzenden Knie mit DMSO behandelten – oder zum Vergleich mit einem Scheinmedikament (Placebo) bzw. mit einem Gel, das den relativ häufig verwendeten Schmerzwirkstoff Diclofenac enthält. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse aus diesen Studien ist allerdings kaum möglich. Denn es ist unklar, ob die Teilnehmenden zu Beginn der Studien tatsächlich vergleichbare Beschwerden hatten. Außerdem wurden höchst unterschiedliche Dosierungen und verschiedene Messinstrumente zur Erfassung der Beschwerden genutzt.

Keine fundierten Aussagen möglich

Einige Arbeiten weisen auch methodische Mängel auf, sodass die Aussagekraft insgesamt eingeschränkt ist. Die beiden methodisch besten Studien, in denen DMSO mit einem Scheinpräparat (Placebo) verglichen wurde, liefern keinen Beleg für eine Wirksamkeit. Eine Studie, in der Diclofenac und DMSO verglichen werden, brachte ebenfalls keine Ergebnisse, die nahelegen, dass DMSO wenigstens genauso gut wirkt wie das Schmerzmittel. Die Studienergebnisse ermöglichen auch keine fundierte Aussage zu möglichen unerwünschten Wirkungen. Zwar traten nach dem Auftragen von DMSO häufiger Hautreaktionen auf, diese waren allerdings nicht problematisch. Außerdem war die Studiendauer unserer Einschätzung nach zu kurz. Sie betrug jeweils nur wenige Wochen. Arthrosebeschwerden im Knie bestehen jedoch oft viele Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte.

Lesen Sie mehr unter: Medizin Transparent: DMSO gegen Arthrose im Knie?

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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