KONSUMENT - Wirkt Lichttherapie gegen Depression? Lichtlampen gegen den Blues Fakten-Check Medizin

Laktoseintoleranz

Hilft das Enzym Laktase?

Seite 1 von 1

KONSUMENT 9/2021 veröffentlicht: 26.08.2021

Inhalt

Können Kapseln oder Tabletten mit Laktase die Beschwerden bei einer Laktoseintoleranz verbessern und Milchprodukte besser verträglich machen?

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage niedrig
Wir sagen: Die Beweislage ist niedrig.
Tabletten und Kapseln mit dem Enzym Laktase lindern die Beschwerden bei einer Laktoseintoleranz möglicherweise. Gut abgesichert ist diese Einschätzung allerdings nicht, denn die bisher veröffentlichten Studien sind klein und großteils mangelhaft durchgeführt.


Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall – wer Milchzucker (Laktose) schlecht verträgt, kennt derartige Symptome. Den Betroffenen fehlt das Enzym Laktase, das die Aufgabe hat, den Milchzucker aufzuspalten, damit dieser aus dem Darm ins Blut aufgenommen werden kann. Die Unannehmlichkeiten treten auf, wenn Milch oder Milchprodukte in größeren Mengen (etwa ab einem Glas Milch) konsumiert werden.

Personen, die unter Laktoseunverträglichkeit leiden, versuchen, Milchprodukte zu meiden. Doch das ist nicht leicht, da Milch, Butter und Schlagobers fester Bestandteil vieler Gerichte sind. Einige Milchprodukte enthalten dagegen bereits von Natur aus kaum oder wenig Laktose. Dazu gehören Hart- und Schnittkäsesorten wie Emmentaler, Gouda oder Parmesan. Wer größere Mengen an Milchprodukten konsumieren möchte, kann zu als „laktosefrei“ oder „laktosearm“ gekennzeichneten Lebensmitteln greifen.

Studien zur Effektivität des Enzyms

Manche Betroffene greifen auch zu Nahrungsergänzungsmitteln, die Laktase enthalten. Doch arbeitet das Enzym aus Tabletten oder Kapseln ähnlich effektiv wie die körpereigene Laktase? Bei ihrer Recherche fanden unsere Kooperationspartner von medizin-transparent.at Studien, die dies untersucht haben. Die Ergebnisse der sieben besten verfügbaren Arbeiten deuten darauf hin, dass es funktionieren könnte.

In allen sieben Studien erhielten die Teilnehmenden eine Trinklösung mit reinem Milchzucker. Parallel dazu schluckten sie entweder ein Laktase-Präparat oder ein wirkungsloses Schein-Präparat (Placebo). In fünf Studien hatten die Teilnehmenden aus der Laktase-Gruppe etwas weniger Beschwerden als die Personen der Placebo-Gruppe. In zwei der Studien war kein Unterschied erkennbar.

Wirksamkeit nicht eindeutig belegt

Ein eindeutiger Beleg für die Wirksamkeit der Laktase-Präparate ist das nicht. Die Studien sind nämlich sehr klein und zum Großteil mangelhaft durchgeführt. Wie groß der Effekt der Laktase ist und ob Beschwerden sich spürbar bessern, lässt sich nicht aus allen Arbeiten ableiten. Wenn, dann dürfte eine positive Wirkung eher gering ausfallen. In keiner der Studien verschwanden die Beschwerden durch die Laktase-Tabletten oder -Kapseln zudem vollständig.

Lesen Sie mehr unter: Laktoseintoleranz: Besser mit Laktase-Tabletten?

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen?
In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Berichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

Lesen Sie mehr auf www.medizin-transparent.at

 

Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
2 Stimmen