Rauchverbot: Nichtraucherschutz

Volksbegehren „Don´t smoke“

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KONSUMENT 3/2018 veröffentlicht: 15.02.2018, aktualisiert: 22.03.2018

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Die Wiener Ärztekammer und die Österreichische Krebshilfe starten das Volksbegehren "Don´t smoke“. - Ein Rauchverbote in Gebäuden – etwa in Restaurants – bringt deutliche gesundheitliche Vorteile.

Das generelle Rauchverbot in der Gastronomie zählt in Europa mittlerweile zum Standard und war auch in Österreich bereits beschlossene Sache. Das Verbot wäre ab Mai 2018 in Kraft getreten. Die neue Regierung plant jedoch die Abkehr von der Novelle des Tabakgesetzes. Damit wäre das Rauchen in gastronomischen Betrieben weiterhin erlaubt.

Die Wiener Ärztekammer und die Österreichische Krebshilfe starten nun das Volksbegehren „Don´t smoke“. Im Sinne des Verbraucherschutzes veröffentlichen wir deshalb vorab die neuesten Recherchen unseres Kooperationspartners medizin-transparent.at. Diese zeigen eindeutig, dass Rauchverbote in Gebäuden – etwa in Restaurants – deutliche gesundheitliche Vorteile mit sich bringen.

Rauchverbote sind sinnvoll

Verringern Rauchverbote die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen 
bei Nichtraucherinnen und Nichtrauchern? 

Beweislage: mittel. Durch Rauchverbote sinkt wahrscheinlich die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Notfälle in der Gesamtbevölkerung. Auch die Sterblichkeit dürfte zurückgehen.

KONSUMENT Fakten-Check Medizin: wissenschaftliche Beweislage mittel (Bild: VKI)

Österreich ist Schlusslicht

Österreich ist Schlusslicht beim Nichtraucherschutz. Kein anderer Staat in Europa schneidet hier schlechter ab. Zigaretten sind vergleichsweise billig. In der Werbung für Zigaretten ist noch immer vieles möglich, was in anderen Staaten längst verboten ist. Rauchen ist an vielen Orten erlaubt, ob in Bahn- und Busstationen, in der Gastronomie oder bei den Ausgängen von öffentlichen Gebäuden. Die gesundheitlichen Gefahren sind enorm. Rauchen ist einer der größten (beeinflussbaren!) Risikofaktoren für Krankheit und vorzeitigen Tod. Laut WHO sterben weltweit jedes Jahr sechs Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Auch wer nicht raucht, ist gefährdet: Passivrauchen verursacht jährlich über 600.000 Todesfälle. Ein Viertel dieser nichtrauchenden Toten sind Kinder.

Genügend gute Studien

Obwohl es rigorose Rauchverbote in Europa erst seit relativ kurzer Zeit gibt, liegen inzwischen genügend gut gemachte Studien zu positiven Gesundheitseffekten für die Bevölkerung nach der Einführung von Rauchverboten vor. Ein Forschungsteam des Cochrane-Netzwerks analysierte dazu Studien über Rauchverbote in Universitäten, Krankenhäusern oder Gefängnissen. Eine umfassende Übersichtsarbeit, wie sich nationale Rauchverbote auf die Gesundheit von Nichtraucherinnen und Nichtrauchern auswirken, zeigt einen Rückgang von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen. 

Rauchen fördert Lungenkrebs

Uneinheitlich sind die Ergebnisse zu Atemwegserkrankungen. Es gibt Studien, die auf einen Rückgang schließen lassen; andere Arbeiten hingegen sehen keine Verbesserungen. Ob Rauchverbote zum Rückgang von Krebserkrankungen führen, lässt sich derzeit noch nicht eindeutig beantworten. Die meisten landesweiten Rauchverbote sind erst verhältnismäßig kurz in Kraft (in Europa seit 2004). Positive Effekte zeichnen sich zwar ab, sind statistisch aber noch nicht abgesichert. Rauchen fördert jedenfalls Lungenkrebs und Mundhöhlenkrebs. Brustkrebs, Speiseröhrenkrebs, Nierenkrebs, Bauchspeicheldrüsen- oder Dickdarmkrebs werden durch das Rauchen wahrscheinlicher.

Gesetzliche Rauchverbote sinnvoll

Obwohl noch einige Fragen offen sind, zeigt die bisherige Forschung, dass gesetzliche Rauchverbote sinnvoll sind. Sie schützen Menschen, die selbst nicht rauchen, vor Krankheit und Tod. Zigarettenrauch ist eine Gefahr für alle, die ihn einatmen: Er besteht aus über 4.000 chemischen Verbindungen, mindestens 50 davon sind als krebserregend eingestuft. In geschlossenen Räumen hat Zigarettenrauch für alle Anwesenden eine gesundheitsschädigende Wirkung – egal ob die Personen selbst rauchen oder dem Rauch ausgesetzt sind. Auch Passivraucher können typische Raucherkrankheiten wie Lungenkrebs oder einen Herzinfarkt bekommen.

Lesen Sie mehr auf https://www.medizin-transparent.at/rauchverbote-nachweislich-sinnvoll

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

Lesen Sie mehr auf www.medizin-transparent.at

 

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Kommentare

  • Und die EU schaut zu?!
    von ling am 27.02.2018 um 06:52
    Gibt es eigentlich eine Richtlinie in dieser Angelegenheit? Müsste das allgemeine Rauchverbot in der Gastronomie nicht berits Standard sein? Oder sind es wieder einmal die ach so berühmten Übergangsfristen (vergleichbar mit der Barrierefreiheit)? Abgesehen davon, dass sich unser Vizekanzler sowieso über das Ergebnis des aktuelle Volksbegehrens hinwegsetzen wird und eine verbindliche Abstimmung erst ab 2021 (!) zulassen "möchte" (vielleicht aus Angst davor bei der nächsten Wahl wieder in der Opposition zu sitzen?), ist es bedauerlich, dass sich nicht mehr Menschen dazu aufraffen, die Bewegung "Dont t smoke" zu unterstützen. Aber wir leben ja in Österreich. Gejammert und geraunzt wird immer. Grundsätzlich sind wir ja dafür, doch wenn es um die Bewegung des Allerwertesten geht, dann haben wir hunderte Ausreden - und wenn es nur das Wetter ist...
Bild: VKI