KONSUMENT.AT - Zistrose gegen Corona - Wirkung nicht belegt

Zistrose gegen Corona

Schutz vor Infektionen?

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KONSUMENT 4/2021 veröffentlicht: 25.03.2021

Inhalt

Können Zistrose-Präparate Erkältungen und anderen Infekten der oberen Atemwege vorbeugen oder diese lindern? Können sie vor Infektionen mit dem Coronavirus schützen?

Beweislage: unzureichend. Ob Mittel mit Zistrose vor Erkältungskrankheiten schützen, wurde nie an Menschen untersucht. Auch zu Corona gibt es keine solchen Studien.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend


Gegen Erkältungen, Schutz vor Corona?

Zistrosen sind stark verzweigte Sträucher, die ein aromatisches Harz enthalten, das Labdanum. Ein Extrakt aus der Pflanze soll zur Behandlung von Erkältungen und zum Schutz vor Corona geeignet sein, das behaupten Anbieter derartiger Präparate. Verkauft werden die Mittel in Apotheken und im Internet meist als Medizinprodukte, für die keine Wirkungsnachweise vorgelegt werden müssen. Sie sind in Form von Lutschpastillen, Kompressen oder Tees erhältlich.

Die vermeintliche Wirkung der Zistrose gegen Krankheitserreger wie Bakterien und Viren sowie die kolportierte Stärkung des Immunsystems soll auf Verbindungen aus der Pflanze zurückgehen, die vermeintlich Schleimhäute in Mund und Rachen gegen Krankheitserreger „abdichten“.

Nach Studien gesucht

Eine virenabtötende Wirkung ist in Zell- und Tierversuchen nachgewiesen, dies lässt sich allerdings nicht auf den Menschen übertragen. Unsere Kooperationspartner von medizin-transparent.at (Cochrane Österreich) haben deshalb in mehreren großen medizinischen Datenbanken nach Studien zur Anwendung von Zistrose-Präparaten beim Menschen gesucht. Sie fanden weder Studien zur vorbeugenden Wirkung von Zistrose-Präparaten bei Erkältungen noch Studien zum Schutz vor dem Coronavirus oder zur Behandlung einer COVID- 19-Erkrankung.

Zistrose-Lutschpastillen

Fündig wurden die Wissenschaftler im Fall einer Studie, in der die Wirkung von Zistrose-Lutschpastillen gegen Erkältungsbeschwerden untersucht wurde. Dazu lutschten Teilnehmer mit Schnupfen, Halsweh oder Husten mehrmals täglich entweder Pastillen mit Zistrose-Extrakt oder Pastillen ohne Wirkstoff (Placebo). Laut dem Forschungsteam führten die Zistrose-Pastillen innerhalb einer Woche zu einem schnelleren Abklingen der Beschwerden.

Die Studie erscheint allerdings wenig vertrauenswürdig. So ist unklar, ob die Teilnehmenden wussten, ob sie Zistrose-Lutschpastillen oder Placebo-Pastillen bekommen hatten. Somit lässt sich ein Placebo-Effekt in der Zistrose-Gruppe nicht ausschließen. Zudem fehlen wichtige Informationen zu den Teilnehmenden – etwa, ob sie zusätzlich auch andere Medikamente eingenommen hatten. Unklar ist auch, wie schlimm die Beschwerden der Probanden zu Beginn der Studie gewesen waren. Wären die Teilnehmenden der Placebo-Gruppe viel schwerer erkrankt gewesen als jene der Zistrose-Gruppe, hätten Erstere schon zu Beginn einen erheblichen Nachteil gehabt. Im Dunkeln bleibt auch, wer die Untersuchung finanziert und in Auftrag gegeben hat.

Methodische Mängel

In einer zweiten Studie wurden Teilnehmende mit Infekten der oberen Atemwege auf zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe lutschte Zistrose-Pastillen, die andere Gruppe gurgelte mehrmals täglich mit grünem Tee. Da in diesem Fall aber die Kontrolle durch eine Placebo-Gruppe fehlte, wurde die Studie für diese Einschätzung nicht berücksichtigt. Zudem weist auch diese Arbeit schwerwiegende methodische Mängel auf.

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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