Handystrahlung und Elektrosmog

Wacher, müder, vergesslicher

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KONSUMENT 11/2016 veröffentlicht: 21.09.2016, aktualisiert: 25.11.2016

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Neue Mobilfunk-Studie belegt: Telefonieren mit dem Handy wirkt auf die geistige Leistungsfähigkeit, Zellkerne und die DNA. Besondere Aufmerksamkeit sollte man auf die Exposition von Kindern und Jugendlichen legen. - Was Sie hier lesen ist exklusiv. Andere Medien fürchten den Verlust von Inseraten, wir von KONSUMENT sind inseratenfrei; wir berichten.

Handystrahlung verlangsamt das Denken, macht müde, vermehrt Fehler und wirkt auf die Zellen - eine Studie der AUVA empfiehlt: Risiko verringern (Bild: solar22/Shutterstock)

Rechnet man die Zeit zusammen, die Österreicherinnen und Österreicher im Jahr 2015 beim Telefonieren mit Handy und Smartphone verbracht haben, gelangt man zu einer imposanten Zahl: 39.673 Jahre. Das entspricht dem Zeitraum vom Entstehen der ersten Höhlenmalereien des Homo sapiens bis heute. Für uns als dessen moderne Nachfahren bedarf es hingegen nur weniger Stunden der Mobiltelefonie, um nachweisbare Veränderungen der kognitiven Leistungen (wahrnehmen, denken, entscheiden, reagieren) sowie an Zellkernen und der DNA hervorzurufen.

Studie der AUVA

Das zeigen die aktuellen Ergebnisse einer Studie zum Thema " Athermische Wirkungen elektromagnetischer Felder im Mobilfunkbereich“ (ATHEM-2) , beauftragt von einer Institution, der man wohl kaum Technik- oder Fortschrittsfeindlichkeit vorwerfen kann (wie das bei kritischen Mobilfunk-Befunden sonst gerne getan wird): der AUVA, also der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt.

Medizinischen Universität Wien und Seibersdorf

Durchgeführt wurde die Forschungsarbeit von einem hochkarätigen Team aus Wissenschaftlern der Medizinischen Universität Wien (Institute für Krebsforschung sowie Umwelthygiene) und des „Fachbereichs Elektromagnetische Verträglichkeit“ der Seibersdorf Labor GmbH, die auch schon am Vorgängerprojekt ATHEM-1 (2002 – 2008) beteiligt waren. Schon damals wurden unter anderem per EEG lange anhaltende Veränderungen in den Hirnströmen (Alpha-Wellen) der Versuchspersonen festgestellt.

Berufsunfähigkeit durch zuviel Handy-Strahlung?

Ausschlaggebend für die erneute Untersuchung mögen neben dem wissenschaftlichen Erkenntnisinteresse zwei weitere Faktoren gewesen sein:

Im Jahr 2012 hat das italienische Höchstgericht nach einem wahren Prozess-Marathon erstmals einem Manager eine staatliche Berufsunfähigkeitsrente zugesprochen, weil es einen Zusammenhang zwischen dem beruflich bedingten, täglich vielstündigen Mobilfunktelefonieren und der Entstehung eines Hirntumors beim Kläger als bewiesen ansah. Ein Fakt, den die AUVA als Versicherer von 4.856.887 Österreichern (2015) wohl nicht unbeachtet lassen kann.

2013 stufte die IARC (die Internationale Agentur für Krebsforschung, eine Unterorganisation der WHO) die hochfrequenten elektromagnetischen Felder (HF-EMF), wie sie beim Mobilfunk zwangsläufig auftreten, als "möglicherweise krebserregend“ ein.

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Kommentare

  • Vermag die Mobilfunk-Lobby sinnerfassend zu lesen?
    von NETclub50plus am 21.09.2016 um 19:57
    Betrachtet man deren Presseaussendung (FMK, Forum Mobilkommunikation) zu diesem Thema, muss man das stark bezweifeln. Dort heißt es wörtlich: "Die gute Nachricht: Keine Wirkungen gefunden – selbst bei 16 stündiger Exposition." Zeigt doch schon der KONSUMENT-Artikel, dass eine ganze Reihe von Wirkungen auf allen Ebenen (kognitiv, zellulär) nachgewiesen wurde. Die 16 Stunden beziehen sich übrigens auf Zellversuche im Labor – an den Versuchspersonen wurde Veränderungen in den Zellen der Mundschleimhaut schon nach zweistündiger Exposition über fünf Tage nachgewiesen - und zwar noch Wochen später. Das unterschlägt die PR-Aussendung der FMK total. - Was die Zellreaktionen betrifft, wurde eine Vielzahl von Zelllinien untersucht, von denen nicht ALLE eine Reaktion auf die UMTS-Strahlung zeigen (was längst bekannt ist). Aus dieser Tatsache abzuleiten, es seien "keine Wirkungen" gefunden worden ist (freundlich gesagt) eine Verdrehung der Tatsachen, da beispielsweise Hirntumor-Zellen im Experiment besonders empfindlich reagierten. - Die Lobby zitiert aus der Studie: "Keine der gefundenen Wirkungen lässt den Schluss auf direkte gesundheitsschädliche Wirkungen zu." Der nächste, entscheidenden Satz fällt bei der FMK aber unter den Tisch: "Allerdings begründen sie ein potentielles Risiko für exponierte Personen." Denn neben den DIREKTEN Wirkungen mag es auch kumulative Effekte geben. EINE Zigarette hat noch niemanden umgebracht ("keine direkte Wirkung"), eine Schachtel pro Tag auf Dauer wohl schon. Und genau so mag es unter Umständen auch mit der Mobilfunkstrahlung sein. - Dass die PR-Maschinerie der Handy-Konzerne all das leugnet ist eine Beleidigung des Intellekts aller ihrer Kunden.
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo