Haferbrot „Nimm dir weizenfrei“

Für Weizenallergiker geeignet?

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veröffentlicht: 16.08.2016

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Was Konsumenten alles zugemutet wird. Diesmal im Lebensmittel-Check: Haferbrot aus dem Merkur-Backshop mit widersprüchlichen Angaben zur Beschaffenheit.

 


Das steht drauf: „Nimm dir weizenfrei“ Haferbrot

Gekauft bei: Merkur

Das ist das Problem

Gluten ist ein Klebereiweiß, das in Weizen, Roggen, Gerste und Hafer, aber auch in Triticale, Dinkel, Grünkern, Kamut, Einkorn und Emmer vorkommt. Bei Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) schädigt dieses Klebereiweiß die Dünndarmschleimhaut. Wer an Zöliakie leidet, muss sich lebenslang glutenfrei ernähren. Und wer an einer Weizenallergie leidet, für den ist klarerweise Weizen tabu.

Welche Auslobung stimmt?

Bei Merkur gibt es Haferbrot, auf dessen Verpackung in großen Lettern „nimm dir weizenfrei“ und „von Natur aus glutenfreie Rohstoffe“ aufgedruckt ist. Eine Kundin, die sich aufgrund einer Erkrankung weizenfrei ernähren muss, hatte dieses Brot geraume Zeit gerne gekauft. Doch eines Tages entdeckte sie im Kleingedruckten, gleich nach der Zutatenliste, den Hinweis „nicht geeignet für Zöliakiebetroffene und Weizenallergiker“. „Welche Auslobung stimmt jetzt?“, wollte sie von uns wissen.

Produkt laut Rewe glutenfrei

Wir fragten bei Rewe nach. Das Haferbrot werde selbstverständlich ohne Weizen hergestellt, teilte uns das Unternehmen mit. Da man Kontaminationen mit Weizen lange nicht ausschließen konnte, gab bzw. gibt es den Vermerk: „Nicht geeignet für Zöliakiebetroffene und Weizenallergiker“. Doch mittlerweile habe man ausreichende  Untersuchungsergebnisse, sodass das Produkt korrekt als „glutenfrei“ bezeichnet werden kann. Gut zu hören. Wir bleiben auf jeden Fall dran.

Hersteller muss deklarationspflichtige Allergene anführen

Als glutenfrei können EU-weit Produkte bezeichnet werden, die höchstens 20 Milligramm Gluten pro Kilogramm Ware enthalten. Die Kennzeichnung von bestimmten Allergenen ist gesetzlich vorgeschrieben. Enthält ein Produkt laut Rezeptur deklarationspflichtige Allergene, muss der Hersteller diese auf der Verpackung angegeben.

Verunreinigung möglich

Hinweise wie „kann Spuren von … enthalten“, „enthält Spuren von …“ oder eben auch „nicht geeignet für Zöliakiebetroffene und Weizenallergiker“ erfolgen hingegen auf freiwilliger Basis. Sie beziehen sich ausschließlich auf Allergene, die unbeabsichtigt, etwa durch Verunreinigungen, in das Lebensmittel gelangen.
Für Allergiker und Personen mit Lebensmittelunverträglichkeiten sind solche Hinweise wenig hilfreich, da es dafür keine rechtlichen Regelungen gibt. Das bedeutet: Ein Produkt kann durch Allergene verunreinigt sein, obwohl auf seiner Verpackung kein Hinweis auf mögliche Allergenspuren aufscheint.

Mit glutenfreien Getreidearten auf der sicheren Seite

Umgekehrt kann ein Produkt, auf dessen Verpackung eine lange Liste möglicher Allergenspuren angeführt ist, komplett frei von Allergenen sein. So viel steht fest: Wer eine Weizenallergie hat, an Glutensensitivität oder Zöliakie leidet, greift besser auf glutenfreie Getreidearten wie Mais, Hirse, Buchweizen, Amaranth oder Quinoa zurück.

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