Kinderarbeit in Usbekistan

Baumwolle aus Kinderhand

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Konsument 8/2010 veröffentlicht: 20.07.2010

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Dahinter steckt ein Grundsatzproblem der Bekleidungsindustrie: Fast alle großen Modeketten haben in den letzten Jahren dem Druck der Öffentlichkeit nachgegeben und ihre Lieferanten verpflichtet, gewisse Mindeststandards bei der Produktion einzuhalten; das Verbot von Zwangsarbeit oder von Kinderarbeit gehört da fast immer dazu. Das betrifft aber nur die ersten Stufen der Beschaffungskette, in der Regel haben die Konzerne nur ihre direkten Lieferanten im Visier. Das können Nähereien, vielleicht auch Spinnereien sein, also Betriebe, in denen die Baumwolle weiterverarbeitet wird. Dort gibt es in der Regel auch halbwegs seriöse Kontrollen durch Vertreter der Konzerne oder (besser) durch unabhängige Audit-Agenturen.

Für den Rohstoff nicht zuständig

Mit dem Rohstoff für ihre Produkte hingegen haben sich die Markenfirmen bislang kaum beschäftigt. Sie wissen oft nicht einmal, woher die Baumwolle kommt. Manches weiß man natürlich schon: So zum Beispiel, dass die Verarbeitungsbetriebe in Bangladesch und Vietnam hauptsächlich aus Usbekistan beliefert werden. Und viele Modeartikel in europäischen Boutiquen tragen die Aufschrift "Made in Bangladesh" oder "Made in Vietnam". Nur C&A hat eigenen Angaben zufolge seine Audit-Organisation SOCAM angewiesen, ihre Kontrolltätigkeit auf in der Beschaffungskette vorgelagerte Betriebe auszuweiten. Konkrete Informationen darüber stehen jedoch nicht zu Verfügung.

Den Weg der Baumwolle kontrollieren

Andere Unternehmen arbeiten derzeit daran, die Nachverfolgbarkeit der Baumwolle über die gesamte Beschaffungskette zu verbessern und auf diese Weise zu verhindern, dass sich Baumwolle aus Usbekistan in die eigene Produktionskette "verirrt". Alle diese Bemühungen stehen noch ziemlich am Anfang, und so gibt es natürlich auch noch keine Kennzeichnung für Baumwollprodukte. Weder wird die Herkunft der Baumwolle angegeben, noch wird eine Garantie dafür gegeben, dass keine Kinderarbeit im Spiel war. Fazit: Insgesamt haben C&A sowie H&M am ausführlichsten bzw. konkretesten geantwortet.

Fairtrade-Logo bietet Sicherheit

Dennoch: Für Konsumenten, die ohne Kinderarbeit erzeugte Baumwolle tragen wollen, bleibt der Einkauf bei allen "Großen" der Textil- und Modebranche eine unsichere Angelegenheit. Nur das Fairtrade-Logo bietet Sicherheit. Es wird nur Baumwolle verarbeitet, die nachweislich unter fairen Arbeitsbedingungen, somit auch ohne Kinderarbeit, erzeugt wurde. Fairtrade-Produkte und ihre Bezugsquellen sind unter www.fairtrade.at > "Produkte/Shops" zu finden. Es handelt sich vor allem um Produkte engagierter kleiner Unternehmen. Viele davon sind gleichzeitig "bio". Bei ihrer Herstellung wird auch auf den gigantischen Schadstoffeinsatz verzichtet, der für konventionelle Baumwolle erforderlich ist.

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