KONSUMENT.AT - Modeindustrie: Fairer Lohn - Clean Clothes Campaign: ausbeuterische Verhältnisse für Arbeiter verbessern

Modeindustrie: Fairer Lohn

Ein Menschenrecht

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KONSUMENT 10/2020 veröffentlicht: 27.08.2020

Inhalt

Wer ist gefordert im Kampf um menschenwürdige Arbeitsbedingungen entlang der globalen Lieferkette? Wir Konsumenten oder die Politik?

Wussten Sie, dass ein existenzsichernder Lohn ein Menschenrecht ist? „Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert.“ So wurde es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte niedergeschrieben. Das war vor mehr als 70 Jahren. Inzwischen, so möchte man meinen, hätte sich unser Wirtschaftssystem an diese Grundprämisse der globalen Ethik anpassen können.

In Wahrheit sind wir meilenweit davon entfernt – z.B. in der Bekleidungsindustrie. Langsam findet ein Umdenken statt. Und zwar in den Köpfen der Konsumenten. Sie wissen mit dem Begriff „Fast Fashion“ etwas anzufangen und lehnen diese menschen- wie ressourcenverachtende Entwicklung ab ( Fast Fashion 6/2019 : billige Kleidung, konzipiert als Wegwerfprodukt; siehe KONSUMENT 6/2019 ).

Steter Tropfen

Unlängst lancierte die NGO Clean Clothes Campaign die Website Fashion Checker . Was dort zu finden ist? Details über Lieferketten von großen Modemarken und über die Arbeitsbedingungen bei deren Zulieferbetrieben. Es zeigt sich (einmal mehr), dass diesen Multimilliarden-Konzernen Transparenz nicht wichtig ist. Zwei Drittel informieren gar nicht oder nur rudimentär über ihre Lieferketten. Zudem bezahlen nur 8 der 108 durchleuchteten Modehäuser ihre Lieferanten so fair, dass diese ihre Arbeiter existenzsichernd entlohnen können. Die Lage hat sich durch die Corona-Krise noch verschärft. Arbeiter werden schlicht nicht mehr bezahlt, es kommt zu Massenentlassungen. Ersparnisse konnten die Menschen nie ansammeln, sie stehen vor dem Nichts.

Was können wir tun?

Die Clean Clothes Campaign glaubt an die Macht des Konsumenten: „Lasst die Marken wissen, dass die Arbeiter*innen Besseres verdienen. Sagt den Unternehmen, bei denen ihr einkauft, dass ihr Kleidung kaufen wollt, die ohne Ausbeutung hergestellt wird.“ Noch besser wären rechtlich verbindliche Rahmenbedingungen (ein „Lieferkettengesetz“).

Markus Stingl, Redakteur „Die Bekleidungsindustrie lässt vom Konzept der billigen Wegwerfmode (Fast Fashion) nicht ab. Sind wir Konsumenten das Zünglein an der Waage oder muss die Politik ran?“
Markus Stingl, Redakteur

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