Negativzinsen bei Krediten

Geld zurück!

Seite 2 von 3

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 9/2017 veröffentlicht: 31.08.2017, aktualisiert: 04.10.2017

Inhalt

VKI-Musterbrief

Für viele der rund 100.000 ohnehin gebeutelten Franken-Kreditnehmer bringen die vorliegenden Urteile nun zumindest eine kleine Entlastung mit sich. „Inzwischen spricht der Oberste Gerichtshof in einem Urteil selbst von einer gesicherten Rechtsprechung. Die Verrechnung der Zinsen war gesetzwidrig, jetzt müssen die Banken das Geld zurückerstatten. Bei Fremdwährungskrediten können die zu viel verlangten Beträge ohne Weiteres 2.000 Euro oder mehr ausmachen, bei Euro-Krediten immer noch einige Hundert Euro – je nachdem, um welche Kreditsumme es geht“, sagt Thomas Hirmke. Der VKI bietet Betroffenen deshalb auf seiner Rechts-Homepage www.verbraucherrecht.at einen Musterbrief zum Ausfüllen an. Diesen schickt man am besten per Einschreiben an die Bank. Bis Mitte August wurden bereits rund 10.000 Musterbriefe heruntergeladen.

Erste Banken lenken ein

Zunächst reagierten die Banken auf den Musterbrief eher zurückhaltend. Vielfach wurde argumentiert, dass noch der Ausgang eines weiteren Verfahrens abzuwarten sei. Inzwischen haben manche Banken Rückzahlungen der zu viel verrechneten Zinsen in Aussicht gestellt und teilweise Kunden auch bereits darüber informiert (Bank Austria, Erste, Volksbanken). Das ist aus unserer Sicht „in Ordnung“, auch wenn die Rückzahlung (wie etwa bei der Bank Austria) noch bis Anfang 2018 dauern könnte. Andere Banken – etwa der Hypo-Verband und der Raiffeisensektor konnten sich trotz eindeutiger und mittlerweile ständiger Rechtsprechung des OGH nicht zu einer verbraucherfreundlichen Regelung durchringen.

Verjährungsgefahr

"Wir fordern alle Banken auf, eine Richtigstellung für die Vergangenheit vorzunehmen“, sagt Thomas Hirmke. Bei endfälligen Fremdwährungskrediten und bei endfälligen Euro-Krediten sieht der VKI-Chefjurist ansonsten die Gefahr einer Verjährung: „Diese setzt nach drei Jahren ein. Nachdem der Referenzzinssatz Anfang 2015 ins Minus gerutscht ist, wäre es Anfang 2018 so weit.“ Um das zu verhindern, hat der VKI die Banken über den Bankenverband aufgefordert, zumindest umgehend einen Verjährungsverzicht abzugeben. Bis Redaktionsschluss ging dazu leider keine Reaktion vom Bankenverband bei uns ein.

VKI-Musterbrief

"Wir vom VKI werden betroffene Konsumentinnen und Konsumenten jedenfalls weiter unterstützen. Sollten die Banken eine Rückzahlung verweigern, werden wir weitere Schritte einleiten“, stellt Thomas Hirmke klar. Auch wenn also manche Banken von sich aus Refundierungen vornehmen, raten wir betroffenen Kreditnehmerinnen und –nehmern dennoch, die Bank über den VKI-Musterbrief aktiv zur Rückzahlung auffzuordern. 

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
23 Stimmen
Weiterlesen
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo