KONSUMENT.AT - Panikattacken - Zittern, Schweißausbruch, Herzrasen

Panikattacken

Wenn Angst krank macht

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KONSUMENT 6/2019 veröffentlicht: 23.05.2019

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Zittern, Schweißausbruch, Herzrasen – das kann auf eine Herzerkrankung hinweisen. Aber auch auf eine Panikattacke, eine Angststörung. Unter Letzterem leidet Frau Schmidt (Name geändert). Sie erzählt von ihrem Leben mit dieser Form krankhafter Angst.

Folgende Artikel sind in dieser Serie erschienen:

Panikattacken: Merke ich in der U-Bahn, dass eine Panikattacke kommt, gehe ich durch den Zug. Bewegung baut Adrenalin ab (Foto: Food-Travel-Stockforlife/Shutterstock)

Frau Schmidt, können Sie sich noch an Ihre erste Panikattacke erinnern?
Ja, das war Anfang der 1990er-Jahre. Ich war damals 31 und stand kurz vor einer Operation. Man gab mir Kontrastmittel – und da begann es: Ich bekam einen Schweißausbruch, Herzrasen, ganz eng wurde es mir um die Brust. Ich hatte das Gefühl, zu ersticken. Etwa 20 Minuten hielt das an.

Wussten Sie gleich, dass es sich dabei um eine Panikattacke handelte?
Nein, so etwas hatte ich zuvor noch nie erlebt. Ich dachte, das hat etwas mit dem Kontrastmittel zu tun. Die Ärzte untersuchten mich und sagten, mein Herz sei in Ordnung, ich müsse mir keine Sorgen machen. Die Momente, in denen sich Herzrasen mit Todesangst einstellte, die dauerten auch nach der Operation an. Ich konnte kaum noch schlafen. Vielleicht haben die Ärzte etwas bei der Operation verpfuscht, dachte ich.

Was sagten die Ärzte?
Mein Hausarzt verschrieb mir ein Medikament, das den Herzschlag herabsetzte, was die Sache aber nur verschlimmerte. Man darf nicht vergessen: Das war vor fast dreißig Jahren, und Panikattacken waren damals noch wenig bekannt, auch unter Ärzten. Meine Umwelt kannte mich als offenen, kontaktfreudigen Menschen, und nun wagte ich mich kaum noch aus der Wohnung. Ja ich hatte sogar Angst, unter einem Türstock hindurchzugehen. Zum Glück habe ich einen sehr verständnisvollen Ehemann, der immer zu mir stand, der mich damals auch auf meinem Weg zur Arbeit begleitete. Allein hätte ich das nicht geschafft.

Wie reagierte Ihre Umwelt?
In erster Linie mit Unverständnis. Die Leute konnten es nicht verstehen. Ich ja auch nicht. Plötzlich überforderten mich die einfachsten Dinge – Einkaufengehen, U-Bahn-Fahren. Reiß dich zusammen, sagten die Leute, schau, du brauchst doch überhaupt keine Angst zu haben. Dass die Angst grundlos war, unangemessen, das wusste ich selbst. Doch dieses Wissen schaffte die Angst nicht aus der Welt. Die Folge war: zunehmender Rückzug, Isolierung.

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Wertung: 5 von 5 Sternen
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Kommentare

  • @ling "Welche Therapien haben sie gemacht?"
    von REDAKTION am 06.06.2019 um 10:14
    Vielen Dank für Ihren Hinweis! Wir haben den Fehler ausgebessert.

    Ihr KONSUMENT-Team
  • Veralteter Bericht
    von Dunkelsteinerwald am 05.06.2019 um 08:21
    Heutzutage wird vor Operationen meist die "Wurschtigkeitsspritze" gegeben. Auch dass Narkosen im Nachhinein zu massiven psychischen Problemen führen können ist mittlerweile bekannt und auch in den Informationsbögen aufgenommen. Da kann man medikaentös gegensteuern.
    ---
    Die "klassische" Panikattacke bekommt man nun im normalen Leben : enge Räume mit viel Menschen, Prüfungssituationen etc.)
  • Artikel
    von ling am 27.05.2019 um 11:34
    "Welche Therapien haben sie gemacht?"
    Ist damit eine Personengruppe oder eine Einzelperson gemeint? Falls Letzteres zutrifft, dann bitte "Sie". Danke