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Recht auf Reparatur

Nachhaltiges Interview mit iFixit

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KONSUMENT 2/2021 veröffentlicht: 28.01.2021

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Matthias Huisken, Europa-Geschäftsführer von iFixit, der größten Onlineplattform rund ums Thema Selber-Reparieren, fordert ein Umdenken in der Elektro-Branche. 

Foto: iFixit Herr Huisken, was ärgert Sie in ­Sachen Nicht-Reparierbarkeit von Produkten am meisten?
Hochproblematisch ist das feste Verbauen von Batterien und Akkus in Produkten, deren Lebensdauer-Potenzial ganz klar oberhalb der Akku-­Lebensdauer liegt. Das ist so quasi ­eine Uhr, die die Lebensdauer des Produkts determiniert, weil man den Akku nie wieder aus dem Produkt herausbringt. 

Ein Beispiel?
Nehmen wir Smartphones: Dort gibt es viele hochwertigste Premiumprodukte, in denen ganz tolle Materialien verbaut sind, die aufwendigst hergestellt wurden und lange halten. Und es ist völlig klar: Wenn ich da einen Akku verbaue, der vielleicht 500 bis 1.000 Ladezyklen schafft, dann ist der Akku in 2 bis maximal 4 Jahren kaputt und man müsste ihn tauschen. Das ist ein Verschleißteil. So wie eine Tintenpatrone in einem Drucker. Es kann ja nicht die Lösung sein, dass man, wenn die Tintenpatrone leer ist, den Drucker wegschmeißt. Eine weitere Produktkategorie sind mobile Wireless- Kopfhörer, die ebenfalls fest verbaute Akkus haben. Diese Produkte hätten eigentlich problemlos eine Lebensdauer von 5 bis 10 Jahren – eigentlich, weil die Akkus dort ebenfalls vielfach fest verbaut sind. Akkus, deren Leistung nach wenigen Jahren so stark nachlässt, dass das im Nutzungsszenario für den Konsumenten nicht mehr passt. 

Wer sind denn die typischen Bastler und Schrauber?
Anders als z.B. bei Repair-Cafés, wo der Altersdurchschnitt häufig doch relativ hoch ist, gibt es in unserer Community auch sehr viele jüngere Menschen. Das ist sehr erfreulich. Die kommen dann zu uns und suchen Reparaturanleitungen. Das passende Ersatzteil bekommen sie im besten Fall auch gleich bei uns. 

Wie kann man die nicht so Selbermach-Affinen mit auf die Reise nehmen?
Wenn wir es schaffen, die Leute sanft über die Hürde zu schubsen, dass sie einmal eine Reparatur selber machen, dann bleiben sehr viele dran an dem Thema. Und das spricht sich dann irgendwann auch im Bekanntenkreis oder in der Familie herum – und schon werden es wieder mehr. 

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