Vollkorn: Ist es gesünder?

Mit Vollkorn länger leben?

Seite 1 von 1

KONSUMENT 9/2016 veröffentlicht: 25.08.2016

Inhalt

Senken Vollkornprodukte die Wahrscheinlichkeit, frühzeitig zu sterben?

Wir sagen: Menschen, die statt Lebensmitteln aus raffiniertem Mehl Vollkornprodukte verzehren, leben wahrscheinlich länger und haben vermutlich ein geringeres Risiko, an Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben.  

KONSUMENT Fakten-Check Medizin: wissenschaftliche Beweislage mittel (Bild: VKI)

Die gesunde Alternative

Vollkorn gilt als die gesündere Alternative zu raffinierten Getreideprodukten, darin sind sich Ernährungsexperten einig. Auch die Österreichische Ernährungspyramide des Gesundheitsministeriums empfiehlt, Vollkornprodukte zu bevorzugen. 

Studien zeigen, dass Vollkorn gesünder ist als raffiniertes Mehl. Forscher haben die Ernährungsgewohnheiten von Tausenden Menschen erhoben und ihre Gesundheit anschließend zehn Jahre oder mehr, manchmal sogar über zwanzig Jahre lang beobachtet. Studienteilnehmer, die laut eigenen Angaben besonders viele Vollkorn-Lebensmittel gegessen hatten, lebten im Durchschnitt länger als jene, die weitgehend auf Vollkorn verzichteten.

Seltener Krebs oder Herzinfarkt

Und noch etwas zeigte sich: Wer häufig zu Vollkorn greift, bekommt seltener Krebs oder Herz- Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt. Auch Diabetes tritt deutlich seltener auf, wenn man Vollkorn den Vorzug gibt. Der Effekt scheint dabei umso größer zu sein, je höher der Anteil an Vollkorn am Teller ist. Besonders vorteilhaft sind Vollkornbrot und Vollkorn-Frühstücksflocken, etwa Haferflocken.

Auch Lebensstil und Vererbung

Allerdings sind es nicht Vollkornprodukte allein, die die Aussicht auf ein längeres Leben verbessern. Auch andere Aspekte wie Lebensstil, Veranlagung oder Umweltverschmutzung haben Einfluss darauf, ob und in welchem Alter jemand ernsthaft erkrankt oder ob er gar frühzeitig verstirbt. Die Autoren der oben angesprochenen Studien haben versucht, den Einfluss anderer Faktoren wie Übergewicht, Rauchen, Alkoholkonsum oder Bewegungsmangel auszuschließen, vollständig ist dies allerdings nicht möglich. Denkbar wäre, dass vor allem jene Menschen vermehrt zu Vollkorn greifen, die ohnehin auf ihre Gesundheit und eine ausgewogene Ernährung achten. Die Ursache für ihre gute Gesundheit könnte beispielsweise auch im Verzicht auf Pizza, Burger und Cola, viel Bewegung und einer allgemein guten psychischen Gesundheit liegen.

Ergebnisse verfälschbar

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Angaben der Studienteilnehmer zur Menge der verzehrten Vollkornprodukte nur per Fragebogen erhoben werden konnten. Falsche Angaben könnten das Resultat entsprechend verfälscht haben. Zudem wurde die Vorliebe für Vollkorn vielfach nur zu Beginn der Studien abgefragt. Dass sich die Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmer im Lauf von zehn oder zwanzig Jahren geändert haben könnten, wurde ebenfalls oft nicht berücksichtigt. 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

Lesen Sie mehr auf  www.medizin-transparent.at/vollkorn

 

Bewertung

Wertung: 5 von 5 Sternen
5 Stimmen
KONSUMENT-Probe-Abo