Waveex: Handystrahlung senken?

Aufkleber

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KONSUMENT 5/2017 veröffentlicht: 27.04.2017

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Senken Aufkleber wie Waveex die Belastung durch elektromagnetische Felder beim Telefonieren mit Handy oder Smartphone?

Wir sagen: Das angebliche Wirkprinzip von Waveex und vergleichbaren Produkten ist wissenschaftlich nicht plausibel. Wir fanden keine aussagekräftige Studie, die Aufschluss über eine mögliche Wirkung der Handyaufkleber geben könnte.

Beweislage

 

Viele Nutzer von Handys und Smartphones sorgen sich, sie könnten durch den Elektrosmog der Geräte gesundheitliche Schäden erleiden. Auch die Wissenschaft beschäftigt sich seit Jahren mit der Problematik. Studien zeigen, dass sich das Gewebe in unmittelbarer Nähe des Smartphones oder Handys bei längeren Telefonaten erwärmen kann.

Aufkleber gegen Mobilfunkstrahlung

In letzter Zeit steht die Frage im Mittelpunkt, ob häufiges Handytelefonieren die Entstehung von Tumoren fördert. Mittlerweile bieten mehrere Firmen Produkte an, die die Strahlen angeblich ableiten oder neutralisieren.

Ein Beispiel sind Aufkleber der Firma Waveex, zu denen uns eine Anfrage vorliegt. Sie werden etwa auf Smartphones angebracht und sollen „Mobilfunkstrahlung für unseren Körper verträglich“ machen. Doch bei einer umfangreichen Recherche in einer großen Datenbank für medizinische Publikationen fanden wir keine einzige Studie, die das belegt. Auf der Homepage von Waveex werden zwei Arbeiten erwähnt, welche die angeblich positive Wirkung des Aufklebers auf den menschlichen Körper untersucht haben.

Studien können keine Wirkung nachweisen

Beide Studien entstanden im Auftrag des Herstellers, keine wurde in einer anerkannten wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht. Ein Gegencheck durch andere Wissenschaftler, wie er in der Forschung zur Qualitätssicherung Standard ist, fehlt somit.

In der einen Studie telefonierten zehn gesunde Personen je 15 Minuten einmal mit, einmal ohne Waveex-Aufkleber. Während des Versuchs wurde gemessen, wie sehr sich der Pulsschlag der Testpersonen veränderte. Die Art, wie die Daten ausgewertet wurden, kann allerdings nicht beantworten, ob der Aufkleber die behauptete Wirkung hat.

Die zweite Studie sollte die Belastung des Organismus durch eine wissenschaftlich nicht haltbare „Blutanalyse“ nachweisen. Diese Arbeit genügt nicht einmal rudimentären Ansprüchen an wissenschaftlich korrektes Arbeiten. Als Wirksamkeitsnachweis ist sie untauglich.

Besser Festnetz statt Waveex

Waveex will „Magnetfeldspitzen glätten“, die durchs Telefonieren per Handy entstünden, und den Stresslevel senken. Zudem wird versprochen: „Die Hormon und Proteinproduktion normalisiert sich, der Schutz der DNA baut sich wieder auf, die Proteine beginnen die beschädigte DNA zu reparieren.“ Für keine der Behauptungen finden sich Belege.

Wer die Strahlenbelastung beim Telefonieren verringern will, erreicht das indem er möglichst das Festnetz nutzt, Telefonate mit dem Handy kurz hält und Freisprecheinrichtung oder Headset benutzt. Zudem sollte nur bei guter Verbindung und möglichst wenig im Auto telefoniert werden.

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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