KONSUMENT.AT - Biosprit: Vorteile - Nachteile - Reaktion der Landwirtschaftskammer

Biosprit: Vorteile - Nachteile

Verschlingt viel fossile Energie

Seite 9 von 10

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 11/2012 veröffentlicht: 25.10.2012, aktualisiert: 28.11.2012

Inhalt

Reaktion der Landwirtschaftskammer

Die Landwirtschaftskammer schickte uns folgende Stellungnahme:

Niveauloses Konsument-Pamphlet über Bioethanol: Verwirren statt Informieren?

Von der Monats-Zeitschrift Konsument“ des VKI erwartet man sich gut recherchierte und aufbereitete Information. Was in der November-Ausgabe zu Bioethanol zusammengeflickt wurde, überbietet aber leider selbst übelste Schmähschriften mit einem unsäglichen Wirr-Warr aus Widersprüchen. Nach dem Motto „Glauben statt Wissen“ hat ein anscheinend überforderter Autor einen offensichtlichen Auftrag zur „Desinformation“ über Bioethanol erfüllt. Mit neutraler Konsumenteninformation hat der Artikel jedenfalls nicht im Entferntesten etwas zu tun.

Einige Beispiele:

Fehlinformation des Konsument: Bioethanol spart kaum CO2 ein
Richtig ist: Bioethanol aus Österreich spart bis zu 70 % Treibhausgase gegenüber konventionellem Benzin ein, wie komplexe „Quelle-zu-Rad“-Analysen des Joanneum-Research belegen. Dabei werden auch alle indirekten Energieflüsse (Dieselbedarf für Feldarbeit, Energiebedarf bei Düngerherstellung, etc.) bereits berücksichtigt.

Fehlinformation des Konsument: Brot im Tank – Konkurrenz zwischen Rohstoffverwendung für Bioethanolproduktion und Nahrungsmittelproduktion ist zu groß
Richtig ist: Für Brot geeigneter Qualitätsweizen wird nicht als Rohstoff für Bioethanol verwendet. Für die technische Verwendung kommen bei der Bioraffinerie Pischelsdorf geringwertige Getreidequalitäten zum Einsatz, wobei nur eine Teilmenge der gewonnenen Stärke zur Bioethanolerzeugung dient. Der Eiweißanteil und die Faserstoffe werden zur Gänze zu hochwertigen gentechnikfreien Futtermitteln verarbeitet. Die heimische Erzeugung von Bioethanol aus regional verfügbaren Rohstoffen ersetzt auf diesem Weg Sojaimporte für Futterzwecke im Ausmaß von rund 65.000 Hektar Sojaanbaufläche aus anderen Teilen der Welt. Der Titel „Brot im Tank“ des Artikels und die zugehörigen Ausführungen sind schlichtweg ein völliger Unsinn!

Fehlinformation des Konsument: Bioethanolerzeugung in Österreich treibt den Mais- und Weizenpreis
Richtig ist: Die Mais- und Weizenpreise auf den internationalen und nationalen Agrarbörsen schwanken unabhängig von der Biotreibstoffproduktion in den letzten Jahren verstärkt in beide Richtungen. Eine der engsten Korrelationen der Preisentwicklungen für Weizen besteht mit der globalen Entwicklung des Rohölpreises, so sind die Weizenpreise bis Mitte 2008 parallel zum Ölpreis rasch angestiegen, und danach - trotz weiter steigender Biotreibstoffproduktion – parallel mit dem Ölpreis massiv eingebrochen. Die durch die Klimabelastung aus der Ölverbrennung resultierenden Unwetter- und Dürrekatastrophen haben in den letzten Jahren wiederholt zu unerwarteten Preisausschlägen bei agrarischen Rohstoffen geführt. Die Substitution von klimaschädlichem Benzin durch Bioethanol mit einer Treibhausgasemissionseinsparung von bis zu 70% dient daher auch zur Entlastung der Preisausschläge.

Die Liste der Fehlinformationen des Konsument zu Bioethanol könnte noch lange fortgesetzt werden. Es bleibt jedenfalls zu hoffen, dass der VKI bei anderen Themenbereichen den Auftrag der neutralen Konsumenteninformation ernster nimmt und sich nicht von voreingenommener Meinungsmache treiben lässt.

Dipl.-Ing. Alexander Bachler
Referat Energiewirtschaft und –politik
Landwirtschaftskammer Österreich

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
5 Stimmen
Weiterlesen