KONSUMENT.AT - ÖBB Österreichcard Familie: teurer - Anreize zum Bahnfahren sinken

ÖBB Österreichcard Familie: teurer

Leistungen schrumpfen

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veröffentlicht: 08.10.2015

Inhalt

ÖBB "präzisieren" Tarife

Die Tarifgestaltung ist jedem Bahnunternehmen freigestellt. Dieser eklatante Preissprung für Österreichcard-Kunden mit Wegfall der Österreichcard Familie-Berechtigung ist naturgemäß mit dem Verlust vieler Österreichcard-Kunden verbunden. Offenbar gewollt. Da interessiert die Überlegung dahinter.

Die Antwort der ÖBB: "Wir setzen auf einfache Tarife und Transparenz. Sie wissen ja, dass wir die Zahl der Tarife von 117 auf derzeit 31 gesenkt haben." Im konkreten Fall wurde kein Tarif beseitigt, sondern die Berechtigungen für den Tarif Österreichcard Familie einschneidend verschlechtert. Wir fragten nach. ÖBB-Antwort: "Da der Verkauf dieser günstigen Jahresnetzkarte an Eltern mit Kindern über 15 Jahren nicht der Intention dieses Produkts entspricht, wurde die Regelung präzisiert."

Die Antwort macht neugierig auf die angedeutete "Intention". "Die Intention des Produkts ist", erklärt der Pressesprecher der ÖBB auf Nachfrage, "dass Eltern und ihre Kinder unter 15 Jahren die günstige Österreichcard Familie nutzen können." Aha.

Leistung schrumpft

Die ÖBB hat den Leistungsumfang der Österreichcard Familie in den letzten Jahren reduziert:

  • Streichung der Nutzung der ÖBB-Lounge
  • Streichung des 7-Euro-Upgrades in die 1. Klasse
  • Streichung der Halbpreis-Mitfahrt von Familienkindern über 15
  • nun Streichung der Österreichcard Familie-Berechtigung für Eltern mit Familienbeihilfe-berechtigten Kindern.

Außerdem hat jede Schließung einer Regionalbahnlinie die Österreichcards und Vorteilscards entwertet. Diese Karten gelten in den Ersatzbussen nicht. Die ÖBB hat den seit Jahrzehnten in den Konzern integrierten ÖBB-Postbus bis heute nicht in den Bahntarif einbezogen.

Schweiz: Es geht auch anders

Dass es auch anders geht, zeigt im Bahnfahrerland Nummer 1 Schweiz, die dortige SBB. Die SBB bietet bei ihren Generalabos (die schweizerische Bahnjahresnetzkarte) auch deutlich verbilligte Familienlösungen. Verfügt im Haushalt mindestens ein Elternteil über ein Grund-Generalabo, erhalten Partner, Kinder und ledige Jugendliche im Haushalt ihre General-Abos massiv billiger, als sie alleine dafür zahlen würden.

Bei den SBB ist eine klare Intention ersichtlich: nämlich Menschen familienweise fürs Bahnfahren zu gewinnen und auch – altersunabhängig – zu halten. Die Schweizer Generalabos schließen fast alle Bahnen, Busse und Stadtverkehre des Landes ein.

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