Bankomatgebühr

Doppelt, dreifach, vielfach zahlen

Seite 1 von 7

Nächsten Inhalt anzeigen
veröffentlicht: 03.05.2016, aktualisiert: 26.08.2016

Inhalt

Die US-Firma Euronet verlangt für das Geldabheben 1,95 Euro Bankomatgebühr. Die Wettbewerbsbehörde prüft, ob die Warnhinweise korrekt sind. Der Finanzminister kann sich eine Kennzeichnungspflicht vorstellen, ist aber nicht dagegen. Die Diskussion um die Bankomatgebühr ist wieder da. Wir sagen: Es ist eine Geldbeschaffungsaktion auf Kosten der Kunden. Viele Bank-Argumente gehen ins Leere. Eine Analyse.

Wir raten Betroffenen, bei ihrer Hausbank gegen die Gebühr Einspruch zu erheben ( VKI-Musterbrief Bankomatgebühr 7/2016 ). Wir prüfen - Stand 12.7.2016 - die rechtlichen Angriffspunkte gegen die (Weiter-)Verrechnung des Bargeldabhebungsentgelts und werden dies auch durch eine Verbandsklage gerichtlich zu klären versuchen. Jetzt kann sich auch der Finanzminister die Bankomatgebühr vorstellen, sie soll halt gekennzeichnet sein ... - Aber alles der Reihe nach: Bisher bestand in Österreich Einverständnis, dass sich Abhebungen am Bankomat zwischen den Banken ausgleichen und damit im Prinzip keine Kostenvorteile für einzelne Banken entstehen.

1,95 Euro Bankomatgebühr am Euronet-Bankomat, und das ganz knapp vor Abschluss (Bild: Kreindl/VKI)
Die Quittung zeigt: 1,95 Euro Bankomatgebühr am Euronet-Bankomat (Bild: VKI)
Die US-Euronet-Bankomaten verrechnen 1,95 Euro (Bild: VKI)
Die Euronet-Bankomaten verlangen
1,95 Euro Bankomatgebühr -
und zwar ziemlich spät im
Abhebe-Prozess; ein Last-Second-
Aufschlag gewissermaßen
(Fotos: VKI)

Argument: Teure Fremdkunden

Eigene Kunden haben mit ihrer Bank einen Girovertrag. Dafür bezahlen sie zwischen 0 (null) und rund 200 Euro pro Jahr an Gebühren. Natürlich enthalten solche Girokonto-Verträge nicht nur Leistungen zum Zahlungsverkehr sondern unter Umständen auch anderes wie Kreditkarten etc. Der Bezug eines gesetzlichen Zahlungsmittels (Bargeld) ist bei einem Gehaltskonto ein Kernbestandteil und sollte im Preis enthalten sein.

Fremdkunden sind da anders zu sehen. Fremdkunden benutzen ein Service der Bank, das sie vordergründig nicht bezahlen. Geht man aber davon aus, dass Kunden der Bank A bei Bank B abheben und umgekehrt, so verteilen sich die Kosten (der Aufwand für die Bank) gleichmäßig.

Tourismusgebiete

Es ist möglich, dass einzelne Geldinstitute - zum Beispiel in touristischen Gebieten – besonders oft von Fremdkunden frequentiert werden. Warum sollte das als Argument für eine flächendeckende Gebühr herhalten? Wir halten das für sehr weit hergeholt. Banken könnten untereinander leicht Ausgleichsregelungen schaffen.
 

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
31 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • wie immer zuerst kostenlos und dann kommen die Gebühren
    von Legeny2005 am 17.07.2016 um 18:12
    Schon vor 50 Jahren bemühten sich die Banken um Kunden für kostenlose Gehaltskonten dann kamen die GEBÜHREN! Scheckformulare waren vorerst- in jeder Menge- kostenlos, dann wurde die Stückzahl auf 20 Stk. pro Anforderung reduziert und nicht unerheblich VERRECHNET! Die Ami-Bank ist bei Bankomatgebühren sicher nur Vorreiter. "Unsere" Banken werden bestimmt in absehbarer Zeit mit irgend welchen Schmähs nachziehen.
  • Bankomatgebühren bei Euronet - PIN
    von REDAKTION am 13.07.2016 um 10:00
    an Jahnr: Bankomaten können den PIN-Code sehr wohl an Hand der Daten der Karte überprüfen. Dies ist auch deswegen erforderlich, weil der Bankomat auch im Offline-Betrieb eine Prüfung vornehmen muss. Ihr KONSUMENT-Team
  • Bankomatgebühren bei Euronet - PIN?
    von jahnr am 12.07.2016 um 18:45
    Hallo, wie ich höre arbeitet Euronet unabhängig von den Banken. WIE kann Euronet den PIN-Code prüfen, wenn dieser NICHT, wie immer behauptet, aus den Kartendaten errechnet werden kann
  • Bankomatgebühr Pro !
    von rennerrich am 25.05.2016 um 15:54
    Outing: Ich bin für die Bankomatgebühr ! Ich leiste mir den Luxus, mein Konto bei meiner lokalen Bank zu erhalten und bezahle damit für den Service einer lokalen Filiale mit (noch) persönlicher Betreuung. Ich sehe aber nicht ein, mit meinen Kontogebühren auch für jene mitzuzahlen, die Ihr (bilig- oder gratis- )Konto bei einer Onlinebank ohne Infrastruktur haben. Kostenwahrheit bitte !
  • Verstaatlichung der Banken wäre eine Alternative
    von ling am 13.05.2016 um 17:30
    Bei allem Respekt: Ich habe selten so einen Unsinn gehört. Seit wann hat eine Verstaatlichung von Betrieben etwas verbessert? Vielleicht noch Politiker in den Aufsichtsrat setzen und so die österreichische Mentalität von Nehmen und Geben lassen pflegen? Wenn Sie schon einen staatlichen Eingriff fordern bzw andenken, dann wohl eher ein gesetzliches Verbot dieser Gebühren. In der EU geht das doch auch, nur möchte man es bei uns offenbar nicht so durchsetzen. Die aktuelle Diskussion bzw "Vereinbarung" zwischen BMF und Banken ist doch nur ein Hinauszögern, verhindern werden wir dadurch eine "angedachte" Gebühr sicher nicht.
KONSUMENT-Probe-Abo