simpliTV: Fragen, Kosten, Unmut

Umstellung nicht ganz einfach

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KONSUMENT 11/2016 veröffentlicht: 06.10.2016, aktualisiert: 24.02.2017

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TV: Nach nur zehn Jahren wird das terrestrische Antennenfernsehen DVB-T auf einen neuen Standard umgestellt. Das sorgt für Fragen, Mehrkosten und Unmut.

Mit 27. Oktober ist die Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 (= simpliTV) in ganz Österreich abgeschlossen. Deshalb möchten wir nochmals die wichtigsten Fragen beantworten (siehe auch KONSUMENT 4/2016 und 6/2016). Angesichts der Menge an Zuschriften verärgter Konsumenten geht dies allerdings nicht ohne einleitende Anmerkungen.

  1. ORF: Es ist nicht fair, dem ORF alleine den Schwarzen Peter anzuhängen. Die Abschaltung von DVB-T erfolgt europaweit abgestimmt, weil der Frequenzbereich für den weiteren Ausbau des mobilen Internets bereitgestellt wird.
  2. ORS: Die ORF-Tochter ORS war die einzige Bewerberin um die österreichweite DVB-T2-Sendelizenz. Die Regulierungsbehörde RTR hat das ORS-Konzept als gesetzeskonform abgesegnet, inklusive Verschlüsselung von ORF 1 und 2. Eine der Hauptaufgaben der ORS ist es, Geld zu verdienen. Aus den GIS-Einnahmen erhält sie keinen Cent.
  3. Kunden: Das ändert nichts daran, dass viele DVB-T-Kunden diese Umstellung nicht gewollt haben – weil sie für Verwirrung sorgt, weil sie selbst in der „Gratis“-Version Zusatzkosten verursacht und weil sie in der Praxis auch Nachteile bringt. Die ORS hätte vielleicht früher und umfassender informieren sollen, denn Fakt ist, dass sich die Menschen überfahren fühlen – und das erzeugt immer Unmut.
  4. GIS: Immer häufiger taucht die Frage auf, ob weiterhin die Verpflichtung besteht, den GIS-Beitrag zu bezahlen, wenn man zwar ein Rundfunkempfangsgerät, aber kein DVB-T2-fähiges Gerät besitzt und folglich die ORF-Programme nicht mehr empfangen kann. Nach der früheren Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes war es tatsächlich so, dass das ORF-Programmentgelt (ein Teil des gesamten GIS-Entgelts) unter diesen Voraussetzungen entfallen konnte. In der Zwischenzeit hat der Gesetzgeber allerdings das ORF-Gesetz adaptiert und es entscheidet allein die terrestrische Verfügbarkeit der ORF-Programme an einem bestimmten Standort über die Verpflichtung zur Entgeltzahlung. Auch wer sich weigert, auf simpliTV umzusteigen, hat kaum eine realistische Chance, dem Programmentgelt zu entgehen. Weitere Details dazu lesen Sie hier: GIS-Entgelt

Wann wird auf DVB-T2 umgestellt?

simpliTV löst am 27. Oktober in Wien, Niederösterreich und dem Nordburgenland die Vorgängervariante ab. In den übrigen Bundesländern ist simpliTV bereits an den Start gegangen. ORF1 und ORF2 werden dort aber auch noch via DVB-T ausgestrahlt – in Oberösterreich, der Steiermark, Salzburg und dem Südburgenland bis kommenden April; in Vorarlberg, Tirol und Kärnten bis Oktober 2017.

Wer ist von der Umstellung betroffen?

Jeder, der über eine Zimmer- oder Außenantenne terrestrisches Fernsehen empfängt. Laut einer GFK-Studie aus dem Vorjahr sind das etwa vier Prozent der Zuseher oder 140.000 Haushalte in Österreich, Zahl steigend. Nutzer von Satellitenfernsehen oder Kabelanbietern müssen nicht auf simpliTV umsteigen.

Allerdings wird auch das Kabelfernsehen vom analogen Standard auf ein digitales, verschlüsseltes Signal umgestellt. Liwest sendet bereits komplett digital, UPC stellt derzeit um. Fürs Kabelfernsehen braucht man dann einen passenden Receiver – einfach das Kabel beim TV-Eingang einstecken, das funktioniert nicht mehr. Nutzer von alten Röhrenfernsehern, die bisher auf diese Art Programme empfangen haben, müssen also eine geeignete Set-Top-Box anschaffen.

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Kommentare

  • DVB-T2 mit Desktop-PC
    von tu239ap am 23.02.2017 um 16:16
    Mit TV-Einschub am Desktop scheinbar nicht möglich. Hat mit DVB-T wunderbar funktioniert. Empfang am TV-Gerät mit SimplyTV Settopbox mit bisher gut funktionierender Unterdach-Antenne fallweise schlecht. Information und Stellungnahmen von SimplyTV unbrauchbar. Wie vieles bei ORF, ORS und SimplyTV unfähige Projekt-Umsetzung!
  • Situation in Deutschland
    von REDAKTION am 18.01.2017 um 08:32

    Für alle, die es interessiert, hier ein aktueller Überblick der deutschen Stiftung Warentest: www.test.de/Umstellung-auf-DVB-T2-HD-Alle-Tests-und-Tipps-rund-ums-neue-Fernsehen-5126163-0/

    Ihr KONSUMENT-Team

  • @ "Blick über den Tellerrand": In Zukunft wird auch in DE tw. verschlüsselt, aber …
    von WalterK_im_TarifdschungelCamp am 06.01.2017 um 21:07
    Mit Beginn des DVB-T2-Regelbetriebs 2017 in DE werden die Privatsender Sat.1, ProSieben, Vox und RTL verschlüsselt und nur noch gegen Gebühr ausgestrahlt. Der Plattformbetreiber Media Broadcast wird das verschlüsselte Privatangebot unter dem Namen Freenet TV vermarkten. +++ UNTERSCHIEDLICHE DVB-T2-STANDARDS in DE und Ö: Während die Signalübertragung prinzipiell gleich funktioniert, werden unterschiedliche Kompressionsverfahren bei der Übertragung eingesetzt – in DE: H.265/HEVC, in Ö: H.264. +++ In der LISTE http://www.tv-plattform.de/de/dvb-t2-hd-geraeteliste habe ich 1 Set-Top-Box gefunden, die beide Standards beherrscht und auch über Irdeto-Entschlüsselung verfügt (ob CI+ oder nur CI, ist unklar). Nicht gerade üppig, daher größte Vorsicht!!
  • Weiteres Chaos bei simpliTV
    von Dunkelsteinerwald am 21.11.2016 um 14:14
    Ca. 2 Wochen, nachdem ich Modul und Abo bekommen habe, werde ich per Mail verständigt, dass "das Gerät" abgeschickt ist und bald ankommen wird. (Um was für ein Gerät es sich da handelt, wird nicht erwähnt. Rückantwortung : ich habe schon alles und brauche nichts mehr.) Im dem Modul beiliegenden Formular wird neben dem Bankeinzug (anders als bei der Online-Bestellung) auch die Möglichkeit der Bezahlung mit Erlagschein angeboten. Ich widerrufe ausdrücklich den online erzwungenen Bankeinzug und wechsle zur Bezahlung mit Erlagschein. Ergebnis : simpliTV teilt mir mit, dass in Kürze die fälligen Beträge mit Bankeinzug von meinem Konto abgebucht werden.
  • @ "Bei einem 2. Fernsehgerät im selben Haushalt..."
    von NETclub50plus am 13.11.2016 um 22:29
    Eine der möglichen Gründe: SimpliTV muss es auf mindestens 150.000 Anmeldungen innerhalb von zwei Jahren bringen. Erreicht sie die nicht, droht seitens der Regulierungsbehörde Gefahr, zukünftig unverschlüsselt ausstrahlen zu müssen (wie das bei der Ausschreibung auch vorgesehen war und wie es in Deutschland praktiziert wird). Möglicherweise zählt jedes Gerät als "Anmeldung", was das Erreichen der Grenze sicher beschleunigen würde ...
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