Chips: Ans Bein gepinkelt?

Kommentar von E. Spanlang

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KONSUMENT 6/2016 veröffentlicht: 25.05.2016

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Kelly-Geschäftsführer Wolfgang Hötschl zweifelt unsere Seriosität an. Dabei gibt es auch bei seinen Chips Verbesserungsbedarf. - Ein "Aufgespießt" von  KONSUMENT-Redakteur Elisabeth Spanlang.

Elisabeth Spanlang (Bild: U. Romstorfer/VKI)
Elisabeth Spanlang

Kassiert ein Produkt bei einem Test die rote Laterne, also ein "nicht zufriedenstellend", so bekommt der Anbieter noch vor Erscheinen des Hefts die Möglichkeit, eine Stellungnahme abzugeben. Beim Knabbergebäck hat es diesmal die Paprika-Chips von Penny erwischt.

Zu viel Acrylamid

Sie enthalten zu viel gesundheitlich bedenkliches Acrylamid, das sich beim Backen oder Frittieren von stärkehaltigen Lebensmitteln bilden kann. Der Lebensmittelkonzern Rewe, der diese Chips verkauft, reagierte gewohnt professionell und sprach in einer Mail an uns vom 22.4.2016 von einem "bedauerlichen Einzelfall" (siehe Reaktion zum Test: Knabbergebäck - Chips & Snips 6/2016 ).

Immer Brösel um die Chips-Tests

Gerade einmal drei Tage später und damit lange vor der Veröffentlichung unserer Knabbergebäck-Ergebnisse erschien unter dem Titel "Immer Brösel um die Chips-Tests" ein Artikel in der Kleinen Zeitung Steiermark. Dort redete sich Kelly-Geschäftsführer Wolfgang Hötschl in Rage. Seine Vorwürfe:

  1. Wir testen Chips zur EM! - Ja natürlich schauen wir uns Knabbergäck dann an, wenn es am meisten gekauft wird.
  2. Unsere Tests sind unseriös! - Nein, sind sie nicht; wir beschäftigen ausschließlich akkreditierte Labors bzw. Gutachter.
  3. Wir verunsichern die Konsumenten unnötig! - Nein, wir sagen nur was Sache ist, und reden Risiken nicht klein.

Made in Austria

"Wir lassen uns nicht ans Bein pinkeln, dafür sind wir viel zu seriös", polterte Hötschl noch abschließend. Die Penny-Chips werden laut Verpackung in Österreich hergestellt. Vielleicht ist das der Grund für den medialen Wutausbruch?

Verbesserungsbedarf auch bei funny-frisch

Dass ein miserables Testergebnis ärgert, verstehen wir. Statt unkontrolliert Dampf abzulassen, sollte der Snackhersteller aber besser darüber nachdenken, wie er seine Produkte verbessern kann. Denn nicht nur die Penny-Chips sind mit zu viel Acrylamid belastet. Auch bei den Chipsfrisch von funny-frisch, einer Marke von Kelly, sehen wir durchaus Verbesserungsbedarf. Vielleicht einfach einmal bei der Konkurrenz nachfragen. Die hat, wie unsere Testergebnisse zeigen, inzwischen Möglichkeiten gefunden, das Problem Acrylamid in den Griff zu bekommen. Mit starken Sprüchen allein wird das eher nicht funktionieren. 

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