Kürbiskernöl

Von wegen steirisch!

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KONSUMENT 6/2012 veröffentlicht: 24.05.2012, aktualisiert: 28.06.2012

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Öle aus China sind billiger

Aus dem Ausland und hier wahrscheinlich aus China kommt, was in den Flaschen von Delikatessa (Penny), Kerngold (Hofer), Pelzmann 100% pur (Merkur) und S Budget (Interspar) steckt, um nur die bekanntesten zu nennen. Auf Nachfrage haben lediglich 3 der insgesamt 6 betroffenen Hersteller zugegeben, dass bei ihnen China im Spiel ist. Zwei weitere beriefen sich auf den Weltmarkt bzw. gaben nur eine vage „internationale“ Herkunft an. Auf den Flaschenetiketten ist darüber natürlich nichts zu lesen. Diese Öle gehören zum sogenannten Preiseinstiegssegment und werden um 12 bis 20 Euro pro Liter verkauft. Aber auch mit Bio Gourmet um rund 36 Euro pro Liter träufelt man sich Made in China auf den Salat. Eine Herkunft aus dem Fernen Osten kann übrigens auch Vorteile haben. Ein schönes Beispiel ist hier Bio Primo (Müller). In diesem Öl sind praktisch keine Rückstände nachweisbar. Offenbar wurden die Kerne dafür in einem entlegenen Gebiet ohne intensive Landwirtschaft angebaut. Auch das gibt es in China!

Alles möglich

Bei den restlichen 11 Produkten ist vieles möglich: Sie stammen möglicherweise komplett aus dem Ausland (die Ursprungsländer der verarbeiteten Kürbiskerne sind wahrscheinlich Russland, die Ukraine oder Ungarn); ebenso möglich sind aber auch Mischungen von österreichischer mit ausländischer Ware. Darauf deutet bei diesen Ölen sowohl die Menge der gefundenen Spurenelemente als auch das Vorkommen oder Fehlen bestimmter Pflanzenschutzmittel hin.

Herkunft nicht eindeutig bestimmbar

In dieser Gruppe findet sich auch das Rapunzel-Öl zum Apothekerpreis von sagenhaften rund 62 Euro pro Liter. In ihm stecken keineswegs heimische Kürbiskerne, wie die Auslobung "1. Pressung aus Österreich" suggeriert, sondern Ware aus dem Ausland. Erwischt hat es auch große Ölmühlen wie Birnstingl und Fandler. Während Birnstingl über die Herkunft seiner Rohware auch auf Nachfrage bedeutungsvoll schweigt, nennt Fandler österreichische Landwirte als seine Produzenten. Kann so nicht stimmen, sagen die Experten, denn die Herkunft dieses Öls ist nicht eindeutig bestimmbar.

Echt Bio schockierte

Geradezu schockierend fanden wir die Ergebnisse für Echt Bio (Penny), Billa und Pelzmann. Alle drei Öle werden als g.g.A.-Öle vermarktet, müssten also aus einem genau definierten österreichischen Anbaugebiet stammen. Die Einstufung unseres Labors lautete dagegen: keine reinen Österreicher! Im Kürbiskernöl von Billa spürten wir darüber hinaus Pflanzenschutzmittel auf, die in Österreich nicht zugelassen sind und die man üblicherweise als Rückstände in russischen und chinesischen Kernen findet. Ähnlich ist die Situation bei Pelzmann. Auch hier waren Rückstände eines Pflanzenschutzmittels enthalten, das in Österreich nicht zugelassen ist, in Russland aber eingesetzt wird. Dass sich Konsumenten nicht einmal auf das hochgelobte g.g.A.-Zeichen verlassen können, macht einen fassungslos. Gerechnet über alle von uns getesteten Öle mit garantierter geografischer Herkunft heißt das: Bei gut jedem vierten Öl bzw. bei 27 Prozent ist der Kunde der Angeschmierte!

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
110 Stimmen
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Kommentare

  • Irreführung
    von REDAKTION am 31.05.2012 um 14:58

    Die Juristen aus unserer Rechtsabteilung bleiben an diesem Thema natürlich dran.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Auswahl der Öle
    von REDAKTION am 31.05.2012 um 14:49

    Wir versuchen bei unseren Tests, eine möglichst große Marktabdeckung zu erreichen. Natürlich würden wir gerne auch Produkte direkt vom Kernölbauern unter die Lupe nehmen. Bei den von Ihnen angesprochenen g.g.A.-Ölen kämen dafür über 2.500 Landwirte in Frage. Leider ist das allein schon aus Kostengründen nicht möglich.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Ist das nicht Irreführung?
    von powerplana am 28.05.2012 um 15:00
    Wenn ich es richtig verstehe, werden Konsumenten damit ja getäuscht. Ist das nicht auch ein Fall für Ihre Rechtsabteilung?
  • Kürbiskernöl - von wegen steirisch
    von JoLor am 25.05.2012 um 22:39
    Das Ergebnis ist mehr als niederschmetternd! Meine subjektive Feststellung: Sie testeten hauptsächlich Öle industrieller Produktion. Meine Bitte: Haben Sie auch vor, ggA - Produkte direkt von den "Kernölbauern" unter die Lupe zu nehmen? ...fragt mit großem Interesse Josef L.
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