KONSUMENT.AT - Vanilleeis - Pflanzenfett im Vormarsch

Vanilleeis

Eiskalt erwischt

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KONSUMENT 8/2012 veröffentlicht: 26.07.2012

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Pflanzenfett im Vormarsch

Wenig geredet wird auch darüber, dass in den letzten Jahren zunehmend Pflanzenfett ins Eis kommt. Verarbeitet wird vor allem Kokosfett, das überwiegend aus Indonesien und von den Philippinen importiert wird. Als Begründung geben die Hersteller den im Vergleich zum Milchfett neutraleren Geschmack an, der eine neue Zielgruppe erschließen soll. Auch Kunden würden sich ausdrücklich Pflanzenfett im Eis wünschen. Die Wahrheit ist: Für Pflanzenfett müssen die Eisproduzenten wesentlich weniger hinlegen, nämlich nur ein Viertel dessen, was sie sonst für Milchfett berappen. Nur Mövenpick gestand den günstigeren Rohstoffpreis ein.

Zusammensetzung: deutsche Vorschriften gilt auch bei uns

Genau genommen müsste ein Eis, das Pflanzenfett enthält, in Österreich unter der Bezeichnung „Pflanzenfetteis“ verkauft werden. Weil es aber überwiegend in Deutschland produziert wird, entspricht es in seiner Zusammensetzung den dort gültigen Vorschriften und ist damit auch bei uns, wie es so schön heißt, „verkehrsfähig“. In den Verpackungen von Jeden Tag (Zielpunkt), Grandessa (Hofer), Eisstern (Lidl), Rios (Penny), Mövenpick (Merkur), Botterbloom (Zielpunkt), Clever (Rewe), allen drei Eskimo-Produkten und S-Budget (Interspar) steckt jedenfalls kein reines Milcheis.

Eisstern: über 11% Fett

Hat dieses Eis aufgrund seiner Zusammensetzung gesundheitliche Vorteile? Hier müssen wir alle Schleckermäuler leider enttäuschen. Erstens ist Kokosfett reich an gesättigten Fettsäuren. Und zweitens führt die Zugabe von Pflanzenfett nicht automatisch zu einem fettärmeren Produkt, wie das Beispiel Eisstern zeigt. Es gehört mit 11,6 Gramm Fett pro 100 Gramm Vanilleeis zu den üppigsten Erzeugnissen im Test.

Milch und Zucker auf der Spur

Vanille aus den Tropen oder dem Chemielabor, Kokosfett aus Asien. Na gut, woher aber kommt der Rest? Wir erkundigten uns bei den Produzenten. Gerade einmal die Hälfte der Befragten gab bereitwillig Auskunft. Alle anderen lieferten zwar auch Informationen, blieben aber zum Großteil vage. Dass die Milch oder der Zucker für ihr Vanilleeis aus der EU bzw. aus Drittländern kommt, ist keine sonderlich genaue Angabe. Am bemerkenswertesten waren aber die Auskünfte von Eskimo. Auf die Frage nach dem Produktionsland kam als lapidare Antwort: „Mehrere Produktionsstätten in Europa.“ Geht’s noch ein bisschen unpräziser? Ja, es geht! „Je nach Verfügbarkeit“, lautete die Auskunft, als wir wissen wollten, wo Eskimo Milch und Zucker fürs Eis einkauft. Und bei der Herkunft des verarbeiteten Pflanzenfetts war dann überhaupt Sendepause.

Zanoni und Eis-Greissler: Schweigen im Salon

Zanoni und der Eis-Greissler konnten sich dagegen zu gar keiner Antwort durchringen. Hier herrschte absolutes Schweigen im Eissalon. Während Zanoni seit Langem zu den Platzhirschen unter den Wiener Eisverkäufern gehört, ist der Eis-Greissler neu im Geschäft. Seit etwa einem Jahr gibt es in der Innenstadt den hippen Laden im Retro-Stil. Das dort angebotene Ziegenkäseeis, genauer Ziegenkäsesorbet, ist ein Renner. Die Kundenschlange vor der Verkaufstheke reicht nicht selten bis auf die Straße hinaus. Biozutaten, Natürlichkeit und Produkte vom eigenen Bauernhof werden vom Eis-Greissler auf allen medialen Ebenen groß kommuniziert. Antworten auf sachliche Anfragen sind in diesem Marketingkonzept offenbar nicht vorgesehen. Ein Armutszeugnis!

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Wertung: 3 von 5 Sternen
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Kommentare

  • Vanille-Aroma
    von REDAKTION am 27.08.2012 um 12:08
    Unter dem Begriff "Aroma" fallen folgenden sechs Kategorien: - Aromastoffe - Aromaextrakte - Thermisch gewonnenen Reaktionsaromen - Raucharomen - Aromavorstufen - Sonstige Aromen Zu den Aromastoffen zählt man sowohl synthetische (durch synthetische Verfahren hergestellt) und natürliche Aromastoffe (Ausgangsstoff für die Aromen-Gewinnung sind natürliche Aromastoffe). Bekanntes Beispiel für einen natürlichen Aromastoff ist natürliches Vanillin. Vanillin ist der geschmacklich wichtigste Bestandteil der Vanilleschote. Vanillin kann über Extraktion und Isolierung direkt aus der Vanilleschote gewonnen werden. Ebenso kann natürliches Vanillin aus der Ferulasäure gewonnen werden. Dabei wird diese durch Mikroorganismen in Vanillin umgesetzt. Aber auch auf synthetischen Weg kann Vanillin hergestellt werden. Synthetisches Vanillin wird zu über 90 % weltweit eingesetzt. Als Ausgangsstoff für die synthetische Herstellung dient Guajacol oder Lignin. Natürliches und synthetisches Vanillin sind geschmacklich nicht zu unterscheiden. Lediglich durch spezialisierte Analyseverfahren können Rückschlüssen auf das verwendete Ausgangsmaterial geschlossen werden. Natürliches Vanillin aus Vanilleschoten darf als "natürliches Vanille-Aroma" bezeichnet werden. Vanillin welches durch Mikroorganismen entsteht, wird als "natürliches Aroma" und synthetisch hergestelltes Vanillin als "Aroma" bezeichnet. Der Begriff "Aroma" darf immer verwendet werden, wenn das Produkt eine oder mehrerer der oben genannten sechs definierten Aromakategorien enthält. "Natürliches Vanille-Aroma" stammt daher entweder ausschließlich aus Vanille oder mindestens zu 95 % daraus. Ihr KONSUMENT-TEAM
  • Vanilleeis
    von Andi W am 05.08.2012 um 21:41
    Für mich ist der Test glaubhaft, weil er das wiederspiegelt was viele andere Tests auf dem Lebensmittelsektor schon belegt haben. Wenns darum geht Geld zu machen ist man sehr einfallsreich. Es wird getrickst wo es -dem Gesetz nach- nur geht!! Meine Meinung: Die Lebensmittelindustrie macht uns noch krank!
  • Vanille-Aroma
    von renate schachel am 31.07.2012 um 22:40
    was bedeutet genau Vanille-Aroma?