KONSUMENT.AT - 24-Stunden-Betreuung - Vor der Unterzeichnung beachten

24-Stunden-Betreuung

Holpriger Weg zu guter Pflege

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KONSUMENT 9/2012 veröffentlicht: 28.08.2012, aktualisiert: 25.10.2012

Inhalt

Vor der Vertragsunterzeichnung

Was Sie bei der Suche nach einer geeigneten 24-Stunden-Betreuung beachten sollten:

  • Zeichnet sich in der Familie Betreuungs- bzw. Pflegebedarf ab, sollten Sie umgehend mit der Suche nach einer geeigneten Betreuung beginnen.
  •  Erstellen sie eine Checkliste, die alle zusätzlich zur Pflege zu erbringenden Tätigkeiten (Kochen, Putzen, Einkaufen, Behördengänge, Gartenarbeiten usw.) enthält.
  • Klären sie den Umfang der Pflege ab. Sinnvoll ist es, den Pflegebedarf vom Hausarzt bzw. betreuenden Arzt erheben zu lassen.
  • Persönliche Daten der zu betreuenden Person (Geburtsdatum, Sozialversicherungsnummer usw.) sollten Sie erst bekanntgeben, wenn Sie sich für eine Vermittlung entschieden haben. Eine Kostenabschätzung sollte anhand der erstellten Checkliste ohne Angabe persönlicher Daten möglich sein. Klären Sie dabei auch ab, ob etwa Fahrtkosten zu entrichten sind, wenn die Betreuungskraft erkrankt ist.
  • Lesen Sie den Vermittlungsvertrag vor der Unterzeichnung genau durch und lassen Sie ihn prüfen. Dies ist beim Verband der österreichischen selbständigen Betreuer und Pfleger kostenlos möglich.
  • Klären Sie, ob Angehörige in die Betreuung eingebunden sind. Müssen Betreuer beim Wechsel abgeholt werden, verfügen die Pflegkräfte über Führerschein und Fahrpraxis und können sie die zu betreuende Person etwa zum Arzt oder Frisör chauffieren?
  • Klären Sie Haftungsfragen ab. Was geschieht, wenn Sie mit der Leistung der Betreuer unzufrieden sind oder wenn diese nicht wie vorgeschrieben arbeiten? Erkundigen Sie sich, ob bei einem Wechsel der Betreuungskraft erneut Vermittlungsgebühren anfallen.
  • Achten Sie auf Bindungsfristen, Kündigungsfristen oder Rückforderungsansprüche. In vielen Verträgen wird bei Kündigung oder Tod der zu betreuenden Person ausgeschlossen, dass voraus bezahltes Entgelt rückerstattet wird. Derartige Klauseln sind grob benachteiligend. Der Vertrag hat Bestimmungen über die Beendigung des Vertragsverhältnisses zu enthalten, wobei zwingend vorzusehen ist, dass der Personenbetreuungsvertrag durch den Tod der betreuungsbedürftigen Person aufgelöst wird. Im Voraus gezahltes Entgelt ist anteilig zu erstatten. E benfalls sollte eine Klausel enthalten sein, die beiden Vertragsteilen eine Kündigung unter Einhaltung einer zweiwöchigen Frist zum Ende eines Kalendermonats ermöglicht.
  • Achten Sie auch auf Konkurrenzklauseln im Vertrag. Diese sind für den Konsumenten gröblich benachteiligend. Betreuungskräfte sind in den meisten Fällen selbstständig und haben daher auch kein Arbeitsverhältnis mit der Vermittlung. Konkurrenzklauseln könnten auf eine Scheinselbstständigkeit hinweisen.
  • Schließen Sie bei selbstständigen Betreuern unbedingt einen Werkvertrag ab. Für diesen gibt es Vorlagen (Werkvertrag über Leistungen in der Personenbetreuung gemäß § 159 GewO), die vom Bundesministerium für Soziales zur Verfügung gestellt werden.
  • Überprüfen Sie, ob die Betreuungskräfte auch gemeldet sind (Mitgliedsnummer bei der Wirtschaftskammer).
  • Zahlen Sie die Honorare direkt an die Betreuer und lassen Sie sich eine Honorarnote ausstellen (inkl. Sozialversicherung und Fahrtkosten). Bei Vermittlungen, die für die Betreuer die Honorare „kassieren“, könnte eine Scheinselbstständigkeit vorliegen.

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Kommentare

  • Verband der österreichischen selbstständigen Betreuer und Pfleger
    von tzeitz am 05.03.2017 um 11:09
    Anscheinend gibt es diesen Verband nicht mehr. Keine Homepage, nichts mehr nach 2012. Wäre toll wenn hier eine Alternative aufgezeigt werden könnte.
  • 24-Stunden-Betreuung
    von kzeilinger am 03.07.2014 um 23:36
    Der letzte Test über Vermittlungsagenturen betreffend 24-Stunden-Betreuung liegt schon etwas länger zurück, bei der Gegenüberstellung von der Ausgabe 2/2012 waren ein großer Anbieter (Hilfswerk) leider nicht bei der Auswertung dabei, weil von diesem kein Angebot gelegt wurde und andere damals kleine Anbieter (Elsner Pflege) sind mittlerweile bereits österreichweit mit besserem Service tätig. Vielleicht macht es Sinn da wieder einmal nachzufragen?
  • Fonds Soziales Wien und Sozial Global
    von Wos_wor_mei_Leistung? am 29.08.2012 um 17:19

    Meine alte Mutter brauchte nach einem Sturz Betreuung. In unserem Fall wies uns der Fonds Soziales Wien (FSW) den Anbieter Sozial Global zu. Ich frage die Dame vom FSW warum uns automatisch Sozial Global geschickt wird und nicht z.B. das Hilfswerk oder die Caritas oder eine andere Organisation. Die Frage mochte die Dame vom FSW gar nicht, da war sie irritiert. Also wenn ich garantieren könne, kam dann scharf zurück, dass die andere Organisation rasch eine Heimhilfe mit entsprechender Qualifikation in der Wohngegend stellen könne, dann wäre das schon möglich. Der Ärger über meine sachliche Frage war unüberhörbar. Nächster Schritt: Die Dame von Sozial Gobal klärt in einem Gespräch in der Wohnung meiner Mutter Ausmaß und Details der Betreuung (ich bin dabei). Das war alles ordentlich und korrekt (ist ja nicht immer leicht mit den alten Leuten). Zuletzt gibt sie meiner Mutter den Vertrag zum Unterschreiben. Jetzt braucht meine Mutter aber – schließlich ist sie die Kundin und sie unterschreibt den Vertrag – viel Zeit, bis sie was versteht. Sie ist nicht dement aber langsam. Ich hab dann gesagt: Bevor wir unterschreiben möchte ich den Vertrag lesen, verstehen und meiner Mutter erklären – und dann gibt es die Unterschrift. Wir unterschreiben ihn sicher, keine Sorge, aber ich möchte ihn erst lesen. Morgen bekommen sie ihn. Darauf hin war die Dame von Sozial Global sehr irritiert, wirklich von den Socken. Das sei das erste Mal, dass jemand das verlangt. Nein, also das sei eigentlich nicht vorgesehen. Dann kam noch was mit Fristen, was ich nicht kapiert habe. Und noch einmal: schwierig, schwierig, gerunzelte Stirn, Kopfschütteln, heftige Körperbewegungen. Die Dame war durchaus in Ordnung, die war keineswegs ungut. Ich war nicht in Ordnung, ich war ungut. Ich wollte den Vertrag lesen.